Wüst wirbt für Olympia in NRW | Aktuelle Stunde
WDR. 00:43 Min.. Verfügbar bis 12.04.2028.
Hendrik Wüst betritt die unscheinbare Veranstaltungshalle im Süden von Mailand. Hier richtet der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) an diesem Abend, Anfang Februar, einen Empfang für die Athleten der Winterspiele aus. Die erste Person, die der Ministerpräsident drinnen trifft, ist DOSB-Präsident Thomas Weikert. Die beiden scherzen miteinander, herzhaftes Lachen.
Hendrik Wüst bei einer Pressekonferenz zu Olympia
Was aussieht wie lockerer Party-Talk, ist auch Wahlkampf. Denn wenige Meter weiter steht Kai Wegner, regierender Bürgermeister von Berlin. Auch er ist nach Mailand gekommen, um Sportfunktionäre von der Bewerbung seiner Stadt um olympische Sommerspiele 2036 zu überzeugen. Wüst für Köln, Wegner für Berlin. Ist das hier ein Schaulaufen? "Weiß ich nicht", sagt Wüst abwiegelnd und schiebt dann hinterher: "Ich will heute hier erreichen, dass noch mehr Menschen wissen, dass wir die beste Bewerbung haben."
Punkten mit Nachhaltigkeit
Wüst will mit Nachhaltigkeit punkten. Ein Großteil der Stadien und Sporthallen, die für Olympia gebraucht werden, sind in NRW schon da. Es muss relativ wenig neu gebaut werden. Olympia kann, so laut Wüst, für etwa 5 Milliarden Euro umgesetzt werden. Deutlich günstiger als Paris und London.
Versteckte Kosten
Allerdings sollen viele Stadien umgenutzt werden. So wie die Arena auf Schalke. Hier soll ein 50 Meter langes und 25 Meter breites Schwimmbecken entstehen. Plus Sprungtürme. Für gerade mal drei Wochen Wettkampf.
Kann das wirklich günstig werden? "Ich rechne mit etwa 100 Millionen Euro", sagt der Ökonom Alexander Budzier. Er forscht seit Jahren an der Universität Oxford zu den Kosten von Olympischen Bewerbungen. Und sieht solche temporären Umbauten kritisch. "Das muss auch alles wieder alles abgebaut werden. Und dann bleibt nichts langfristig von dieser Investition", sagt Budzier.
"Was das in den dreißiger Jahren kosten wird, wird man dann sehen müssen", erwidert Hendrik Wüst. "Ich wäre überrascht, wenn es 100 Millionen sind." Der Ministerpräsident geht also von deutlich niedrigeren Kosten aus. Allerdings hat den Schalke-Umbau offenbar noch niemand konkret durchkalkuliert.
Hohe Kosten - heikel vor dem Bürgerentscheid
Vielleicht auch deshalb, weil am 19. April in 17 NRW-Städten ein Bürgerentscheid dazu stattfindet, ob sich Köln Rhein Ruhr tatsächlich um die Spiele bewerben soll. Spekulationen über hohe Kosten könnten zu einer Wahlniederlage der Olympiabefürworter führen. "Die Kosten werden regelmäßig klein gerechnet, um Akzeptanz für die Spiele zu schaffen", erklärt Olympia-Experte Alexander Budzier. "Die Kosten gehen später dann deutlich nach oben", sagt Budzier. "Im Schnitt um 150 Prozent."
Das wird dieses Mal anders, versichert Hendrik Wüst. Aber auch er räumt ein, dass eine Niederlage beim Bürgerentscheid für ihn heikel wäre. "Dann stehe ich auch ein bisschen blöd in der Prärie rum", sagt Wüst. "Aber das Risiko nehme ich auf mich, weil ich überzeugt bin von der Olympischen Idee."
Kann Wuppertal Olympia?
Schwimmen auf Schalke wäre immerhin ein topmodernes Spektakel vor 50.000 Zuschauern. In der NRW-Bewerbung gibt es aber auch Spielstätten, die das genaue Gegenteil davon sind. Das Stadion am Zoo in Wuppertal fasst gerade mal 23.000 Zuschauer. "Wir hätten gerne nicht nur die Haupttribüne überdacht, sondern auch die Nord", sagt Sportamtsleiterin Alexandra Szlagowski und zeigt auf die gegenüberliegende Tribüne.
Nur eine von vier Tribünen hat ein Dach. Schlecht für die Zuschauer, wenn es regnet und bei Temperaturen über 30 Grad. Und weit zurück hinter dem olympischen Standard. In Paris hatten alle Fußball-Stadien eine Komplettüberdachung.
"Wir müssen Dinge in Schuss bringen", räumt Hendrik Wüst ein. Allerdings sei die Überdachung für ein Stadion "überhaupt kein Vergleich mit anderen großen Infrastrukturmaßnahmen, die man bei Olympischen Spielen gesehen hat."
Alexander Budzier sieht allerdings noch ein ganz anderes Problem. "Das Stadion ist zu klein für Olympia", sagt er. "Vermutlich muss man es ausbauen."
Sind 5 Milliarden realistisch?
Das alles ist theoretisch machbar. Und vielleicht ist es das auch Wert, für Olympische Spiele in NRW. Aber ob die von Hendrik Wüst genannten fünf Milliarden Euro tatsächlich reichen würden, ist fraglich. Denn schon jetzt zeichnet sich ab, dass verschiedene Um- und Ausbaukosten lauern.
Unsere Quellen:
- NRW-Landesregierung
- Reporter vor Ort in Mailand
- Interview Alexander Budzier
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 12.04.2026, 18:45 Uhr
