Bisher erhalten Kitas mit nur einer Gruppe 15.000 Euro pro Kitajahr als Sonderförderung. Diese soll laut aktuellen Plänen der Landesregierung ab dem 1. August 2028 nicht mehr gezahlt werden. Der Paritätische Wohlfahrtsverband warnt, dass dann 240 seiner Kitas mit 4.800 Plätzen vor dem Aus stehen.
Konkret geht es um eingruppige Einrichtungen, die vor 2008 gegründet worden sind. Damals wurde die Finanzierung geändert. Seitdem erhalten Kitas Pauschalbeiträge pro gebuchten Platz. "Jede Kita muss eine gewisse Grundausstattung finanzieren, unabhängig davon, wie viele Kinder dort betreut werden. Durch die Pauschalbeiträge sind eingruppige Einrichtungen mit wenigen Kindern also benachteiligt", erklärt Liane Baumann, Fachreferentin Tagesangebote für Kinder beim Paritätischen Wohlfahrtsverband NRW.
Weniger Bürokratie als Grund für die Streichung
Um das auszugleichen, erhalten Einrichtungen, die vor der Gesetzesänderung gegründet worden sind, bisher die Sonderförderung. Eingruppige Kitas, die danach gestartet sind, müssen ohne die Förderung auskommen. Das will die Landesregierung nun vereinheitlichen und die Subvention ganz streichen. "Es gibt offensichtlich eingruppige Einrichtungen, die ohne das zusätzliche Geld auskommen. Außerdem ist der bürokatische Aufwand sehr hoch", erklärt NRW-Familienministerin Josefine Paul (Grüne). Sie weist darauf hin, dass die Landesregierung laut dem Entwurf ab 2027 jährlich 200 Millionen Euro über die Grundfinanzierung an die Kitas geben will. Davon würden auch die eingruppigen Einrichtungen profitieren.
Baumann vom Paritätischen sagt, betroffene Kitas werden trotzdem nicht ohne die Sonderförderung auskommen. "Die Einrichtungen, die das bisher schaffen, sind nach 2008 unter anderen Voraussetzungen gestartet. Kitas, die teilweise seit 50 Jahren bestehen, können nicht einfach ihre Finanzierungsstruktur ändern."
Flächendeckene Versorgung gefährdet
Christian Woltering, Paritätischer Wohlfahrtsverband NRW
Christian Woltering, Vorstandsmitglied des Paritätischen, sieht die flächendeckende Versorgung mit Kitaplätzen gefährdet: "Die kleinen Einrichtungen erhalten nicht nur die Vielfalt verschiedener pädagogischer Ansätze. Vielerorts schließen sie auch Versorgungslücken, insbesondere auf dem Land. Unter massivem ehrenamtlichem Einsatz haben sich hier Familien auf den Weg gemacht, Lücken zu schließen, wo es an öffentlichen Angeboten mangelte."
Dr. Dennis Maelzer, SPD, Landtagsabgeordneter
Dennis Maelzer, familienpoltischer Sprecher der SPD-Fraktion sieht noch ein zusätzliches Problem für die kleinen Kitas: „Dadurch, dass die Förderung für Kita-Helfer jetzt als pauschale Summe ausgezahlt wird, werden sich eingruppige Einrichtungen keine Helfer mehr leisten können. Bislang werden pro Kita 18.000 Euro gewährt. Künftig pro Kind 215 Euro. Das sind dann für eine eingruppige Einrichtung maximal 5.375 Euro und würde faktisch das Aus für Alltagshelfer in diesen Kitas bedeuten."
Gesetzesentwurf ab Frühjahr 2026 im Parlament
Noch stehen diese Gesetzesänderungen nicht fest. Aktuell befindet sich das Gesetz in der Verbändeanhörung. Auch der Paritätische Wohlfahrtsverband kann seine Bedenken gegenüber der Landesregierung äußern. Ministerin Paul geht davon aus, dass der Gesetzesentwurf im Frühjahr 2026 ins Parlament eingebracht wird.
Unsere Quellen:
- Referentenentwurf KiBiz
- Paritätischer Wohlfahrtsverband
- Familienausschuss im NRW-Landtag
- Interview mit NRW-Familienministerin Josefine Paul
- Stellungnahme familienpolitischer Sprecher SPD-Fraktion Dennis Maelzer
- Antwort der Landesregierung auf ein Kleine Anfrage vom 15. August 2025
Sendung: WDR 5 Westblick, 11.12.2025, 17:30 Uhr