Steigende Heizkosten kommenden Winter | WDR aktuell
01:50 Min.. Verfügbar bis 23.09.2027.
Heizen mit Klimaanlage - geht das wirklich und wie sinnvoll ist es?
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Klimaanlagen sind in erster Linie dazu da, im Sommer den Raum zu kühlen. Sie können aber auch Heizen. Dazu müssen einige Voraussetzungen erfüllt werden. Was müsst ihr dazu wissen, welche Vorteile und welche Nachteile hat diese Art zu heizen? Ein Energieberater klärt auf.
Bei einer Klimaanlage denkt man unweigerlich an den Sommer. Die Klimaanlage hilft mir, bei hohen Außentemperaturen ein angenehmes Wohlfühlklima in meiner Wohnung herzustellen. Aber: Eine Klimaanlage kann auch zum Heizen genutzt werden - mitunter sogar sehr effizient. Was dabei zu beachten ist und wann das Heizen mit Klimaanlage auch wirtschaftlich ist, erfahrt ihr hier.
Welche Voraussetzungen braucht ihr für das Heizen mit Klimaanlage?
Das Wichtigste: Die Klimaanlage muss dazu in der Lage sein, ihre Kühlfunktion umzukehren, sie muss also einen reversiblen Kältemittelkreislauf haben. Dann funktioniert sie wie eine Wärmepumpe: Sie entnimmt der Außenluft Wärme und gibt diese in den Innenraum ab.
Ein entscheidender Unterschied zur Wärmepumpe: Die Klimaanlage kann nur heizen, sie kann aber nicht genutzt werden, um auch Wasser zu erhitzen. Das bedeutet, für das Erwärmen von Wasser ist ein zusätzliches Heizsystem erforderlich.
"Daher sehen wir das Heizen mit Klimaanlagen als Ergänzung zu einem bestehenden Heizsystem", erklärt Florian Bublies, Fachreferent Heizen von der Verbraucherzentrale NRW, im Gespräch mit dem WDR.
Ist Heizen mit einer Klimaanlage denn wirtschaftlich?
Die Frage lässt sich pauschal nur schwer beantworten, da sie von vielen Faktoren abhängig ist. Die wichtigsten sind der energetische Zustand des Hauses, also die Dämmung, und die Außentemperatur. "In unseren Breitengraden steigt der Heizbedarf im Winter doch stark an, da wird es schwierig, effizient zu heizen. In einem Passivhaus mag das gehen, aber generell sehen wir Klimaanlagen eher als Ergänzung für die Übergangszeit", so der Experte.
Warum aber ist das so? Bublies liefert die Antwort: "Zum einen ist die Heizleistung nicht groß genug für mehrere Räume, zum anderen ist bei Außentemperaturen von 5 Grad und weniger der Strombedarf exorbitant. In einer 5 Grad kalten Luft ist eben nicht mehr viel Wärme drin, die muss ich dann mit viel Strom generieren", so Bublies. Und das gehe dann wegen der hohen Stromkosten ins Geld.
Wo ist denn eine Klimaanlage sinnvoll eingesetzt?
"Grundsätzlich", so empfiehlt es der Energieberater, "sollte man prüfen, ob die Klimaanlage alternativ zur Zentralheizung genutzt werden kann. Im Winter muss die Heizung die Arbeit verrichten, aber in Frühling und Herbst schafft es auch die Klimaanlage."
Mobile Klimaanlage
Ideal sei es, wenn zusätzlich eine Photovoltaik-Anlage (PV) auf dem Dach installiert ist. "Gerade in der Übergangszeit ist das eine tolle Lösung mit PV auf dem Dach. Im Frühling habe ich schon viel Solarenergie und diese selbst zu nutzen ist ja ohnehin besser, als sie einzuspeisen. Da kann ich die Energie gut in die Klimaanlage stecken und zum Beispiel das Dachgeschoss heizen." Dann müsse die Gasheizung weniger liefern. "Das ist eine schöne Kombination aus beiden Heiztechniken und ich spare da noch etwas ein."
Entscheidend bei den Kosten ist der sogenannte SCOP-Wert. SCOP steht für Seasonal Coefficient of Performance, auf Deutsch sagt man "Saisonaler Leistungskoeffizient". Der Wert beschreibt das Verhältnis von aufgenommener elektrischer Energie zu abgegebener Wärme. Damit wird die Effizienz des Geräts beschrieben. "Wenn ich eine Kilowattstunde Strom reinstecke und drei bis fünf Kilowattstunden Wärme erhalte, ist das ein guter Wert." Mit einem guten SCOP-Wert werden also die Energiekosten gesenkt. "Der Wert kann bei sehr niedrigen Außentemperaturen sinken, dann wird der Einsatz der Klimaanlage teurer", sagt Bublies. Die Kosten hängen also von der Jahreszeit ab.
Welche Investitionskosten kommen auf mich zu?
Ein sogenanntes Einzelsplitgerät, das einen Raum versorgen kann, gibt es schon ab 500 Euro. "Die sind aber technisch bescheiden und in der Effizienz nicht besonders gut", schränkt Bublies ein. Modell- und größenabhängig müsse man mit 2.000 bis 3.000 Euro rechnen. Mit einem Multisplitgerät, bestehend aus einem Außengerät und Anschlüssen für mehrere Innengeräte, lande man bei 4.000 bis 5.000 Euro. "In den meisten Fällen kommen aber Einzelplitgeräte zum Einsatz, zum Beispiel in einem Dachgeschoss."
Klimaanlage an der Hauswand
Wer also nur einen oder zwei Räume im Sommer kühlen und im Winter beheizen möchte, für den sind die Kosten noch überschaubar.
Kurz und knapp: die Vor- und Nachteile
Mit einer Klimaanlage einen Raum zu beheizen, geht meist wesentlich schneller als mit einer herkömmlichen Heizung. "Dazu ist eine Klimaanlage eine sehr schlanke Lösung. Ich benötige keine große Infrastruktur, es gibt Geräte, die alle Funktionen integriert haben", sagt Bublies. Allerdings sind kleinere Baumaßnahmen nötig, wie ein Mauerdurchbruch, der das Innen- mit dem Außengerät verbindet und der von einem Fachbetrieb erledigt werden muss.
Ein möglicher Nachteil ist die Lärmbelästigung, die von den Ventilatoren ausgeht. "Je kleiner und kompakter die Geräte sind, umso lauter ist der Ventilator. Je größer, desto leiser, weil der Ventilator dann mehr Luft bewegt und sich langsamer drehen muss", erklärt Bublies. Deshalb ist ein guter Aufstellplatz mit etwas mehr Platz von Vorteil.
Das Wetter kann Vor- und Nachteil sein. Bei höheren Außentemperaturen ist der Wirkungsgrad hoch, die Klimaanlage heizt effizient. Die Frage ist aber, ob dann überhaupt geheizt werden muss. Und je kälter es draußen ist, umso mehr Strom benötigt die Klimaanlage, um die Wärme zu produzieren.
Den Idealfall beschreibt Bublies so: "Eine Klimaanlage ist dann am sinnvollsten, wenn sie als Ergänzungsheizung genutzt wird und zusätzlich eigener Solarstrom vom Dach kommt."
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Florian Bublies, Fachreferent Heizen, Verbraucherzentrale NRW
- ADAC-Serviceportal Heizen mit Klimaanlage: Die Vor- und Nachteile sowie Kosten
- Viessmann - Effizient heizen mit einer Klimaanlage – So geht's
