Millionenkosten für Olympia-Bürgerentscheide | Aktuelle Stunde

00:24 Min. Verfügbar bis 05.12.2027

Olympia in NRW: Millionenschwere Bürgerentscheide

Stand:

Olympia in NRW? Darüber sollen die Bürger demnächst abstimmen. Doch allein die Bürgerentscheide kosten Land und Kommunen viele Millionen.

Von Nina Magoley

"Sind Sie dafür, dass sich die Stadt Köln an der gemeinsamen Bewerbung der Region Rhein/Ruhr um die Olympischen und Paralympischen Spiele im Jahr 2036, 2040 oder 2044 beteiligt?" Diese Frage werden demnächst hunderttausende Kölnerinnen und Kölner in ihren Briefkästen vorfinden.

NRW will sich für die Teilnahme an Olympia bewerben - und zuvor sollen die Einwohner der Region in einem Bürgerentscheid darüber abstimmen, ob sie das überhaupt wollen. Am 19. April 2026 soll dazu in allen 17 Kommunen, in denen olympische Wettbewerbe stattfinden könnten, per Briefwahl abgestimmt werden.

Millionen allein für Bürgerbefragung

Der Knackpunkt: Diese Bürgerentscheide werden viele Millionen Euro kosten. 85 Prozent der Kosten will das Land übernehmen und hat dafür 9,5 Millionen Euro eingeplant. Und es könnte noch teurer werden: Laut Staatskanzlei handelt es sich bei der Zahl bislang um eine vorläufige Kostenschätzung.

Alleine die Stadt Köln rechnet laut einer Stadtratsvorlage mit 2,49 Millionen Euro Kosten für die Briefwahl. Der 15-prozentige Anteil der Stadt liegt laut der Vorlage bei 373.000 Euro. In Essen kostet der Bürgerentscheid laut Ratsvorlage 1,2 Millionen Euro - bei einem Eigenanteil der Stadt von 180.000 Euro.

Wüst, Söder und Merz

NRW-Ministerpräsident Wüst mit bayrischem Kollegen Söder und Bundeskanzler Merz

Am Donnerstag war in Berlin eine politische Vereinbarung zur deutschen Bewerbung unterzeichnet worden. Mit dabei: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds Thomas Weikert, NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) und die Oberbürgermeister der anderen deutschen Bewerberstädte.

Hohe Ausgaben trotz klammer Kassen?

Köln gilt seit einigen Tagen als Hauptaustragungsort für mögliche Olympische Spiele in NRW. Allerdings steht die Stadt seit November wegen klammer Kassen unter einer Haushaltssperre. Über einen Bürgerentscheid muss dort erstmal im Stadtrat abgestimmt werden. Mit Diskussionsbedarf ist zu rechnen.

Auch viele andere der insgesamt 17 NRW-Kommunen kämpfen derzeit mit Geldmangel. Gleichzeitig ist nicht klar, wie hoch die Erfolgschancen einer Olympiabewerbung für NRW überhaupt sind - angesichts der starken Konkurrenz mit Berlin, Hamburg und München.

Wenn Köln nein sagt, war es das

Hinzu kommt: Zieht eine der 17 Kommunen nicht mit, wird es mit der Bewerbung schwierig. Außerdem muss das gesetzliche Quorum erreicht werden: In Städten über 100.000 Einwohnern müssen sich mindestens 10 Prozent der Bürger beteiligen.

Würde eine Stadt die Teilnahme mehrheitlich ablehnen, müssten die dort geplanten Wettkämpfe auf andere Städte verteilt werden. Bei kleineren Kommunen wäre das vielleicht noch denkbar. "Wenn aber eine Stadt wie Düsseldorf oder Köln nein sagen würde, dann glaube ich, wird eine Umverteilung der Wettkampfstätten schwierig", hatte Bernhard Schwank, Sportabteilungsleiter der Staatskanzlei NRW, jüngst im Sportausschuss des Landtags gesagt.

Die Frage an die Bürger wird in allen 17 Kommunen dieselbe sein wie in Köln. Dort schwärmt man bereits: In einer Ratsvorlage heißt es, die Stadt erhalte durch eine Olympia-Bewerbung eine "historische Gelegenheit, an der größten Sportveranstaltung und dem größten Festival der Welt zur Völkerverständigung als Gastgeber maßgeblich mitzuwirken".

Bürgerentscheide Olympia-Bewerbung

WDR Studios NRW 05.12.2025 02:29 Min. Verfügbar bis 05.12.2027 WDR Online

Wüst wirbt für Teilnahme

Auch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) wirbt für Olympia. Bei der Frage der Finanzierung hatte er diese Woche auf einer Pressekonferenz gesagt: "Wir haben ein zugelassenes Budget, wir sind sparsam unterwegs, aber wir tun auch alles, was es braucht, dass das Bewerbungsverfahren professionell läuft."

SPD: Wüst will "Olympiabewerbung zum Nulltarif"

Doch die SPD im Landtag ist empört: Laut einer Ergänzungsvorlage der Landesregierung zum Haushaltsentwurf 2026 sollen die 9,5 Millionen für den Bürgerentscheid aus den ohnehin geplanten Zuschüssen für Investitionen im Sport entnommen werden.

Ministerpräsident Wüst wolle "offensichtlich eine Olympiabewerbung zum Nulltarif haben", sagte die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion, Lisa Kapteinat. Wenn das Geld für den Bürgerentscheid aus bereits eingeplanten Mitteln für die Modernisierung von Sportstätten abgezweigt würde, fehle es "an einer anderen, ganz entscheidenden Stelle".

"Dass ausgerechnet die Modernisierung von Sportstätten nun zum Opfer fallen sollen, entlarvt Hendrik Wüsts aktuelle Modernisierungskampagne zusätzlich als blanken Hohn", so Kapteinat. Mit diesem Vorgehen treibe der Ministerpräsident zudem einen Keil zwischen die NRW-Regionen: "In Ostwestfalen werden möglicherweise Investitionen blockiert, damit andernorts die Bürgerentscheide bezahlt werden können."

Unsere Quellen:

  • Ratsvorlage Stadt Köln
  • Nachrichtenagentur Dpa
  • Statements aus jüngsten Pressekonferenzen mit Ministerpräsident Hendrik Wüst
  • Statement der SPD-Landtagsfraktion

Sendung: WDR 5, Der Tag um zwölf, 05.12.2025, 12:00 Uhr

Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 05.12.2025, 18:45 Uhr

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