Wenn der medizinische Dienst kommt
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Wer einen Pflegegrad bei der Krankenkasse beantragt, bekommt kurz danach Besuch von einem Begutachter des medizinischen Dienstes. Die Fachleute bleiben für etwa eine Stunde, lassen sich Haus oder Wohnung zeigen und schauen, wie viel und welche Hilfe jemand braucht.
Das Problem dabei: Schwäche zu zeigen, fällt uns allen schwer. Deshalb mobilisieren viele Menschen in dieser Situation all ihre Kräfte. Ein Demenzkranker unterhält sich dann vielleicht wieder fließend und wirkt klar und orientiert, ein Mensch mit orthopädischen Problemen scheint plötzlich wieder völlig sicher auf den Beinen zu sein.
Unser Studiogast Johannes Haas vom "Verbund Pflegehilfe" beruhigt aber: Die Gutachter vom medizinischen Dienst kennen diesen Effekt und berücksichtigen ihn. Das haben uns auch Angehörige von pflegebedürftigen Menschen erzählt.
Trotzdem ist es sinnvoll, schon vorher schriftlich zu dokumentieren, wie viel Hilfe jemand braucht. Am besten führt man über ein paar Wochen ein Pflegetagebuch. Vorlagen dafür gibt es im Internet.
Und auch alle anderen medizinischen Unterlagen, die man hat, sollte man für diesen Besuch bereitlegen: Arztberichte, Medikationsplan, Entlassberichte aus dem Krankenhaus, Behandlungsberichte aus einer Rehaklinik, einen Schwerbehindertenausweis. Und auch Hilfsmittel wie Stock, Rollator oder Badewannenlift sollte man dem Begutachter zeigen.
Experte Johannes Haas rät aber auch, sich mit dem Besuch nicht zu viel Stress zu machen: Er empfiehlt zum Beispiel, nicht vorher extra aufzuräumen oder zu putzen. Schließlich soll der medizinische Dienst die Realität sehen.
Auch wichtig zu wissen: Der medizinische Dienst gehört NICHT zur Krankenkasse, sondern ist eine unabhängige Institution. Die Begutachter sind meist ehemalige Pflegekräfte oder Ärzte, also Fachleute aus der Praxis. Und, sagt Johannes Haas: "Die meisten von ihnen haben das Herz auf dem rechten Fleck", seien also wirklich bemüht zu helfen.
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Sendung: WDR 4 Mittendrin mit Anne Debus, 15.03.2026, 6 Uhr.