Ein Mann schaut grinsend in die Kamera. Vor sich hält er eine Süßkartoffel.

Andreas Pottbäcker experimentiert mit großer Freude am Anbau von Süßkartoffeln

Süßkartoffel aus NRW? Wie Bauern mit exotischen Knollen experimentieren

Stand:

In NRW experimentieren immer mehr Landwirte mit dem Anbau von Exoten wie Süßkartoffeln und Ingwer. Warum sie das tun, welche Hürden es dabei gibt und welche Vorteile die lokale Produktion mit sich bringt.

Von Silke Schmidt

Bananen, Mango oder Ananas finden in Deutschland noch nicht das richtige Klima. Sie brauchen ganzjährig Sonne und genügend Niederschlag. Aber einige Früchte und Gemüse aus südlichen Regionen haben es inzwischen in den Anbauplan heimischer Landwirte geschafft. Die sogenannten "Local Exotics" können den Wunsch der Verbraucher nach südlichen Lebensmitteln mit mehr Nachhaltigkeit verbinden.

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Werden exotisches Gemüse und exotische Früchte in Deutschland angebaut?

In Nordrhein-Westfalen experimentieren Landwirte mit südlichen Kulturen: Safran aus Krefeld, Quinoa aus Köln, Ingwer aus Bornheim, Süßkartoffeln vom Niederrhein. Die Anbauflächen sind aber noch so klein, dass sie statistisch nicht erfasst sind. Der Anbau exotischer oder wärmeliebender Kulturen ist noch eine Nische. Dabei wachsen Mittelmeer-Obstsorten wie Pfirsich, Aprikose und Nektarine aufgrund des Klimawandels schon in Deutschland. Gleiches gilt unter anderem für Melonen, Kiwis oder Physalis.

Warum Landwirte Süßkartoffel und Ingwer in NRW anbauen

"Einfach mal was anderes machen, sich vom Mainstream absetzen" - sagt Landwirt Andreas Pottbäcker über seine Motivation. Der 37-Jährige baut auf seinem Kartoffelhof in Rheurdt am Niederrhein im neunten Jahr Süßkartoffeln an.

Andreas Pottbäcker überprüft die Wurzeln seiner angebauten Süßkartoffeln

00:21 Min. Verfügbar bis 28.10.2027

Die Anbaufläche hat Pottbäcker immer weiter ausgebaut. In diesem Jahr macht er die Hälfte seines Umsatzes mit Süßkartoffeln. Flächenmäßig macht sie zwar nur einen kleinen Teil in seinem Anbaumix aus, erfordert aber viel Handarbeit.

Warum sich der Anbau für ihn lohnt: Bei normalen Speisekartoffeln gibt es eine feste Notierung, also einen festgesetzten Kurs, zu dem er sie verkaufen muss. Bei den Süßkartoffeln kann er die Preise hingegen selber aushandeln und direkt an den Einzelhandel verkaufen. Darüber hinaus halte die Süßkartoffel längere Dürreperioden gut aus und brauche weniger Dünger.

Dem Biohof Bursch aus Bornheim ging es beim Ingweranbau um das Alleinstellungsmerkmal. Frischer Ingwer aus NRW ist noch eine Rarität. Frisch geerntet muss die Knolle nicht geschält werden. Der Ingwer schmeckt feiner und weniger scharf als die getrockneten Importknollen aus Übersee.

Margarete Ribbecke steht auf einem Feld. Sie schaut lächelnd in die Kamera und hält einen Ingwer in ihrer Hand.

Margarete Ribbecke lebt für den regionalen Anbau von Ingwer

Es sei ein ganz anderes Produkt, sagt Gärtnermeisterin Margarete Ribbecke. Die 48-Jährige ist stellvertretende Geschäftsführerin des Biohofs. "Wir müssen uns ja ein bisschen absetzen und zeigen, dass wir mehr können als der normale Lebensmittelhandel."

Welche Hürden gibt es für Landwirte?

Für viele exotische Kulturen gibt es kaum regionale Anbauinformationen. Oftmals müssen die Landwirte selber herausfinden und experimentieren, wie es am besten funktioniert. So auch im Fall von Süßkartoffeln und Ingwer. Beide Kulturen erfordern im Anbau viel Handarbeit: Die Stecklinge, beziehungsweise Jungpflanzen, müssen von Hand gesetzt werden.

Auch das Ernten und Verlesen ist nicht vollständig maschinell möglich. So ist die Schale der Süßkartoffel sehr verletzlich. Die Wunden der Haut müssen nach der Ernte noch im sogenannten "Curing" bei 30 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit "geheilt" werden. Für das schonende Waschen hat sich Landwirt Andreas Pottbäcker sogar einen sogenannten "Bubble-Washer" angeschafft: "Das ist ein bisschen Wellness für die Süßkartoffeln."

Auf einem Feld liegt eine Süßkartoffel. Der Hintergrund ist unscharf.

Der Anbau von Süßkartoffeln bedeutet viel Arbeit für Landwirt Andreas Pottbäcker

Die Direktvermarktung kann eine Chance sein, ist aber kein Selbstläufer. So hat der Biohof Bursch festgestellt, dass der frische Ingwer aus Bornheim im Supermarkt neben dem Importingwer kaum eine Chance hat. Der Grund: Er ist ungefähr doppelt so teuer. Der regionale Ingwer wird deshalb nur im Hofladen und auf Wochenmärkten verkauft. Ingweranbau im Rheinland bleibt deshalb erstmal eine Nische.

Wie groß ist die Nachfrage?

Manches exotisches Gewächs ist vom Speiseplan nicht mehr wegzudenken. Allerdings sind die meisten Importware. So auch Süßkartoffeln und Ingwer:

  • Süßkartoffeln: Als Pommes, Chips oder Suppe - die Süßkartoffel hat die Herzen erobert. Doch noch wird sie größtenteils importiert. Die drei größten Importländer sind die USA, Ägypten und Portugal. In NRW haben sich die Einfuhrmengen nach Angaben des statistischen Landesamtes von 2014 bis 2024 mehr als verdreifacht.
  • Ingwer: Er ist vor allem im Winter beliebt - als Tee oder scharfes Gewürz in asiatischen Gerichten. Die getrockneten Knollen in unseren Supermarktregalen stammen dabei meist aus Übersee.

Welche Vorteile haben lokal produzierte Gemüse und Früchte?

Wenn auch nicht unbedingt beim Preis, haben lokale Süßkartoffel und Ingwer Vorteile beim Geschmack und der Klimabilanz. Zurzeit werden viele Früchte oder Gemüsesorten mit dem Schiff transportiert. Die langen Transportwege belasten die Umwelt. Ein weiterer Pluspunkt ist die verlässliche Kontrolle über Anbau- und Umweltstandards. Denn einige importierte Agrarprodukte kommen aus Ländern mit extremem Wassermangel.

Von seiner Süßkartoffel ist Kartoffelbauer Andreas Pottbäcker jedenfalls total überzeugt: "Es ist eine Super-Kultur, was die Nachhaltigkeit angeht", sagt der Landwirt aus Rheurdt. Keine langen Transportwege, weniger Düngerverbrauch - und mehr Wertschöpfung auf kleinerer Fläche. "Das ist auch für uns als Betrieb nachhaltig", so Pottbäcker.

Über dieses Thema haben wir auch am 19.09.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit aus Duisburg, 19.30 Uhr.

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