Roter Hängeregister mit der Aufschrift "Sozialbetrug"

Schwieriger Kampf gegen Sozialbetrug

Insiderin berichtet Schockierende Details über Sozialbetrug in Dortmund

Stand:

Eine Mitarbeiterin der Stadt Dortmund hat einen schockierenden Einblick gegeben, wie Sozialleistungsmissbrauch funktioniert. Sie hat der Politik erläutert, wie sich Betrüger aus dem EU-Ausland Sozialleistungen erschleichen.

Wir wollen deine Meinung hören!

Jetzt mitdiskutieren

Anfang März hat das Land NRW vier Wohngebäude in Dortmund wegen Sozialmissbrauchs durchsucht. Die Stadt-Angestellte Andrea Jenks hat am Dienstag erstmals vor Politikern im Ordnungsausschuss des Rates geschildert, mit welchen Methoden sich Vermieter und Bewohner aus anderen EU-Staaten in Dortmund Leistungen erschleichen.

Andrea Jenks im Gerichtssaal

Andrea Jenks gibt Einblicke in den Sozialleistungsmissbrauch.

Dabei geht es um Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU. Das heißt: EU-Ausländer dürfen in Deutschland arbeiten. Seit 2014 auch Rumänen und Bulgaren. Sobald sie einen Minijob haben, können sie den Verdienst durch das Jobcenter aufstocken lassen. Sie haben auch Anspruch auf andere Sozialleistungen. Betrüger nutzen das aus.

Der Quadratmeter-Trick

Bei der Durchsuchung im März trafen die Einsatzkräfte auf eine zwölfköpfige Familie, die auf nur 60 Quadratmetern wohnte. Beim Jobcenter war die Wohnung aber als 120 Quadratmeter groß gemeldet. Deshalb zahlte das Amt 2.000 Euro Miete an den Vermieter aus. Der Betrug fiel erst bei der Durchsuchung auf.

Polizeibeamte beladen während der Razzia einen LKW

Die Kontrollaktion Anfang März lief in einigen NRW-Städten.

Der Personen-Trick

Bei den Durchsuchungen in einem Haus trafen die Behörden nur 40 Bewohner an. In dem Haus waren aber insgesamt 75 gemeldet. Wo die restlichen 35 sich befunden haben, ist völlig unklar. Auch für sie wurden aber staatliche Leistungen bezahlt.

Der Melde-Trick

Andrea Jenks berichtet von einem Fall eines Kindes, das wochenlang nicht in der Schule war. Daraufhin haben die Dortmunder Behörden bei der Mutter angerufen. Es stellte sich heraus, dass Mutter und Kind längst wieder zurück nach Rumänien gegangen waren. Sie hatten sich aber nicht in Dortmund abgemeldet, der Bruder nahm die Post aus dem Briefkasten. Die Frau behielt die Wohnung, die weiterhin vom Jobcenter bezahlt wurde.

Ministerin Scharrenbach bei Kontrollaktion im Ruhrgebiet

Auch Ministerin Ina Scharrenbach war bei den Kontrollen im März dabei.

"Die Stadt kann keine Menschen aus eigener Initiative abmelden", schildert Jenks das Problem: "Das geht nur, wenn kein Klingelschild und kein Briefkasten mehr vorhanden ist". Das hat sich rumgesprochen. Also bleiben Namen an Klingeln oder auf Briefkästen kleben und die längst zurückgewanderten Personen können weiter Sozialleistungen kassieren.

Der Minijob-Trick

Bei einer Überprüfung fand die Stadtverwaltung heraus, dass eine kleine Steh-Pizzeria mit zwei Stehtischen angeblich 40 Putzkräfte beschäftigte. Alle haben dort angeblich gearbeitet. Durch den Minijob hatten sie Anspruch auf Sozialleistungen.

Der ganz legale Trick

Dortmunds Ordnungsdezernenten Norbert Dahmen (CDU) ärgert aber auch ein ganz legaler Trick, der bisher weder von Bund noch der EU gestoppt wurde. "Wenn ein EU-Ausländer in Dortmund in einem Minijob 170 Euro verdient, dann hat seine Familie Anspruch auf Sozialleistungen aus Deutschland." Auch wenn die Familie gar nicht in Deutschland wohne, habe sie beispielsweise Anspruch auf Sozialhilfe für die Kinder.

