Große, türkise Maschinen in einer Fabrikhalle, daneben stehen zwei junge Männer und bedienen sie

Klimaneutralität, KI, Kreislaufwirtschaft: Wo steht die NRW-Wirtschaft?

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Klimaneutral produzieren, gebrauchte Stoffe wiederverwenden, das Geschäft mit künstlicher Intelligenz auf den Kopf stellen: In NRW denken gerade viele Unternehmen Produktion und Geschäft völlig neu. Aber: Bei der so genannten Transformation gibt es noch viel zu tun.  

Von Wolfgang Landmesser

In der Fabrikhalle von Heismann Drehtechnik in Velbert: Hinter einer Scheibe wirbelt der Mehrspindler - eine Art Scheibe, die mit Werkzeugen bestückt ist. Aus Stahlrohren fertigt die Maschine zwei Zentimeter lange Hülsen. Hochpräzisionsteile, ohne die zum Beispiel die Hydraulik von Baggerschaufeln nicht funktionieren würde.

Die Maschine ist ein Prototyp - im Innern vollgepackt mit Sensoren. Die sammeln massenweise Daten, die das Unternehmen mit Hilfe von künstlicher Intelligenz auswertet. Das Ziel: Fehlerquellen reduzieren, Energieverbrauch runterfahren, weniger Ausschuss produzieren und am Ende klimaneutral werden.

KI als Grundlage für Umbau

Das Traditionsunternehmen Heismann ist seit über hundert Jahren am Standort in Velbert und investiert jetzt massiv in die Zukunft. "Die Motivation ist, im Endeffekt wettbewerbsfähig zu sein und zu bleiben und dafür immer wieder zu hinterfragen, wie wir noch effizienter werden können", sagt Geschäftsführer Martin Gawenda.

Bei der Transformation steht das Unternehmen noch am Anfang. Aber mit vernetztem Maschinenpark und vollem KI-Einsatz sei sehr viel möglich, sagt der junge Chef: Material einsparen oder die Beschäftigten zielgenauer und ihren Qualifikationen entsprechend einzusetzen.

Blick in eine Maschine mit vielen glänzenden Metallteilen

Mit vielen Sensoren im Inneren von Maschinen will Heismann effizienter werden.

Der Einsatz von künstlicher Intelligenz ist ein wichtiges Element für den Umbau der Wirtschaft. Auch im Konjunkturtief ist KI bei den Unternehmen auf dem Vormarsch, beobachtet Matthias Mainz, zuständig für Transformation bei den Industrie- und Handelskammern in NRW: "Die Krise hat nicht dazu geführt, dass der digitale Wandel in irgendeiner Art und Weise zum Stillstand gekommen ist oder man auf 'Pause' gedrückt hat."

Wirtschaftliche Krise stoppt Umbau-Projekte

Nach einer aktuellen Umfrage der Kammern arbeiten inzwischen zwei Drittel der Unternehmen mit künstlicher Intelligenz, ein Drittel nutzt KI noch nicht. Vor zwei Jahren war das Verhältnis noch umgekehrt.

Um die Produktion grundsätzlich umzubauen - in Richtung mehr Effizienz oder Klimaneutralität - braucht es aber noch viel mehr; vor allem das entsprechende Kapital und klare Zukunftsaussichten. Gerade daran mangelt es aber vielen Firmen in der Krise. "Jetzt zu investieren, ist für sie natürlich nicht einfach", beschreibt Matthias Mainz die Situation. "Sie überlegen eher: Wie kommen wir über die nächsten Monate?"

Derart krisengeschüttelt sei aktuell etwa jedes dritte Unternehmen in NRW, schätzt der IHK-Experte. Immerhin: Ebenso viele Firmen haben mit der Transformation schon richtig losgelegt.

Klimaneutralität, KI, Kreislaufwirtschaft: Wo steht die NRW-Wirt

WDR Studios NRW 21.02.2026 04:59 Min. Verfügbar bis 21.02.2028 WDR Online


Neue Stoffe aus alten Produkten

Mann mit blauem Helm steht vor einer Maschine

Matthias Hausmann, Werksleiter von ESC-SIC in Frechen

Ein Beispiel: ESK-SIC in Frechen. Aus einer Pilotanlage der Chemiefabrik kommt am Ende ein grünliches Pulver raus. Der Stoff heißt Siliciumcarbid und steckt zum Beispiel in Auto-Partikelfiltern. Das Besondere: Den Stoff gewinnt das Unternehmen aus alten Produkten zurück. "Wir können Abfälle in unserem Prozess wärmebehandeln und dadurch ein reineres Material herstellen, als es bisher überhaupt verfügbar ist", sagt Werksleiter Matthias Hausmann.

Grünliches Pulver in einer großen Wanne

ESK-SIC gewinnt seine Rohstoffe aus alten Produkten zurück.

Stichwort: zirkuläres Wirtschaften. Stoffe wieder verwerten statt neu produzieren, das spart Ressourcen und schont das Klima. Bei ESK-SIC bedeutet das konkret: Nur noch ein Drittel des Stromverbrauchs und 20 Prozent der CO2-Emissionen im Vergleich zur herkömmlichen Produktion.

