Zwei Frauen stehen vor einem Beet und streuen Mulch darüber.

Zwei Mitglieder der solidarischen Gemeinschaft in Mettmann bei der Arbeit

Solidarische Landwirtschaft: Gemüseanbau als Gemeinschaftsprojekt

Stand:

Den Traum vom Gemüse aus dem eigenen Garten erfüllen sich Menschen in Mettmann im Team. Warum in der solidarischen Landwirtschaft nicht nur Mangold, Blaubeeren und anderes Obst und Gemüse wachsen, sondern auch echter Zusammenhalt.

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Porträtbild von Josefine Upel
Josefine Upel
und (Text) und Florian Zeeh (Multimedia)

In einem großen Garten in Mettmann herrscht reges Treiben: Überall auf dem Gelände sind Menschen mit Gartenhandschuhen und robuster Kleidung in ihre Aufgaben vertieft. Manche streuen zerkleinerte Baumrinde auf ein Beet, um damit die Erde zu schützen. Andere hocken in Gemüsebeeten und rupfen Unkraut aus der Erde. "Mir tun jetzt zwar der Rücken und die Arme weh, aber es macht Spaß. Und ich mache mal was anderes, als den ganzen Tag nur im Büro zu sitzen", sagt einer der fleißigen Helfer mit breitem Lächeln im Gesicht.

Solidarische Landwirtschaft: Verantwortung und Gemüse teilen

Die Menschen, die hier mitanpacken, gehören zu einer solidarischen Landwirtschaft - kurz SoLaWi. Das Konzept dahinter: Privatpersonen schließen sich mit erfahrenen Landwirten oder Gärtnern zusammen und übernehmen gemeinsam die Verantwortung für den Anbau von frischem, saisonalem Gemüse und Obst. Die Mitglieder zahlen einen monatlichen Beitrag, helfen regelmäßig bei Aussaat und Pflege und bekommen dafür einen Anteil der geernteten Lebensmittel. Das Konzept scheint auf Erfolgskurs zu sein. Laut dem Netzwerk Solidarische Landwirtschaft gibt es derzeit rund 50 SoLaWis in NRW und über 470 in Deutschland.

Was die Mitglieder über den gemeinsamen Gemüseanbau denken

00:22 Min. Verfügbar bis 05.05.2027

Die fleißigen Helfer in dem Garten in Mettmann vertrauen auf den grünen Daumen von Nermin Ünal. Sie steckt hinter der Gemeinschaft. Ihr ursprünglicher Traum war es, Landwirtin zu werden. Doch die Realität holte sie ein. "Wenn du nicht aus einer bäuerlichen Familie stammst, wie sollst du jemals genug Kapital für große Ackerland-Flächen erwirtschaften?" Ünal wird stattdessen Gärtnermeisterin. Seit 2018 baut die 49-Jährige in Mettmann Bio-Gemüse an, dafür reicht auch wenig Platz. Doch für eine ertragreiche Ernte muss auch die Natur mitspielen.

Extreme Schwankungen bei der Ernte machen Nermin Ünal zu schaffen

00:17 Min. Verfügbar bis 05.05.2027

Unkalkulierbare Ausfälle und Kosten kann Ünal mit den Beiträgen der Solawisten abfedern. "Stürme, Hagel, Ernteausfälle tragen wir mit. Das ist eben der solidarische Gedanke", sagt Christine Lehnert. Sie hockt im Gewächshaus inmitten von Mangold und Blattsalaten.

Eine Frau hockt zwischen Gemüsebeeten

Christine Lehnert bei der SoLaWi-Arbeit zwischen den Gemüsebeeten

140 Euro zahlen sie und die anderen Mitglieder monatlich für einen großen Ernteanteil, 70 Euro für einen kleinen. "Wenn man das über den Daumen bricht, kommen wir hier schon besser raus, als wenn wir es im Laden kaufen würden", sagt sie und sticht mit einer langen, dicken Gabel in die Erde, um Unkrautwurzeln zu lockern und herauszuziehen.

Besondere Wertschätzung und besonderer Geschmack

Währenddessen schraubt Lars Kappmeier gerade an einem kaputten Rasenmäher herum. Heute sind die handwerklichen Fähigkeiten des Gas- und Wasserinstallateurs gefragt. Jeder bringt auf dem Hof seine unterschiedlichen Talente und Erfahrungen ein. Auch das macht die solidarische Gemeinschaft aus. Genauso wie das Bewusstsein für die Herkunft von Lebensmitteln: "Es ist total schön, dass unsere Kinder hier lernen, wo ihr Essen herkommt und wissen, dass Kartoffeln im Boden wachsen und nicht auf dem Baum", sagt Kappmeier.

  • Zum Beitrag: "Solidarische Landwirtschaft in OWL: Wie ein Hoferbe die Liebe zur Landwirtschaft wiederentdeckte"

Trotzdem kauft der Familienvater auch im Supermarkt hin und wieder reduziertes Gemüse. Aber: "Es ist jedes Mal so, dass es nach Wasser schmeckt. Der Qualitätsunterschied ist riesig." Nichts geht über den eigenen Anbau, findet auch Solawistin Lehnert. Zur SoLaWi-Realität gehört aber auch: "Man muss sich auch an manche Dinge gewöhnen. Wenn man wochenlang Fenchel kriegt und den nicht mag, muss man gucken, wo man den lässt", sagt Lehnert und lacht.

Über dieses Thema haben wir auch am 14.04.2025 im WDR-Fernsehen berichtet: Lokalzeit aus Düsseldorf, 19.30 Uhr

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