Man kann der Stadt Düsseldorf nicht vorwerfen, dass sie es nicht anders versucht hätte. Sie hat Schilder am Rheinufer aufgestellt, die vor dem Baden im Fluss warnen. Sie hat zuletzt auch große Werbeflächen überall in der Stadt genutzt, um mit auffälligen Bildern auf die Gefahren beim Rhein-Baden hinzuweisen. Das alles auch in verschiedenen Sprachen. Trotzdem haben sich an den warmen Tagen weiter Menschen im Rhein abgekühlt, und längst nicht alle nur im Uferbereich. Deshalb kam nun das Badeverbot, in Düsseldorf und danach auch in einigen anderen Städten entlang des Rheins.
Appell an die eigene Vernunft
Ich halte diese Entscheidungen für falsch. Ich bin da ganz bei NRWs Innenminister Herbert Reul, der Anfang Juli zu diesem Thema sagte: "Wir brauchen keine neuen Gesetze, wir brauchen mehr Vernunft!"
Denn eigentlich sollte jeder wissen, wie gefährlich baden und schwimmen im Rhein, einer stark befahrenen Wasserstraße, sein kann. Wer es nicht weiß, der erfährt es spätestens durch die vielerorts aufgestellten Schilder. Die Entscheidung, ob man dieses Risiko in Kauf nehmen will, sollte dann – finde ich - jeder für sich selbst treffen.
Als nächstes ein Bergsteige-Verbot?
So wie das auch bei vielen anderen Dingen im Alltag der Fall ist: beim Schwimmen im Meer zum Beispiel, an unbewachten Stränden der Atlantikküste. Beim Wandern durch die Alpen, beim Bergsteigen oder beim Skifahren. Überall gibt es Risiken, zum Teil sind sie erheblich, jedes Jahr sterben da Menschen. Trotzdem verbieten wir nicht einfach das Bergwandern oder lassen das Ordnungsamt am Nordseestrand patrouillieren.
An der Stelle kommt gern das Argument: Die Schwimmer im Rhein würden ja auch andere gefährden, zum Beispiel Menschen, die sie retten wollen. Das stimmt – gilt aber auch für die oben genannten Beispiele. Bergretter zum Beispiel gehen oft große Risiken ein, um Menschen aus Gefahrenlagen zu bergen. Und hier fordern wir auch keine Verbote.
Badeverbot pünktlich zur Kommunalwahl
Das Problem der Badeunfälle ist auch gar nicht so neu: Schon seit Jahren ertrinken immer wieder Menschen beim Schwimmen oder Baden im Rhein. Der Unterschied ist nur: In diesem Jahr ist Kommunalwahl. Und so ein öffentlichkeitswirksam ausgesprochenes Badeverbot hilft dem einen oder anderen Bürgermeister dabei, sich als Macher zu verkaufen. Ob die jetzt ausgesprochenen Verbote am Ende dazu führen werden, dass weniger Menschen im Rhein sterben? Ich habe da große Zweifel, schon weil die Einhaltung der Verbote nicht wirklich kontrollierbar ist. Ich hoffe lieber darauf, dass das viele Reden über die Badetoten dazu führen wird, dass jetzt mehr Menschen wissen, wie gefährlich das Schwimmen im Rhein sein kann. Und dann eine informierte Entscheidung treffen.
Ach und übrigens: ich würde nicht im Rhein baden gehen – das wäre mir viel zu riskant!
Über dieses Thema berichten wir auch im WDR5-Landesmagazon Westblick ab 17.04 Uhr.