Beim Einstieg in die Kreislaufwirtschaft bekommen die Unternehmen Hilfe von der Effizienz-Agentur NRW. Über 300 Anfragen gab es im letzten Jahr. Ein neuer Rekord, sagt Finanzierungsberater Marcus Lodde: "Viele Unternehmen überlegen gerade, warum ihre gebrauchten Produkte an den Entsorger gehen und sie sich das Produkt nicht zurückholen."

Maschine in einer großen Halle, ein großer Teil ist durch Weichzeichnung unkenntlich gemacht

Wie ESK-SIC seine Rohstoffe zurückgewinnt: Betriebsgeheimnis - darum dürfen wir die Maschine nicht zeigen.

Konkrete Projekte: ein neuer Fahrradschlauch aus Recyclingmaterial, ein Rücknahmesystem in der Kleiderbügel-Fabrik oder weniger CO2-Emissionen in der Eisengießerei durch einen neuen energieeffizienten Ofen mit Wärmerückgewinnung.

Transformer: Frechener Firma recycelt Silizium

Lokalzeit aus Köln 06.01.2026 14:40 Min. Verfügbar bis 06.01.2028 WDR Von Jens Gleisberg

Kreislaufwirtschaft gut in Fahrt

Unternehmen, die im Kreislauf wirtschaften wollen, brauchen ein Gesamtkonzept. Und es funktioniert nicht von heute auf morgen. Von der ersten Idee bis zur konkreten Umsetzung vergehen in der Regel drei bis vier Jahre, sagt Berater Markus Lodde. Aber: "Der Wandel findet statt, auch wenn öffentlich nicht so viel darüber gesprochen wird."

Zukunft Wirtschaft: Die Transformation im WDR

Mit der Serie "Zukunft Wirtschaft" zeigt der WDR, was konkret in den NRW-Regionen passiert - in den Ausgaben der Lokalzeit im WDR Fernsehen und im Wirtschaftsmagazin bei WDR5. Wir begleiten Unternehmen auf dem langen, auch mühsamen Weg.

Wie Heismann Drehtechnik aus Velbert. Noch läuft dort die erste Phase der Transformation: Maschinen vernetzen, Hardware installieren, Produktionsdaten sammeln, mit KI auswerten. Wenn die Struktur erst mal steht, wird sich das für das Unternehmen auszahlen, ist Geschäftsführer Martin Gawenda überzeugt: "Wenn wir eine klare Datenstruktur haben, werden die Anwendungsfälle nur wo rauspurzeln."

Unsere Quellen:

  • Gespräch mit Heismann-Geschäftsführer Martin Gwenda
  • Gespräch mit Matthias Mainz, IHK NRW
  • Gespräch mit ESK-SIC-Werksleiter Matthias Hausmann
  • Gespräch mit Unternehmensberater Markus Lodde, Effizienz-Agentur NRW
  • Eindrücke der Reporter vor Ort

Sendung: WDR.de, "Klimaneutralität, KI, Kreislaufwirtschaft: Wo steht die NRW-Wirtschaft?", 23.2.2026, 5.58 Uhr

Kommentare zum Thema

2 Kommentare

  • 2 Wüstenfähe 24.02.2026, 15:20 Uhr

    Apropos Partikelfilter und Kreislaufwirtschaft. Wann verschwinden die zahlreichen weißen TDI Transporter aus unserem Straßenbild? Sollen wir alle an Lungenkrebs sterben? Wann erlischt deren Betriebserlaubnis? Fahrzeuge ohne Partikelfilter oder gefälschten Abgaswerten resultierend aus dem Diesel-Skandal, meist verbeult und mit rauchendem Fahrpersonal. Irgendein Pullunder ist wieder auf Retourfahrt. Auf diese Art von Konjunktur kann ich gut verzichten. Wo ist der Staat oder der Rundfunk, wenn die gesundheitliche Lebensqualität der Menschen im dicht besiedelten NRW derart drastisch eingeschränkt wird. Das Argument " Arbeitsplätze" will ich hier nicht gelten lassen.

  • 1 Maximilian 24.02.2026, 14:20 Uhr

    Automatisierung und KI kann sich für einzelne Unternehmen auszahlen, aber nicht für den Arbeitsmarkt. Die Gewerbesteuer mag für die Kommunen lukrativ sein, nichtsdestotrotz verlieren wir Monat für Monat wertvolle Industriearbeitsplätze. Und nur diese generieren auskömmliche Sozialversicherungsabgaben. Die Stellen, die noch im öffentlichen Dienst aufgebaut werden, werden bald durch KI abgebaut. Das konjunkturbelebende Sondervermögen wird auch wieder zurückgezahlt werden müssen. Bezüglich der Infrastruktur fahren wir auf Verschleiß. Sanierte Brücken werden wieder Sanierungsbedarf aufweisen, ohne dass der aktuelle Sanierungsstau abgearbeitet wäre. Von Haare- und Pizzaschneiden kann der Arbeitsmarkt in NRW nicht leben. Die Menschen, die heute im Bildungssystem sind, werden vermutlich bei Berufseinstieg nicht mehr das Niveau vergangener Schülergenerationen erreichen. Gut ausgebildete werden abwandern. Das ist meine Prognose für das 18 Millionenland NRW. Ein zerrüttetes Armenhaus.

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