Kirsten Schwenke ist Vorsitzende der Freien Wohlfahrtspflege in NRW. Für sie ist klar: "Ein neues Kinderbildungsgesetz darf die Kinder, ihre Familien, die Träger und die Mitarbeitenden keinesfalls schlechterstellen als das bisherige, unzureichende Gesetz."
Der aktuelle Gesetzentwurf der Landesregierung bedeute in der Praxis weniger Betreuungsqualität für die Familien sowie mehr Bürokratie bei weiterhin unzureichender Finanzausstattung für die Träger, kritisiert ihr Verband.
Kernzeiten-Modell in der Kritik
Ein Hauptkritikpunkt ist das geplante Kernzeiten-Modell. Demnach könnte der Einsatz qualifizierten Fachpersonals in den Kitas künftig auf fünfstündige Kernzeiten konzentriert und die Randzeiten mit anderen Betreuern abgedeckt werden.
Für eine Familie, die 45 Wochenstunden gebucht habe, bedeute dieses Modell, dass ihr Kind "20 Stunden nur betreut" statt qualifiziert gebildet und erzogen wird, kritisiert Stephan Jentgens vom Landesvorstand der Freien Wohlfahrtspflege. "Das ist völlig unpassend und eine starke Qualitätsabsenkung." Deshalb müsse die praxisferne Unterteilung in Kern- und Randzeiten aus dem Gesetzentwurf gestrichen werden. Die lange erwartete Kibiz-Novelle müsse Verlässlichkeit plus Qualität garantieren.
Ländliche Kitas vor dem Aus?
Die Freie Wohlfahrtspflege befürchtet zudem, dass kleine Kitas mit nur einer Gruppe vor dem Aus stehen. Schließlich sehe der Entwurf vor, dass die Mini-Einrichtungen ab Sommer 2028 keinen Sonderzuschuss mehr erhalten sollen.
Davon wären nach Angaben des Verbands mehr als 6.000 Plätze in rund 480 Einrichtungen betroffen, deren Existenz vor allem im ländlichen Raum und in Trägerschaft von Elterninitiativen gefährdet wäre. Das Land wolle damit 2,8 Millionen Euro einsparen.
Nach Angaben des Verbands sind in NRW 8.300 von insgesamt 10.800 Kitas in freier Trägerschaft der Wohlfahrt oder der beiden großen Kirchen. Mehr als 100.000 Beschäftigte betreuten hier etwa 500.000 Kinder.
Opposition schließt sich Kritik an
"Dass die größten Träger der frühkindlichen Bildung in Nordrhein-Westfalen den schwarz-grünen Kibiz-Entwurf als inakzeptabel bezeichnen, ist kein Alarmismus, sondern ein Warnsignal mit Blaulicht", kommentiert die frühere NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) die Kritik der Wohlfahrtspflege. Der SPD-Landtagsabgeordnete Dennis Maelzer spricht von einer "schallenden Ohrfeige der Kita-Träger für Schwarz-Grün".
Derzeit sei der Gesetzentwurf in der Verbändeanhörung, betont das Familienministerium. Das Haus stehe mit allen zentralen Akteuren in engem Austausch, "so dass die jeweiligen Argumentationen fortlaufend innerhalb des Gesetzgebungsprozesses Gehör finden".
Der Paritätische Wohlfahrtsverband NRW hat derweil eine Online-Petition gegen das Gesetz gestartet. Unter dem Titel "Kitas retten - Kinderbildungsgesetz NRW besser machen!" will der Verband auf Nachbesserungen dringen. Der Gesetzentwurf soll am 27. Januar ins Kabinett eingebracht werden, bis dahin kann auch die Petition unterzeichnet werden.
Unsere Quellen:
- Pressekonferenz der Freien Wohlfahrtspflege
- Stellungnahme Familienministerium
- dpa und epd
Sendung: WDR 5, Westblick, 15.01.2026, 17:05 Uhr