Die Strömungsretter der Taucherstaffel machen sich bereit für ihren Übungs-Einsatz.
Der Rhein wirkt an diesem Donnerstagvormittag ruhig. Gegen 10.30 Uhr scheint die Sonne auf das Wasser am Robert-Lehr-Ufer, unterhalb der Theodor-Heuss-Brücke in Düsseldorf. Es gibt kaum Wellen - wer hier steht, kann sich schlecht vorstellen, wie gefährlich der Fluss sein kann.
Am Anleger dagegen bereiten sich die Strömungsretter der Feuerwehr Düsseldorf vor. Vor Ort sind nur wenige Beobachter: einige Pressevertreter und ein Radfahrer, der stehen bleibt und zusieht. An diesem Tag ist es nur eine Rettungsaktion zu Demonstrationszwecken, häufig genug sieht das aber anders aus: Dann geht es um Leben und Tod.
Rettungsübung unter realen Bedingungen
Ein Feuerwehrmann geht ins Wasser und lässt sich mit der Strömung treiben. Er ist heute der Schwimmer, der gerettet werden soll. Zwei Schlauchboote begleiten ihn. Nach wenigen Momenten springt ein weiterer Feuerwehrmann hinterher. Er muss sofort gegen die Strömung kämpfen, während er sich mit kräftigen Schwimmzügen seinem Kollegen im Wasser nähert. Als er ihn schließlich erreicht, sichert er ihn und hält ihn über Wasser. Ein Kraftakt, denn hier in der Mitte des Rheins ist die Strömung besonders deutlich zu spüren.
Jetzt sind die Männer auf die Unterstützung der beiden Schlauchboote angewiesen. Die manövrieren vorsichtig an die beiden Schwimmer heran. Auch sie brauchen einen Moment, um sich in der Strömung richtig zu positionieren. Dann wartet schon die nächste Herausforderung: Der "Verunglückte" muss aus dem Wasser in das Boot gezogen werden. Dafür nutzt die Feuerwehr eine spezielle Matte, die über den Rand des Bootes gehängt wird. Darüber kann sie den Schwimmer leichter an Bord ziehen. Schließlich ist es geschafft, der Feuerwehrmann ist wieder sicher an Bord. Die Rettungsaktion hat nur einige Minuten gedauert.
Warum der Rhein so gefährlich ist
In diesem Jahr wurde die Düsseldorfer Feuerwehr bereits zu 24 Einsätzen alarmiert, bei denen "Personen im Rhein" gesichtet wurden. Acht Menschen konnten aus dem Wasser gerettet werden, drei weitere konnten nur noch leblos geborgen werden. Die Statistik bezieht sich allerdings nur auf das Düsseldorfer Stadtgebiet.
Rettungen oder Bergungen, die an anderen Stellen im Rhein passieren, fließen nicht in die Statistik ein. Außerdem komme es auch vor, dass Personen das Wasser eigenständig wieder verlassen, so die Feuerwehr. "Diese Zahlen verdeutlichen, dass der Rhein trotz vermeintlich ruhiger Wasseroberfläche ein hochgefährliches Gewässer bleibt", sagt Stefan Böle, Sprecher der Düsseldorfer Feuerwehr.
"Die Strömung im Rhein verzeiht keinen Moment der Unachtsamkeit. Wir erleben immer wieder, wie schnell Menschen in Situationen geraten, aus denen sie sich nicht mehr selbst befreien können." Stefan Böle, Sprecher der Düsseldorfer Feuerwehr.
Die Gefahren sind oft nicht sichtbar: Strömungen, Sogwirkungen durch Schiffe und Strudel an der Fahrrinne könnten selbst geübte Schwimmerinnen und Schwimmer innerhalb kurzer Zeit in lebensbedrohliche Situationen bringen. Diese würden häufig die Auswirkungen von Sog und Wellen der vorbeifahrenden Schiffe unterschätzen, denn diese kämen häufig deutlich verzögert am Ufer an, erklärt die Feuerwehr.
Training für den Ernstfall
Die Düsseldorfer Feuerwehr ist auf solche Einsätze bestens vorbereitet: Seit fast 50 Jahren gibt es hier eine Taucherstaffel. Vier Taucher sind rund um die Uhr einsatzbereit und speziell für die Strömungsrettung ausgebildet. Regelmäßig trainieren sie unter realistischen Bedingungen im Rhein.
Entlang des Düsseldorfer Rheinufers warnen rund 70 Hinweisschilder vor den Gefahren. Zudem gilt seit August 2025 ein Badeverbot im gesamten Düsseldorfer Stadtgebiet und auch in vielen anderen Nachbarkommunen am Rhein. Bei Verstößen droht ein Bußgeld von bis zu 1.000 Euro.
Unsere Quellen:
- Landeshauptstadt Düsseldorf, Amt für Kommunikation
- Feuerwehr Düsseldorf
- Eindrücke des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR.de, Rettungsübung der Feuerwehr Düsseldorf im Rhein, 18.06.2026, 16:18 Uhr