Der Verein AckerBildung vermittelt nachhaltige Landwirtschaft spielerisch
Zehn Kinder mit Gummistiefeln an den Füßen rennen Richtung Feld, Schubkarren und die beiden Übungsleiter Steffi Maltzkorn und Jochen Wenzel des Vereins Ackerbildung im Schlepptau. Es sind 17 Grad, die Sonne scheint - perfekte Bedingungen für einen Tag auf dem Acker. "Der Frühling kommt", freut sich Maltzkorn. "Vielleicht sehen wir heute die erste Hummel des Jahres."
Der Verein Ackerbildung will Kindern und Jugendlichen zeigen, wie nachhaltiger Gemüseanbau funktioniert. Eines der Projekte heißt Ackerkids. Hier lernen Kinder im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren Pflanzen und Tiere über den Jahresverlauf auf einem Acker der Solidarischen Landwirtschaft in Blomberg-Dalborn kennen. Über 40 Gemüsekulturen mit rund 120 verschiedenen Sorten wachsen hier. Darunter Grünkohl.
Blomberger Projekt "AckerBildung"
Lokalzeit OWL. 03.03.2026. 03:19 Min.. Verfügbar bis 03.03.2028. WDR. Von Jana Haver.
"Grünkohl ist richtig gesund. Der hat so viele Vitamine", erklärt Jochen Wenzel den Kindern, die alles direkt probieren wollen. "Das sieht aus wie ein Brokkoli", sagt der siebenjährige Levi. "Schmeckt aber sehr lecker." So viel gibt es noch nicht auf dem Acker zu sehen: verschiedene Sorten Grünkohl, Rosenkohl und etwas Porree. Der ist allerdings vielen der Kinder zu scharf.
Vom kleinen Samen zur großen Pflanze
Die Gruppe eröffnet das Gartenjahr heute mit Aussaat. Im Gewächshaus darf angepflanzt werden: Radieschen und Spinat, der jedoch unterschiedlich ankommt. Die einen Kinder finden ihn ekelig, die anderen mögen ihn. "Als Kind mochte ich auch keinen Spinat, aber heute finde ich ihn sehr lecker", sagt Wenzel.
Gemüse und Kräuter: Wann sollten sie ausgesät werden?
Am besten schmecken Gemüse und Kräuter doch frisch geerntet aus dem heimischen Garten oder Balkon. Damit die Pflanzen optimal wachsen können, sollten sie zur richtigen Zeit ausgesät werden. Ein Überblick.
Jedes Kind bekommt einen kleinen Becher mit Samen. Diese werden vorsichtig in die Erde gedrückt. "Guckt genau, wo ihr welche hingelegt habt", sagt Wenzel und schaut den Kindern über die Schulter. "Aus kleinen Körnern werden dann große Bälle." Im Anschluss wird gegossen. Die Kinder füllen eine Gießkanne nach der anderen mit Wasser. "Ihr könnt gut gießen, aber zu viel ist auch nicht gut - dann schwimmt alles weg", erklärt der gelernte Gärtner.
Wenzel ist schon seit Jahren Umweltpädagoge bei der Ackerbildung. Den Job macht er mit Leidenschaft. "Ich mache das, weil ich richtig viel Spaß und Freude dran habe und weil ich denke, Lernen ist keine Einbahnstraße, sondern ich lerne von den Kindern genauso viel, wie die von mir lernen", sagt er. Kinder würden überall neue Abenteuer entdecken.
Verein Ackerbildung mit Engagementpreis ausgezeichnet
Ziel der Ackerbildung ist es, dass Menschen ein anderes Bewusstsein zur Natur bekommen. "Sie sollen über alle Sinne mit der Natur in Kontakt kommen", sagt Übungsleiterin Maltzkorn. "Nicht über das Smartphone, sondern anfassen, riechen, ausprobieren, fühlen. Das ist unser Anliegen." Auch für Erwachsene gibt es Kurse, zum Beispiel im Sensen oder Weideflechten.
Den gemeinnützigen Verein gibt es seit 2020. Im Dezember wurde er vom Land NRW mit dem Engagementpreis ausgezeichnet. "Wir freuen uns, dass unsere Arbeit, die wir seit Jahren leisten, jetzt mit diesem Preis anerkannt wurde", sagt Wenzel.
Auf die Aussaat folgt das Gießen - und das nicht zu knapp
Die Kinder sind inzwischen zum kleinen Gewächshaus gelaufen, die Arbeit auf dem Acker macht hungrig. "Besonders gut gefällt mir, dass man hier alles probieren kann", sagt Levi mit einem Grinsen. Schnell erntet er mit den anderen Kindern ein paar Kräuter und aus dem Lager nehmen sie noch Möhren und gelbe Bete mit. Das Gemüse wird anschließend klein geschnitten und dann genüsslich in einen selbstgemachten Kräuterquark gedippt.
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit OWL, 03.03.2026, 19.30 Uhr.
