Gamsbart am Lodenhut, Gewehr über der Schulter, Dackel an der Leine: ein Klischee, das sich hartnäckig hält. Doch damit hat Försterin Sina Dünzer - lange Lockenmähne, breites Lächeln - rein gar nichts zu tun. Bis auf den Hund vielleicht. Pepe, so heißt der Mischlingsrüde, der brav neben ihr hertrottet. "Den braucht man als Försterin eigentlich nicht", erklärt sie. Aber da sie so viel durch die Natur laufen muss, macht es mit Hund einfach mehr Spaß.
Mit dem Tablet in den Wald
Jagen gehört ebenfalls nicht zu ihrem Beruf, auch wenn Dünzer das durchaus gelernt hat. Bewaffnet ist sie heute bei ihrer Arbeit im Wald trotzdem, und zwar mit einer Spraydose. Die hält sie in der einen Hand, in der anderen ein Tablet. Denn auch in der Natur läuft inzwischen vieles digital, per GPS-gestützter Erfassung ihres Einsatzgebietes zum Beispiel.
Auf dem Display kann sie erkennen, wo im Wald bereits Forstarbeiten stattgefunden haben. Alle paar Meter bleibt die 28-Jährige stehen, sprüht mit der ungiftigen, weißen Farbe zwei Striche auf einen Baumstamm. Markierungen, die den Forstarbeitern anzeigen, welchen Teil des Waldes sie mit Maschinen befahren dürfen.
Försterin mit Leidenschaft
Lokalzeit aus Aachen. 22.01.2026. 03:31 Min.. Verfügbar bis 22.01.2028. WDR. Von Anke Bardenberg.
Das Anlegen solcher Rückegassen, so der Fachbegriff, ist viel Arbeit. Die muss Dünzer jetzt erledigen, denn die Holzernte findet überwiegend im Winter statt. "Das heißt, wir nehmen uns öfter im Sommer Urlaub, im Winter arbeiten wir eigentlich mehr", sagt die Försterin. Aber auch wenn es so kalt ist, wie heute - ihren Job macht Dünzer leidenschaftlich gerne.
Draußen in der Natur zu sein, war ihr immer schon wichtig, denn sie ist auf einem Bauernhof aufgewachsen. Doch zu ihrem Beruf ist sie über Umwege gekommen. Nach dem Schulabschluss entschied sie sich zunächst für eine Ausbildung zur Hotelfachfrau, studierte erst danach Forstwirtschaft. Seit Oktober arbeitet sie nun beim Regionalforstamt Hocheifel-Zülpicher Börde.
Forstwirtschaft: Als junge Frau in einer Männerdomäne
Ab und zu komme es vor, dass sie als Frau in ihrem Job nicht ernst genommen werde, sagt Dünzer, "aber wenn man die dann ein bisschen von sich überzeugen und zeigen kann, dass man das gelernt hat und weiß, was man da erzählt, dann verfliegt das meistens auch sehr schnell." Und die Zeiten, wo der Beruf des Försters eine reine Männerdomäne war, sind schließlich schon lange vorbei. Heute liegt der Frauenanteil in der Branche laut Wald und Holz NRW bei etwa einem Viertel, Tendenz steigend.
Mitten im Grünen: Das ist Sina Dünzers Reich
In ihrem Forstbetriebsbezirk Nideggen plant und überwacht Dünzer die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder. Große Teile davon sind in Privatbesitz, bundesweit sind es rund 48 Prozent. Und so ist auch die Beratung der Waldeigentümer ein wichtiger Teil ihres Berufs. Etwa zum Umbau von anfälligen Monokulturen in vitale Mischwälder. Vor allem Nadelholzbäume leiden unter dem Klimawandel und der Borkenkäferplage.
Das ist auch in den Wäldern rund um Nideggen nicht zu übersehen. An manchen Stellen ragen braune, leblose Stümpfe in den Himmel. Dass sie mit ihrer Arbeit ein Stück dazu beitragen kann, das Ökosystem Wald zu erhalten, ist Dünzer wichtig.
Nicht alles sei so, wie sie es erwartet habe, jede Menge Büroarbeit gehöre auch dazu, sagt Dünzer. Aber die nimmt sie gerne in Kauf, denn eins darf sie als Försterin jeden Tag erleben: "Diese Ruhe, diese Gelassenheit draußen. Man hat keinen Stress und kommt ein bisschen runter, wenn man im Wald ist."
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Aachen, 22.01.2026, 19.30 Uhr.