Die meist osteuropäischen Betrüger reagieren dabei schnell auf Veränderungen. Die Stadt Gelsenkirchen legt seit einiger Zeit strengere Kriterien für die Arbeitnehmerfreizügigkeit an. Die Menschen müssen dort mehr als beispielsweise in Hagen, Duisburg oder Dortmund verdienen, bevor sie Anspruch auf Leistungen haben. Das hat dazu geführt, dass Betrüger nun aus Gelsenkirchen in andere Städte gehen.

Die Politiker im Ausschuss für öffentliche Ordnung waren teilweise entsetzt von den Methoden. Ein Politiker fragte: "Wer kümmert sich bei der Stadt um das Problem?" "Nur ich", musste Andrea Jenks eingestehen. Sie gab sich aber weiter kämpferisch: "Wir wollen das Geschäftsmodell Sozialmissbrauch weiter bekämpfen".

Schockierende Details über Sozialbetrug in Dortmund

WDR 20.05.2026 00:43 Min. Verfügbar bis 19.05.2028

Download

Unsere Quellen:

  • Reporter im Ausschuss für Bürgerdienste, öffentliche Ordnung, Anregungen und Beschwerden
  • Andrea Jenks, Mitarbeiterin im Ordnungsdezernat der Stadt Dortmund
  • Norbert Dahmen, Ordnungsdezernent der Stadt Dortmund

Sendung: WDR.de, Schockierende Details über Sozialbetrug in Dortmund, 20.05.2026, 5 Uhr

Kommentare zum Thema

20 Kommentare

  • 20 Eddy Schneider 21.05.2026, 18:17 Uhr

    Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)

  • 19 Ruhri 21.05.2026, 17:08 Uhr

    Tagesschau ganz oben zur Ukraine: „Erst Sonderstatus, dann Vollmitglied?“ Zur Armutszuwanderung aus Südosteuropa kann man sich mal die Mindestlöhne als Orientierung ansehen. Bei der Hans Böckler Stiftung habe ich dazu eine Karte gefunden, Stand Jan. 2025. Da haben wir einen Mindestlohn noch von 12.92€, Rumänien 4,87€, Bulgarien 3,32€. Die Ukraine hat da einen Mindestlohn von 1,10€, Moldawien von 1,69€ und diese Länder sollen auch in die EU. Die Überschrift lautet hier ganz groß SOZIALBETRUG. Aber bei richtigen Angaben sind die Probleme kaum weniger; hier unter „Der ganz legale Trick“. Wir bewegen uns mit Vollgas in die falsche Richtung. Aber über eine Millionen Ukrainer sind schon da, bekommen meist Bürgergeld auf Grundlage EU-Massenzustrom-Richtlinie. Verstehen kann ich die Ukrainer, Rumänen und Bulgaren, aber für unsere Politik habe ich schon lange kein Verständnis mehr.

  • 18 Dortmunder 21.05.2026, 15:43 Uhr

    Überrascht sollte hier niemand mehr sein. Was Frau Jenks schildert, wirkt nicht wie ein Einzelfall, sondern wie ein seit Jahren bekanntes Geschäftsmodell. Die eigentliche Nachricht ist vielmehr, dass sich in einer Stadt wie Dortmund offenbar nur eine einzige Person hauptamtlich mit diesem Problem befasst. Die beschriebenen Methoden dürften zudem nur die offensichtlichsten Fälle sein. Auch der gezielte Einsatz von Mini/Midijobs, um Ansprüche auf aufstockende Leistungen zu erzeugen, während weitere Einnahmen am Fiskus vorbeilaufen, wird viel zu selten konsequent verfolgt. Politisch wird Verantwortung seit Jahren zwischen Kommune, Land, Bund und EU verschoben. Für Bürger entsteht der Eindruck, dass niemand zuständig sein will. Zurück bleibt das Bild eines Staates, der kriminellen Strukturen machtlos gegenübersteht. Wer solche Missstände gewähren lässt, darf sich über Protest an den Wahlurnen nicht wundern. Das ist ein schwerwiegendes politisches Versagen.

