Geflügelpest breitet sich aus | WDR aktuell
02:49 Min.. Verfügbar bis 08.11.2027.
Vogelgrippe: In Dorsten wurden Puten getötet - So ist der Stand in NRW
Stand:
In NRW hat die Vogelgrippe bereits mehrere Höfe erfasst. Tausende Tiere wurden getötet. Mittlerweile gelten in mehreren Kreisen Sperrzonen. Es gibt ständig neue Fälle. Ein neuer Leitfaden soll für zusätzliche Prävention sorgen. Die aktuelle Lage der Geflügelpest in NRW.
Trotz massenhafter Tötungen in Geflügel-Betrieben ist die Vogelgrippe in Deutschland noch längst nicht gebannt. Die offizielle Bezeichnung der Infektionskrankheit: Aviäre Influenza oder auch Geflügelpest. Für Menschen birgt sie zwar kein besonderes Risiko. Aber für Vögel ist sie hochansteckend, hat häufig einen qualvollen Verlauf und endet oft tödlich. In NRW werden fortlaufend neue Infektionen registriert. Ein Überblick.
- Wie ist die aktuelle Lage der Vogelgrippe in NRW?
- Tausende Tötungen bei Betrieben in Kamp-Lintfort und Rees
- Zusätzliche Prävention: Land NRW und Verbände unterzeichnen Leitfaden
- Stallpflicht in den gesamten Kreisen Wesel und Kleve
- Ständig weitere Fälle von Vogelgrippe in NRW
- Hygiene ist für den Menschen der beste Schutz
Wie ist die aktuelle Lage der Vogelgrippe in NRW?
Am Mittwoch, dem 19. November 2025, gibt es in NRW 32 aktive Vogelgrippe-Fälle. Dazu zählen auch 18 Wildvögel. Seit Jahresbeginn hat das Friedrich-Loeffler-Institut schon 90 Wildvögel positiv auf das Vogelgrippe-Virus getestet. Ein Großteil dieser Fälle liegt schon Wochen oder Monate zurück und zählt dementsprechend als inaktiv.
Anders sieht es aus bei gehaltenem Geflügel: Von den 16 registrierten Fällen in diesem Jahr sind noch 14 aktiv. Die infizierten Gänse, Hühner, Enten und Puten wurden überwiegend am Niederrhein und in Ostwestfalen gehalten. Aber auch in Hürth im Rhein-Erft-Kreis ist ein Betrieb betroffen.
Sperrzonen bzw. Schutzzonen gibt es derzeit etwa hier:
- Kreis Kleve: Zwei Schutzzonen um Betriebe in Geldern und Kevelaer. Eine Schutzzone um einen Betrieb in Rees wurde wieder aufgehoben.
- Kreis Wesel: Eine Schutzzone um Betrieb in Kamp-Lintfort
- Kreis Paderborn: Drei Schutzzone um Betriebe in Delbrück. Diese reichen auch bis Rietberg im Kreis Gütersloh. Eine dazugehörige Überwachungszone hat auch Auswirkungen auf den Kreis Soest.
- Rhein-Erft-Kreis: Eine Schutzzone um Betrieb in Hürth
- Kreis Recklingshausen: Eine Schutzzone um Betrieb in Dorsten. Das hat auch Auswirkungen auf den Kreis Coesfeld.
In diesen Zonen gelten besondere Schutzmaßnahmen. Darüber hinaus gibt es Nachweise an Wildvögeln zum Beispiel im Kreis Euskirchen und in den kreisfreien Städten Essen, Duisburg, Wuppertal.
Eine Stallpflicht gilt derzeit in diesen Kreisen:
- Kreis Kleve
- Kreis Wesel
- Kreis Coesfeld in Teilen ab Donnerstag (20.11.)
- Kreis Recklinghausen in Teilen ab Donnerstag (20.11.)
- Kreis Borken in Teilen
- Rhein-Erft-Kreis in Teilen
- Kreis Euskirchen in Teilen
Über die aktuellen Entwicklungen der Vogelgrippe in NRW informiert das Landesamt für Verbraucherschutz und Ernährung auf seiner Website:
Tausende Tötungen bei Betrieben am Niederrhein und in Dorsten
Deutschlandweit mussten mittlerweile ungefähr eine Million Tiere getötet werden. In NRW kam es zu umfangreicheren Tötungen insbesondere in Kamp-Lintfort im Kreis Wesel, in Rees im Kreis Kleve und in Dorsten im Kreis Recklinghausen.
Dienstagnachmittag wurden in einem Putenmastbetrieb in Dorsten 14.000 Puten vorsorglich getötet. Dort hat sich danach, am Mittwochnachmittag, ein Verdachtsfall bestätigt. Nachdem alle Kadaver abtransportiert wurden, wurde der Stall desinfiziert, um eine Verbreitung des Virus zu verhindern.
