Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) bei der Vorstellung des Konjunkturberichts

Mit der NRW-Wirtschaft geht's Schritt für Schritt aufwärts

Stand:

Die Wirtschaft in NRW erholt sich offenbar zaghaft. Einen Boom erwarten Konjunkturexperten vom RWI und der IHK aber noch lange nicht.

Die vermeintlich gute Nachricht wurde direkt wieder kassiert: Das RWI erwartet für die NRW-Wirtschaft in diesem Jahr ein Wachstum von 0,9 Prozent. So steht's im aktuellen Konjunkturbericht. Aber: Eigentlich seien es nur 0,6 Prozent, schränkte RWI-Konjunkturexperte Torsten Schmidt bei der Vorstellung der Zahlen ein. Denn 0,3 Prozentpunkte müsse man direkt wieder abziehen. Die kämen nur zustande, weil dieses Jahr mehr Arbeitstage im Vergleich zum Vorjahr habe. "Und dann hört sich das schon ganz anders an", ordnete Schmidt seine eigenen Zahlen ein.

Neubaur: "Aufschwung fühlt sich anders an"

Aber ob 0,9 oder bereinigt 0,6 Prozent Wirtschaftswachstum: "Wir kommen wieder in Bewegung", kommentierte NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) am Montag die Zahlen. Zusammen mit Torsten Schmidt vom RWI und Ralf Stoffels von der IHK NRW hatte sie zur Vorstellung der aktuellen Konjunkturdaten ins Wirtschaftsministerium geladen. "Ein Aufschwung fühlt sich anders an", erklärte sie dabei. "Wir sind noch nicht im Sprint, aber im Anlaufen."

Appell an den Bund

Lichtblicke gäbe es unter anderem bei der Elektrotechnik oder auch der Metallerzeugung. Aber besonders die Chemieindustrie leide unter hohen Energiekosten oder auch US-Zöllen. "Wir als Landesregierung haben entschieden, wir wollen nicht abwarten, sondern handeln", betonte Neubaur und verwies dabei etwa auf das 30 Milliarden Euro schwere Infrastruktur- und Investitionsprogramm "NRW-Plan". Das Programm lege die Grundlage, "damit aus Hoffnung wieder echte wirtschaftliche Stärke wird", so Neubaur. Sie appellierte dabei auch an den Bund, seinen Beitrag zu leisten und etwa die Stromsteuer zu senken.

"Nicht der Strom selbst ist zu teuer, sondern Steuern und Netzentgelte." NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne)

Hohe Energiepreise und regulatorische Unsicherheit hielten die Unternehmen in Atem, erklärte auch Torsten Schmidt vom RWI. Dabei habe das Land gute Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen Aufschwung: "Das Land verfügt über eine starke industrielle Basis, gut ausgebildete Fachkräfte und eine innovative Forschungslandschaft", so Schmidt.

Im Herbst 2025 waren die Konjunkturexperten vom RWI noch von einem Zuwachs von 1,1 Prozent für 2026 ausgegangen.

Auch am Arbeitsmarkt sehen die Konjunkturexprten vom RWI leichte Erholungen. So soll die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in diesem Jahr um knapp 36.000 Personen steigen (+0,5 Prozent). Die Arbeitslosenquote könnte nach Angaben des RWI im Jahresschnitt 2026 bei 7,6 Prozent liegen, nachdem sie im Vorjahr bei 7,8 Prozent lag.

IHK sieht leichte Stabilisierung

"Der Start in das Jahr 2026 war für viele Unternehmen schwierig", erklärte Ralf Stoffels, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) NRW. Dabei verwies auch er auf hohe Energie- und Arbeitskosten. Zusammen mit den Unsicherheiten im Außenhandel belasteten diese die Konjunktur, so Stoffels. Allerdings stabilisiere sich die Lage zu Jahresbeginn nach sechs Jahren des Abschwungs auf niedrigem Niveau. Dennoch: "Eine schnelle Rückkehr zum alten Normal ist nicht in Sicht", erklärte Stoffels.

Laut einer aktuellen Konjunkturmfrage der IHK unter ihren Mitgliedsunternehmen scheinen sich jedoch die Aussichten der Unternehmen zu verbessern. Der Abwärtstrend könnte gestoppt worden sein. "Es geht nicht weiter runter, aber es geht seitwärts", erklärte IHK-NRW-Präsident Ralf Stoffels. An der IHK-Befragung hatten sich über 5.300 Unternehmen beteiligt.

IHK-Befragug zur Konjunktur in NRW

WDR Studios NRW 23.02.2026 00:37 Min. Verfügbar bis 23.02.2028 WDR Online

Opposition sieht Landesregierung in der Pflicht

Die SPD-Opposition im Düsseldorfer Landtag warf der Landesregierung vor, keine Lösungen anzubieten. "Nach fast vier Jahren im Amt hat Wirtschaftsministerin Neubaur keine strukturell wirksamen Maßnahmen durchgesetzt, die die Wettbewerbsfähigkeit messbar verbessern", erklärte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Alexander Vogt. Wenn sich die Konjunktur leicht stabilisiere, dann sei das vor allem dem Bund zu verdanken. "Ohne dessen Sondervermögen für Infrastruktur gäbe es gar keinen NRW-Plan der Landesregierung."

Auch die FDP-Fraktion kritisierte Neubaur: "Ein Mini-Wachstum von 0,9 Prozent bedeutet keinen Aufschwung", erklärte Dietmar Brockes, wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion. NRWs Wirtschaft trete weiter auf der Stelle. "Mona Neubaurs große Transformationsversprechen bedeuten für viele Betriebe vor allem mehr Auflagen, höhere Kosten und wachsende Unsicherheit", so Brockes. Statt die Wirtschaft von bürokratischen Fesseln zu befreien, schaffe Schwarz-Grün mit dem NRW-Plan immer mehr vom "komplizierten Förderdschungel".

Unsere Quellen:

  • Pressekonferenz mit Wirtschaftsministerin Mona Neubauer (Grüne), Torsten Schmidt (RWI) und Ralf Stoffels (IHK NRW)
  • Informationen des Landes zum "NRW-Plan"
  • Mitteilung der SPD-Landtagsfraktion
  • Mitteilung der FDP-Landtagsfraktion
  • Nachrichtenagentur dpa

Sendung: WDR.de, IHK-Befragug zur Konjunktur in NRW, 23.02.2026, 16:00 Uhr

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