  • 17 Ruhri 21.05.2026, 12:50 Uhr

    Diese EU muss sterben – eine EWG könnte man wiederbeleben. Alles im gemeinsamen Markt kann nur gehen im gemeinsamen Rahmen, aber den gibt es nicht. Es gibt seit EU-Osterweiterung ein riesiges Gefälle bei Lohnniveau und Soziales. Das konnte bis heute nicht repariert werden, wir haben hier nur ein Beispiel. Der „ganz legale Trick“ ist kein Trick. Das ist einfach nur geltendes Recht, das schon vor Jahren hätte geändert werden müssen. Betrug ist es nur mit ein paar falschen Angaben, ändert aber am Kernproblem nichts. Die „Arbeitnehmerfreizügigkeit“ ist in Wirklichkeit Freizügigkeit der Arbeitgeber Leute aus ärmeren Ländern zu beschäftigen statt Lohn und Arbeitsbedingungen anzupassen; Geschäftsmodell Tönnies. So lange wir einen Niedriglohnsektor haben brauchen wir aber z.B. Billigfleisch; wenn nicht hier produziert dann woanders in der EU. So werden Länder wie Deutschland oder Frankreich in der EU immer weiter runtergezogen. „Schockierend“ ist der gemeinsame Markt in der Realität.

  • 16 Linksgruener Patriot 21.05.2026, 08:13 Uhr

    Seit ca 2017 wissen doch alle regierenden Politiker in NRW von diesem Geschäftsmodell des Sozialbetrugs zw Besitzern von Schrottimmobilien und südosteuropäischen Zuwanderern im Zuge des EU Freizügigkeitsabkommens. Selbst die eher linksgrünen Medien berichteten lange darüber. Getan wurde im Grunde nichts. https://www.wn.de/nrw/rumanen-und-bulgaren-kassieren-zu-unrecht-sozialleistungen-1507745

  • 15 Chilley 21.05.2026, 05:35 Uhr

    Schaffen wir doch die Minijobs ab.

  • 14 Miez 20.05.2026, 21:44 Uhr

    Traurig Realität. Nicht erst seit gestern. Solch Chaos hab ich mir nie träumen lassen. Unvorstellbar in Deutschland. Schade.

  • 13 Glaubhaftmachung genügt ! 20.05.2026, 21:08 Uhr

    Sozialleistungsbetrug ist kein schockierender psychischer Befund ! Ein chock ist eine akute Belastungsstörung ,die durch plötzlich eintretende , schwere Ereignisse ausgelöst wird, z.B. unerwarteter Tod eines nahestehenden Angehörigen, Frau, Kind durch einen Verkehrsunfall- ! Hier ist es völlig anders : Wir wissen praktisch Alle , daß bei staatl. Leistungen . wie Bürgergeld , einfachst betrogen werden kann ! Um sie zu bekommen , genügt für Ausländer ,Migranten nämlich rechtlich nur atypisch die Glaubhaftmachungdes Anspruchs; Nachweis wird bei ihnen von den Behörden nicht verlangt.Das ist also eine reine Glaubensfrage, wie in der Kirche ! Entweder man glaubt das, was sie sagen oder man glaubt es nicht ! Das sollte mal ein autochthoner Deutscher vor den Amtsschimmeln wagen, der Alles schriftlich verifizieren muß . Fazit : der Staat will rechtlich betrogen werden und wer das kritisiert ,wird vom Politestablishment als Rassist/Migrantenfresser stigmatisiert !

    Antworten (2)
    • Glaubhaftmachung genügt ! 21.05.2026, 00:39 Uhr

      Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)

    • D ist Kuliland !!! 21.05.2026, 07:11 Uhr

      Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)

  • 12 O.B. 20.05.2026, 19:59 Uhr

    Frau Merkel sagte "wir schaffen das"

  • 11 Janine 20.05.2026, 18:49 Uhr

    Armes Deutschland! Unseren hier lebenden Bürger die Familienversicherung streichen, ständig sämtliche Erhöhungen in jedem Belangen, täglich neue Ideen an mehr Geld zu kommen, von kleinen Bürgern wo das Geld eh schon kaum zum Leben trotz Arbeit ausreicht. Es ist unvorstellbar für mich die Steuer die wir alle so fleißig ohne wieder Worte bezahlen, so wie alle Kürzungen und Erhöhungen in kauf nehmen, und noch dabei zuschauen wie das Geld was wir so dringend benötigen in andere Länder rein fließt, vor allem in Leute die hier nicht mal leben. Die Lösung, in andere Länder gehören die Sozialleistungen nicht genauso durchgreifen wie im eigenen Land.

  • 10 Miedrich Ferz 20.05.2026, 17:54 Uhr

    Die schwachsinnige Südosterweiterung der EU hat doch diesem Sozialmissbrauch doch erst Tür und Tor geöffnet.Und dann heißt es immer: das ist EU -Recht, da können wir nichts machen.

Weitere Beiträge zur Politik in NRW

1 / 2