Die abschlagsfreie Frührente, besser bekannt als "Rente mit 63", sei beliebt - so die Autoren der Studie. Rund 30 Prozent aller Menschen, die in Rente gehen, nutzen die Option der Frührente.
Das seien jedes Jahr 250.000 bis 280.000 Menschen, die vorzeitig ohne Abzüge in Rente gehen. Denn die Frührente erlaubt es Arbeitnehmerinnen und -nehmern vor dem eigentlichen Rentenalter in den Ruhestand zu gehen. Voraussetzung: Sie haben 45 Jahre Beiträge in die Sozialkassen gezahlt.
Eintrittsalter in die Rente verschiebt sich
Für viele eine wichtige Entscheidung: Wann und wie kann ich in Rente gehen?
Allerdings habe sich das Eintrittsalter der Frührente verändert, weil auch das Regelrentenalter in Deutschland immer weiter steigt. Die "Rente mit 63" sei mittlerweile eine "Rente mit 64 1/3". Das hänge damit zusammen, dass der frühestmögliche Rentenbeginn 24 Monate vor dem regulären Rentenalter liegt.
Hohe Kosten und Fachwissen geht verloren
Die Studie nennt finanzielle und arbeitsmarktbezogene Gründe für eine Abschaffung der Frührente. Zum einen, weil durch eine Abschaffung viel Geld eingespart werden könnte. Laut Studie pro Rentenjahrgang rund 9,5 Milliarden Euro.
Zum anderen aber auch, weil dadurch viel Fachwissen und Kompetenz verloren gehe. Und: Laut Autoren würden dem deutschen Arbeitsmarkt ohne Frührentner rund 125.000 Vollzeitkräfte mehr zu Verfügung stehen.
Durch ein Aus für die Rente mit 63 würden die öffentlichen Kassen kräftig entlastet. Das ist zwar ein wichtiges Argument. Aber weit größer ist doch der Nutzen, der entsteht, wenn es gelingt, erfahrene, gut qualifizierte Beschäftigte einige Monate oder gar Jahre länger im Job zu halten. Eric Thode, Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann Stiftung
Lösungen für Menschen in körperlich anstrengenden Jobs
Die Forschenden gehen davon aus, dass sich der Renteneintritt im Durchschnitt um zehn Monate verschieben würde, wenn die Frührente abgeschafft werden würde. Sie sind sich bewusst, dass das Nachteile für Menschen haben könnte, die gesundheitliche Probleme haben oder ihren Beruf körperlich nicht länger ausüben können.
Laut Bertelsmann-Studie würde die Abschaffung der Frührente viel Geld sparen.
Diese Menschen müssten dann eine vorzeitige Rente mit finanziellen Einbußen in Kauf nehmen. Die Autoren schlagen vor, dass für solche Fälle eine Gesundheitsprüfung gemacht oder die langjährig belastende Arbeit nachgewiesen wird. Dann könnte es Ausnahmen geben. Allerdings seien diese Maßnahmen mit viel bürokratischem Aufwand verbunden.
Vorschlag: Einkommen entscheidet über Renteneintritt
Als eine mögliche Lösung nennen die Autoren, dass das Einkommen darüber entscheiden sollte, wer ohne Abschläge in Rente gehen darf. Denn Menschen, die körperlich anstrengend arbeiten, verdienen oft weniger als der Durchschnitt.
Denkbar wäre nach Angaben der Autoren eine Einkommensgrenze von 60 Prozent des durchschnittlichen Erwerbseinkommens als Voraussetzung für besondere Rentenregelungen.
Unsere Quellen:
- Bertelsmann-Stiftung
- Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung
Sendung: WDR.de, Neue Bertelsmann-Studie will Altersrente abschaffen, 03.06.2026, 05:00 Uhr
