Das hat weh getan. Mitte vergangener Woche haben die nordrhein-westfälischen Tageszeitungen eine neue Wahlumfrage für NRW veröffentlicht. Darin rutscht die SPD mit nur 14 Prozent auf den vierten Platz ab - hinter CDU (32), AfD (20) und Grünen (17). "Sehr ernüchternd" nennt dieses Momentaufnahme Wiebke Esdar, sie ist Co-Chefin der NRW-Landesgruppe im Bundestag. Da helfe es auch nicht, dass "die CDU von Hendrik Wüst noch mehr Prozentpunkte verloren hat".
In der Bewertung liegt Esdar nah bei Jochen Ott, dem designierten SPD-Spitzenkandidaten für die NRW-Landtagswahl. Die SPD im Bund müsse besser "performen", sagt Esdar. "Die Performance dieser Bundesregierung ist einfach nicht gut", so sagt es Ott im Gespräch mit dem WDR. Also: der Bundestrend schlägt auf die Landesebene durch.
SPD hat Probleme im Bund - und auf Landesebene
Der Politologe Stefan Marschall von der Düsseldorfer Uni sieht das Problem nicht nur im Bund. "Bei der SPD brennt es auf allen Ebenen, vielleicht noch am wenigsten auf der kommunalen Ebene."
Ott und Pistorius bei einem Treffen in Schwerte
Mit diesen Flammen im Hintergrund treffen sich nun NRW-Bundestagsabgeordnete - die sogenannte NRW-Landesgruppe - mit Bundesministern wie Klingbeil, Bas und Pistorius und Vertretern der Landes-SPD in Bielefeld. Auch die SPD-Landesgruppen aus Niedersachsen und Bremen sind dabei. Eine gute Gelegenheit also, die Sichtweisen von Bundes- und Landesvertretern der Partei zusammenzubringen - oder gegeneinander abwägen.
Die Treffen der Landesgruppe hätten eine gute Tradition, sagt Esdar, man blicke zurück auf Osnabrück, Dortmund und Norderney. Im Austausch mit Fachleuten geht es diesesmal um sichere Jobs, um "starke Industriestandorte" und eine stabile Demokratie. Sachthemen statt Koalitionsstreiterei. "Wir haben richtig große Aufgaben vor der Brust", so beschreibt es Esdar. Haushalt. Gesundheitsreform. Pflege. Um das alles zu bewältigen, müsse man sich besser aufstellen.
Doch dann spricht Bundeskanzler Merz, wie zuletzt geschehen, von der Rente als "Basisabsicherung" und schon ist es mit dem Miteinander der Regierungsparteien wieder dahin. Ott sagt, viele hätten den Eindruck, "das geht weiter wie bei der Ampel: die streiten ständig".
Jochen Ott: Der unbekannte Spitzenkandidat
Jochen Ott
Doch neben der Hypothek aus dem Bund mit dem "schwierigen Koalitionspartner" (Esdar) hat auch die NRW-SPD ihre eigenen Herausforderungen. Personell: Kaum jemand kennt Ott als designierten Spitzenkandidaten. "Er muss jede Gelegenheit nutzen, sich bekannt zu machen", sagt Politologe Marschall.
Und inhaltlich. Für Marschall steckt die Partei in demselben Transformationsprozess wie die Wirtschaft in NRW: "Die SPD kommt aus der Tradition der Arbeiterpartei. Und das ist etwas, was sie jetzt in die Situation übersetzen muss, in der die klassische industrielle Arbeiterschaft immer kleiner wird."
Sozialdemokraten: Zuhören und besser für Landtagswahl aufstellen
Dabei bietet die schwarz-grüne Landesregierung derzeit durchaus Angriffspunkte - etwa die Krise im Bauministerium rund um Ministerin Scharrenbach oder der lange Weg zum neuen Kita-Gesetz, den Esdar anspricht. Nur: die SPD wird dabei auch nicht als Problemlöser wahrgenommen. Nur jeder zweite SPD-Wähler glaubt, dass die eigene Partei am besten mit den Problemen in NRW fertig wird, so die aktuelle Umfrage.
Deshalb, so Esdar, gehe es bei dem Treffen in Bielefeld auch darum, sich "in beiden Bereichen besser aufzustellen". Meint: die Themen, die man auch bei der SPD-Zuhör-Tour als Kernthemen ermittelt hat und die, bei denen man Schwächen der NRW-Landesregierung sieht.
Unsere Quellen:
- Interview mit Jochen Ott, SPD
- Interview mit Wiebke Esdar, SPD
- Interview mit dem Politologen Stefan Marschall
Sendung: WDR-Hörfunk, WDR 5 Morgenecho, 27.04.2026, ab 06:05 Uhr
