Erster Tag Badeverbot: Wie laufen die Kontrollen an?
Lokalzeit aus Düsseldorf. 14.08.2025. 28:34 Min.. Verfügbar bis 14.08.2027. WDR. Von Raphael Boch.
Düsseldorf, heute Morgen um 10 Uhr. Die Sonne kämpft sich gerade durch die Dunstdecke über der Stadt. Das Thermometer zeigt bereits über 31 Grad. Ideales Badewetter. Aber seit zehn Stunden ist das Schwimmen im Rhein verboten. Es ist ein schöner Sommertag, aber es liegen weniger Menschen am Sandstrand als sonst.
Kim Raades aus Wuppertal ist mit ihrer Freundin Nina Njoku und zwei zwölfjährigen Jungs aus Wuppertal angereist. Sie liegen im Schatten, die Jungs wagen sich bis zum Knöchel ins Wasser. Eigentlich hatte sie sich auf eine Abkühlung im Wasser gefreut. Doch die fällt jetzt aus. „Ich bin immer in den Rhein gegangen“, sagt die 22-Jährige, „als Jugendliche waren wir oft schwimmen hier.“
Zuletzt sei sie vorsichtiger geworden und nur bis zur Hüfte reingegangen. Aber darauf verzichtet sie seit heute: „Die Strafe ist mir zu krass“, sagt sie.
Wenn es nur ein paar Euro wären, würde ich ins Wasser gehen. Aber so? Ich habe keine Lust morgen betteln zu müssen. Kim Raades, Besucherin am Paradiesstrand
Kim Raades kommt gerne aus Wuppertal an den Rhein nach Düsseldorf.
Die Wuppertalerin ärgert das Verbot. Der Rhein sei der einzige Ort, an dem man sich kostenlos abkühlen könne. „Mir wären sichere Alternativen lieber als Verbote“, sagt Raades, „warum baut man nicht eine sichere Schwimmmöglichkeit, damit man sich abkühlen kann?“
Wasserschutzpolizei patrouilliert in Strandnähe
100 Meter weiter liegt Kseniia Nikitina in der Sonne. Die Ukrainerin lebt seit drei Jahren in Viersen und hat das Gefühl, „dass in Deutschland immer alles verboten wird.“ In Viersen sei das Schwimmen in den Seen nicht erlaubt, „der Rhein war der einzige Ort, an dem ich mich abkühlen konnte.“ Die 37-Jährige will sich trotzdem ans Badeverbot halten. Das Boot der Wasserschutzpolizei, das an diesem Morgen am Paradiesstrand patrouilliert, ist dafür sicher ein gutes Argument.
Ksenia Nikitan hält sich an das neue Badeverbot im Rhein in Düsseldorf.
Das Verständnis für die Maßnahme ist überraschend groß, auch wenn viele nicht zitiert werden wollen. Zum ersten Mal seit Einführung des Badeverbots patrouilliert eine Doppelstreife von Ordnungsamt und Polizei am Paradiesstrand.
Die zwei Männer und eine Frau drohen aber nicht gleich mit dem Bußgeldhammer, sondern setzten aufs Verständnis. „Nur bis zum Knöchel“, ruft die Mitarbeiterin einer Dame zu, die sich bis zum Knie in den Rhein gestellt hat. Die geht zwei Schritte Richtung Ufer und steht wieder auf der richtigen Seite der sogenannten ordnungsbehördlichen Verordnung.
Die war lange umstritten, mache das Leben als Gesetzeshüter jetzt aber einfacher, sagt Stefan Loß, Chef der Wasserschutzpolizeiwache in Düsseldorf: „Bisher mussten meine Kollegen erklären, dass es zwar gefährlich ist, im Rhein zu schwimmen, aber nicht verboten, das war kompliziert. Jetzt ist es einfach, ein Verbot verstehen auch Menschen, die vielleicht nicht so gut Deutsch sprechen.“
Ein Schwimmer auf der anderen Rheinseite
Heute hat die Düsseldorfer Wasserschutzpolizei erstmalig das Badeverbot im Rhein kontrolliert.
Dann wird es plötzlich hektisch. Das Polizeiboot dreht ab und rast zum anderen Ufer, aus dem Medienhafen kommen zwei Feuerwehrboote. Ein Rettungswagen mit Blaulicht fährt das Ufer unter der Rheinkniebrücke an. Ein Passant hatte Schwimmer im Rhein entdeckt und die 112 gewählt. Glücklicherweise kein Notfall, der Mann schwamm selbstständig zurück ans Land.
Nach WDR-Informationen wurde das erste Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet, bestätigen wollte die Stadt das allerdings nicht. Am Paradiesstrand bekommen die wenigen Menschen am Strand von dem Einsatz nichts mit.
Auch das Badeverbot ist hier trotz großer Medienoffensive nicht allen bekannt. Didem, die ihren Nachnamen nicht nennen möchte, erfährt erst jetzt davon und gibt sich überrascht: „Wahrscheinlich ist es notwendig.“ Sie selbst steht an diesem Morgen bis zum Knie im Wasser. Damit fühlt sie sich sicher. „Schwimmen würde ich hier eh nicht, zu dreckig.“
"Das Badeverbot ist großer Mist"
Gegen Mittag kommen Toni Petrova und Darnell Beising am Rheinufer an. Ihr erster Weg führt zu den Mitarbeitern des Ordnungsamtes. Sie können nicht glauben, dass das Baden hier jetzt wirklich verboten ist. „Das ist ziemlicher Mist“, sagt Darnell Beusing. "Das ist eigentlich mein Lieblingsort zur Abkühlung. Ich bin hier oft nach dem Joggen ins Wasser gegangen, aber so, dass ich immer noch mit den Füßen Kontakt zum Boden hatte.“
Toni Petrova und Darnell Beusing hatten bis heute noch nichts vom Badeverbot im Rhein mitbekommen.
Denn auch der 27-Jährige hat hier schon Erfahrung mit der Strömung gemacht: „Ich bin einmal abgetrieben worden, das war ziemlich knapp. Seitdem passe ich auf.“ Ans Badeverbot will auch er sich erstmal halten und schauen, wie sich das entwickelt. Und jetzt? „Wenn wir nicht ins Wasser können, spielen wir erst einmal Beachvolleyball“, sagt seine Mitbewohnerin Toni.
Auch am Nachmittag bleibt der Paradiesstrand in Düsseldorf ungewöhnlich leer - für einen Donnerstag in den Sommerferien bei über 30 Grad. Ob es am Badeverbot lag oder doch daran, dass sich die Sonne hinter einer dichten Wolkendecke versteckte? „So richtig voll wird es eh erst am Wochenende“, sagt Anne Thienelt.
Die Düsseldorferin geht hier zweimal in der Woche mit ihrer Hündin Mina spazieren und hat bisher immer Menschen im Rhein gesehen. „Ich habe einmal eine Familie angesprochen, die ihre Kinder alleine ins Wasser gelassen hat. Die Konsequenz war nicht, dass sie rausgegangen sind, sondern der Vater ist mit in den Rhein gegangen.“ Deshalb befürwortet sie das Verbot, um weitere Unfälle zu verhindern.
Wie es angenommen wird, das will die Stadt Düsseldorf am Freitag mitteilen, dann soll es eine erste Bilanz zum Badeverbot geben.
Unsere Quelle:
- Reporter vor Ort