Es gibt ein "Davor" und ein "Danach". Vor dem grausamen Messeranschlag gibt es unbefangenes Feiern – danach ein langsames Zurücktasten in so etwas wie Normalität. Das belegt auch der SolingenTrend von infratest Dimap, eine Befragung unter den Menschen in Solingen, im Auftrag des WDR. Und das belegt auch die große Aufmerksamkeit, mit der zum Beispiel das erste größere Stadtfest in Solingen nach dem Anschlag in diesem August verfolgt wurde.
Politik muss auf Stimmung reagieren
Die Mehrheit der Solinger wurde durch den Anschlag verunsichert. Einige vielleicht nur für Wochen – aber bei jedem Dritten wirkt der Anschlag auch heute noch nach. Verunsicherung, Misstrauen und mangelndes Vertrauen in die Politik – das ist eine brisante Gefühlsmischung, die auch Auftrag sein muss. Denn ansonsten ist so eine Stimmung ein geeigneter Nährboden, um mindestens Politikverdrossenheit zu schüren, wenn nicht sogar extremen Anbietern vermeintlich einfacher Lösungen den Boden zu bereiten. Der Auftrag an die Politik ist nicht einfach.
Gefühle lassen sich generell nur schwer beeinflussen, aber vor allem Misstrauen, Verunsicherung, mangelndes Vertrauen, sind "nicht einfach so" zurück zu gewinnen. Dazu braucht es Beharrlichkeit, Transparenz und Mut. Beharrlichkeit in der ehrlichen, faktenorientierten Kommunikation. Transparenz, um auch beharrlich Maßnahmen und Ziele zu erklären und den Mut laut zu sagen, dass es keine hundertprozentige Sicherheit geben kann. Nirgendwo, niemals. Und ein freies, demokratisches Land für Anschläge, Attentate vielleicht noch anfälliger ist, gerade weil es ein freies Land ist.
Die Befragung zeigt Verunsicherung und Misstrauen, macht aber auch Mut denn jeder zweite in Solingen tut etwas für den Zusammenhalt. Die Stadtgemeinschaft existiert. Vielleicht anders als vorher, aber das kann nun auch wirklich niemanden wundern.
Über dieses Thema berichten wir am 22. August 2025 auch im WDR-Hörfunk: WDR aktuell ab 6.00 Uhr, etwa auf WDR 2 und WDR 5.
