Naturkundler Jan Ole Kriegs im Moor im Lüntener Wald und macht mit einer Kamera mit großem Objektiv ein Foto.

Das Moor im Lüntener Wald genau im Blick: Naturkundler Jan Ole Kriegs

Mit Gummistiefeln fürs Klima: Warum im Münsterland ein Wald geflutet wird

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Mitten im Lüntener Wald steht Jan Ole Kriegs knietief im Wasser. Der Direktor des LWL-Naturkundemuseums Münster ist fasziniert von der Rückkehr des Moors. Denn was hier passiert, ist einzigartig: Ein ganzer Wald wird wiedervernässt. Warum Moore echte Klimaretter sind.

Von Nicole Albers

Gut, dass Jan Ole Kriegs Gummistiefel angezogen hat. Mit denen steht er in einer braunen Wasserpfütze. Mit der Hand greift er ins Wasser und findet schnell, was er gesucht hat: eine Pflanze, bestehend aus schlauchartigen, grünen Fäden. "Das hier ist ein Wasserschlauch, eine Schwimmpflanze mit kleinen Knötchen", sagt Kriegs, "das sind Fallen, mit denen die Pflanzen Wasserflöhe fängt".

Immer wieder hält der Naturkundler und Chef des LWL-Naturkundemuseums in Münster an. Er guckt mit seinem Fernglas über die sumpfige Fläche. Und er macht Fotos von Pflanzen, seltenen Libellen oder Fröschen, die durch das Wasser hüpfen. Kriegs ist immer wieder begeistert von der einzigartigen Natur hier im Moorgebiet des Lüntener Waldes.

Welche besonderen Pflanzen im Moor wachsen

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"Vernässen im Maßnahmengebiet". Damit beschreibt Kriegs ganz wissenschaftlich, was im Lüntener Wald in den nächsten Jahren geplant ist. Kurz gesagt: Aus trocken gelegten Teilen des Waldes im Kreis Borken, nahe der holländischen Grenze, soll wieder ein Moor werden.

Moore sind Klimaschützer

Nur wenige hundert Meter vom Moor entfernt ist der Boden staubtrocken. Er ist übersät mit welken Blättern und knorrigen Ästen, hohe Kiefern ragen in die Luft. Der Grund dafür ist deutlich zu erkennen: Durch einen großen Teil des Lüntener Waldes ziehen sich mannshohe Gräben. Darin steht das Wasser kniehoch. Es kommt also nicht über die Gräben hinaus. Sie wurden vor fast 130 Jahren angelegt, um die Moorlandschaft trockenzulegen und das Gelände für die Forstwirtschaft zu nutzen.

Jetzt heißt es: Rolle rückwärts. Im Herbst 2025 werden die Gräben mit Altholz zugeschüttet. Regen- und Grundwasser sollen dann nicht mehr aufgehalten werden. Der Wald soll sich so zurückentwickeln, mehr Moor ist das Ziel.

Die dicht bewachsene Moorlandschaft im Lüntener Wald

Moorlandschaft als Klimaschützer

Denn längst ist wissenschaftlich bewiesen, welchen großen Einfluss Moorgebiete auf das Klima haben. Die dort wachsenden Torfmoose sind echte Klimaschützer. Sie ziehen CO2 aus der Luft und speichern es in ihren Wurzeln. Wenn die Moose sterben, bleibt der Kohlenstoff als Torf im Boden. Laubbäume nehmen zwar auch CO2 auf, allerdings wird es beim Verrotten wieder ausgestoßen.

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Auch die Entwässerung von Mooren und die Nutzung von Torf setzen CO2 frei. Zuletzt hat das rund 7,5 Prozent des deutschen Treibhausgasausstoßes ausgemacht, sagt das Bundeslandwirtschaftsministerium. Es geht um eine gewaltige Menge von mehr als 50 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Kein Wunder, dass nicht nur im Lüntener Wald wieder mehr Moor entstehen soll.

Weltweit einzigartiges Projekt

Wenn der Wald wieder zum Moor wird, sind Wissenschaftler ganz eng dabei. Im Lüntener Wald wurde extra ein 30 Meter hoher Turm aufgebaut, voll bepackt mit Messinstrumenten. Sie messen Windgeschwindigkeit, Luftfeuchtigkeit, Niederschlag und Strahlung in der Luft. Weitere Sensoren im Boden sorgen für ein Gesamtbild der Klimaentwicklung im Wald.

An einem Turm im Lüntener Wald ist in 30 Metern Höhe ein Sensor angebracht.

Dokumentieren alles: Sensoren auf dem extra errichteten Turm im Lüntener Wald

Mana Gharun hat alle Sensoren und Daten genau im Blick. Die Professorin für Landschaftsökologie an der Universität Münster ist die Chefin des Projekts. Ein Projekt, das es so bisher weltweit noch nie gab.

Was das Projekt im Lüntener Wald weltweit einzigartig macht

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Am Ende können die Wissenschaftler dann Modelle aufstellen, was mit Wäldern passiert, wenn sie wieder zu Mooren werden. Die ersten positiven Effekte und Ergebnisse erwartet das Team schon nach einem knappen Jahr.

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Gharun ist stolz, dass sie dabei ist: "Das ist wirklich besonders, an so etwas mitzuarbeiten. Außerdem macht es Spaß, mal aus dem Büro herauszukommen und in so einer schönen Umgebung zu arbeiten." Bald soll diese Umgebung noch schöner sein - für seltene Tiere, bedrohte Pflanzenarten im Moor und das Klima.

Über dieses Thema haben wir auch am 02.07.2025 im WDR-Fernsehen berichtet: Lokalzeit Südwestfalen, 19.30 Uhr.

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