Messeranschlag in Solingen: Opfer hoffen auf Gerechtigkeit

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Am Dienstag beginnt der Prozess gegen den mutmaßlichen Attentäter des Solinger Messeranschlags mit drei Toten und acht Schwerverletzten. Viele Opfer und Hinterbliebene sind als Zeugen geladen. Sie stehen stellvertretend für die gesamte Stadtgesellschaft.

Volker Eigemann ist erst für den dritten Prozesstag geladen. Der Hobby-Musiker ist am 23. August 2024 mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus gekommen. Der Attentäter hatte ihm auf dem Fronhof mit einem Messer von hinten tief ins Gesicht, den Hals und die Schulter geschnitten.

Trotz Not-OP ist sein Arm bis heute teilweise gelähmt und er leidet an Schmerzen. Vor einer Woche durfte er zusammen mit anderen Opfern und Hinterbliebenen den Düsseldorfer Gerichtssaal bereits besichtigen. Dort wird er dann als Zeuge zum ersten Mal den Täter sehen: "Beim Angriff habe ich ihn ja nicht gesehen, weil er hinter mir war. Wenn ich ihm jetzt ins Gesicht gucke - ja, das könnte schon ein komisches Gefühl sein."

Zeugenaussagen: belastend, aber wichtig

Athanasios Antonakis sitzt am Tisch.

Athanasios Antonakis (l.) vertritt die Opfer des Anschlags

Wie Eigemann lassen sich auch die anderen Opfer und ihre Hinterbliebenen von Solinger Anwälten als Nebenkläger vertreten. Selbst im Fall einer Verurteilung gibt es praktisch keine Hoffnung auf finanziellen Schadenersatz, da der mutmaßliche Islamist voraussichtlich über keine Mittel verfügt.

Rechtsanwalt Athanasios Antonakis weiß, dass Zeugenaussagen für die Opfer oft belastend sind, aber dennoch sei der Prozess für seine Mandanten bedeutend. "Für die ist der Schuldspruch entscheidend: Das Gefühl zu haben, dass man nicht nur ohnmächtig ist, dass der Rechtsstaat sich zu wehren weiß und solche Leute zu Verantwortung zieht."

Weitere im Prozess zu klärende Details seien dagegen weniger relevant: Ob der Angeklagte zum IS gehört oder nicht, sei eher juristisch interessant, so Antonakis weiter.

Opfer des Solinger Anschlags stellvertretend für Stadtgesellschaft

Die evangelische Pfarrerin der Stadtkirche, Friederike Höroldt, beobachtet, dass am Gedenkstein am Fronhof weiterhin häufig Menschen stehen oder Blumen und Kerzen niederlegen.

Viele Solinger wissen, dass jeder der zigtausenden Besucher des Stadtfestes im August hätte Opfer sein können. Der Prozess könne daher auch der Stadtgesellschaft helfen, einen Schlussstrich zu ziehen.

Solingen Prozess

WDR Studios NRW 27.05.2025 00:43 Min. Verfügbar bis 27.05.2027 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
  • Anwälte der Nebenkläger
  • Evangelische Stadtkirche Solingen

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