Reinigung eines Lkw auf dem betroffenen Hof in Kamp-Lintfort
In einem Puten-Betrieb in Kamp-Lintfort war das Virus schon Ende Oktober nachgewiesen worden. Daraufhin waren auch dort 18.500 Tiere getötet worden. Wie die Kreisverwaltung später mitteilte, gehe von dem betroffenen Betrieb nach Tötung und Abtransport der Tiere sowie nach Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen keine Gefahr mehr aus.
Einige Tage zuvor mussten bereits in Rees im Kreis Kleve etwa 19.000 Puten getötet werden.
Zusätzliche Prävention: Land NRW und Verbänden unterzeichnen Leitfaden
Wie das Land NRW am Freitag mitteilte, wurde nun zusammen mit mehreren Verbänden ein gemeinsamer Leitfaden für zusätzliche Prävention unterzeichnet. In den sechs Punkten geht es unter anderem um Hygienevorschriften und Kontaktregeln für Hausgeflügel und Wildvögel, das Beachten der Stallpflichten, schnelle Tests durch Tierärzte bei Verdachtsfällen und Einschränkungen bei Geflügelausstellungen und Geflügelmärkten. Weitere Informationen zu dem Leitfaden für zusätzliche Prävention gibt das Land NRW auf dieser Internetseite:
Stallpflicht in den gesamten Kreisen Wesel und Kleve
Seit Mittwochnachmittag gilt für einen kleinen Teil des Kreises Euskirchen eine einmonatige Stallpflicht. Dort sind bisher noch keine Fälle aus Geflügelbetrieben gemeldet worden, allerdings wurden zwei infizierte Kraniche gefunden.
Seit Ende Oktober gilt für die gesamten Kreisgebiete von Wesel und Kleve eine Stallpflicht. Allein im Kreis Wesel seien knapp 3.000 Betriebe oder andere Haltungen mit rund 600.000 Tieren betroffen, teilte die Verwaltung mit. Erfahrungsgemäß muss demnach mit mindestens drei Monaten Dauer gerechnet werden. Auch Geflügelschauen oder -märkte sind dort in der Zeit verboten.
Freilandhühner: Wo eine Stallpflicht gilt, dürfen sie nicht mehr so frei herumlaufen.
Wird eine Stallpflicht ausgesprochen, gilt diese nicht nur für kommerzielle Geflügelhalter, sondern auch für private Halterinnen und Halter. Das betrifft zum Beispiel Hühner im eigenen Garten und Ziervögel in Volieren.
Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen lehnte im Oktober die Forderung nach einer Stallpflicht für ganz NRW zunächst ab. "Der Grund liegt darin, dass man unserer Auffassung nach sehr sorgsam abwägen muss, ob man eine flächendeckende Aufstallung vorschreibt. Stichwort ist da das Tierwohl", sagte die CDU-Politikerin dem WDR.
Ständig weitere Fälle von Vogelgrippe in NRW
Die Bundesbehörde Friedrich-Loeffler-Institut informiert über alle registierten Fälle von Vorgelgrippe in Deutschland. Auch in NRW gibt es fortlaufend neue positive Tests. Das betrifft in vielen Fällen Wildtiere wie Wildenten, Wildgänse und Kraniche.
Vogelgrippe-Nachweise in NRW gab es in den vergangenen Wochen unter anderem auch in Essen, Duisburg und Wuppertal. Darüber hinaus gab es zahlreiche Verdachtsfälle.
Eine aktuelle Auflistung der einzelnen Vogelgrippe-Fälle in Deutschland bietet das Friedrich-Loeffler-Institut auf dieser Internetseite:
Hygiene ist für den Menschen der beste Schutz
Eine Ansteckung des Menschen mit Geflügelpest (Aviäre Influenza) ist selten und erfordert engen Kontakt zu infiziertem Geflügel mit einer hohen Viruslast. Für die Allgemeinbevölkerung bestehe kein besonderes Risiko, teilte das NRW-Landwirtschaftsministerium am vergangenen Freitag mit.
Lebensmittel aus infizierten Beständen gelangten demnach nicht in die Lebensmittelkette. Zudem sei das Virus hitzeempfindlich, weshalb durcherhitzte Lebensmittel als unbedenklich gelten.
Unsere Quellen:
- Landesamt für Verbraucherschutz und Ernährung (LAVE)
- Mitteilungen Kreis Kleve
- Mitteilungen Kreis Wesel
- Pressemitteilung des Kreises Paderborn
- Pressemitteilung des Kreises Höxter
- WDR-Interview mit NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen
- Pressestelle der Stadt Essen
- Friedrich-Loeffler-Institut (FLI)
- Pressemitteilung des NRW-Landwirtschaftsministeriums
- Mitteilungen des Landes NRW
- Nachrichtenagentur dpa
- Mitteilungen Kreis Paderborn
- Pressemitteilung des Veterinäramtes Kreis Euskirchen
- Mitteilung vom WLV Kreisverband Coesfeld
- Mitteilung Stadt Dorsten
- Instagram-Post des Kreis Euskirchen