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Rentner in NRW Weniger Altersarmut als gedacht?

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Boomer-Soli, Aktienrente oder längere Lebensarbeitszeit - die Bundesregierung will das Rentensystem auf neue Füße stellen. Ein wichtiges Argument: Für viele reicht das Geld im Alter kaum zum Leben. In NRW gilt fast jeder fünfte Rentner als armutsgefährdet. Eine neue Studie des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft legt jedoch nahe, dass die Lage weniger dramatisch sein könnte, als sie oft wirkt.

In der Debatte über die Reform des Rentensystems taucht ein Wert immer wieder auf: Fast jeder fünfte Rentner sei von Armut bedroht. Das Statistische Landesamt in NRW nennt für die Über-65-Jährigen im Land eine Armutsgefährdungsquote von 17,9 Prozent.

Rentenstudie - weniger Altersarmut als befürchtet

WDR 20.05.2026 05:43 Min. Verfügbar bis 19.05.2028 WDR Online

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Grundlage für diese international übliche Berechnung des Armutsrisikos ist das Einkommen. Wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat, gilt demnach als armutsgefährdet. Doch dieser Ansatz führt in die Irre, kritisiert das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW)in einer neuen Studie. Tatsächlich sei das Armutsrisiko der Rentnerinnen und Rentner deutlich geringer als oft angenommen

IW-Studie: Armutsstatistik vernachlässigt Vermögen

Der reine Fokus auf das Einkommen vernachlässige, dass viele im Alter ein erhebliches Vermögen angesammelt hätten. "Dieses Vermögen sichert den Lebensstandard auch bei kleinen Renten", sagt IW-Ökonom Dr. Jochen Pimpertz.

Rohbau eines Einfamilienhauses

Eigenheim als Altersvorsorge

Im Durchschnitt verfügen Rentner-Haushalte in Deutschland laut Daten der Bundesbank über ein Nettovermögen von rund 313.000 Euro - häufig in Form von Immobilien. „Wem es gelingt, eine Immobilie bis zum Eintritt in den Ruhestand schuldenfrei zu tilgen, der reduziert seinen Einkommensbedarf im Alter“, so Pimpertz.

Heißt: Wer im Alter keine Miete mehr zahlen muss, kommt unter Umständen auch mit einer geringen gesetzlichen Rente aus. Für eine realistische Bewertung des Armutsrisikos müsse deshalb auch das Vermögen eine Rolle spielen. Auf dieser Grundlage hat das IW eine eigene Berechnung der Armutsgefährdung erstellt: Ergebnis: Statt 17,8 Prozent der Altersrentner sind danach elf Prozent von Armut bedroht.

WSI: Viele brauchen Erspartes als Sicherheit

Kritik an dieser Studie kommt vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. "Für viele Menschen dient das Vermögen im Alter eher als Sicherheit und nicht zum Bestreiten des Lebensstandards", kritisiert WSI-Forscherin Dorothee Spannagel. Die Annahme, dass Vermögen vor Altersarmut schütze, gehe an der Lebensrealität vieler Menschen vorbei.

Hinzu kommt, dass die Vermögen in Deutschland sehr ungleich verteilt sind. Während manche Rentnerinnen und Rentner im Alter weit mehr als die durchschnittlich gut 300.000 Euro angespart haben, hätten andere im Alter mit Schulden zu kämpfen, so Spannagel.

Ein weiter Aspekt: Die Zahl der älteren Menschen, die auf staatliche Unterstützung angewiesen sind, ist in den vergangenen Jahren gestiegen. In Nordrhein-Westfalen beziehen inzwischen mehr als 200.000 Rentnerinnen und Rentner Grundsicherung im Alter. Zudem gehen Fachleute davon aus, dass es ein nicht unerhebliches Dunkelfeld gibt, da manche Betroffene aus Scham keine Leistungen beantragen.

Unsere Quellen:

Sendung: WDR 5, Wirtschaftsmagazin, 20.05.2026, 13:35 Uhr

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