Gelsenkirchen: Erste Bankkund:innen zurück | Aktuelle Stunde

Aktuelle Stunde 15.01.2026 17:27 Min. UT Verfügbar bis 15.01.2028 WDR Von Nicole Noetzel

Bank-Einbruch in Gelsenkirchen - Chronologie der Ereignisse

Stand:

Bei einem Bank-Einbruch in Gelsenkirchen wurden rund 3.200 Schließfächer aufgebrochen und eine Millionensumme erbeutet. Die Chronologie eines der größten Coups in der bundesdeutschen Kriminalgeschichte.

Bis heute ist nicht ganz klar, wann genau sich der Bank-Einbruch in Gelsenkirchen ereignete. Der Tatzeitpunkt könnte entweder auf die Weihnachtsfeiertage oder das darauffolgende Wochenende fallen.

2025

27. Dezember 2025: Es gibt einen ersten Brandmeldealarm in dem Bankgebäude. Polizei und Feuerwehr sind gegen 6.15 Uhr vor Ort, können aber "nichts feststellen, was auf einen Schaden schließen" lässt, teilen die Beamten mit.

Loch in der Wand des Kellers einer Sparkassenfiliale in Gelsenkirchen

Loch in der Wand des Kellers einer Bankfiliale in Gelsenkirchen

29. Dezember 2025: Um 03.58 Uhr geht bei der Feuerwehr ein weiterer Brandmeldealarm ein. Daraufhin wird der Einbruch entdeckt. Die Täter verschafften sich von einer benachbarten Tiefgarage aus zunächst Zugang zu einem Archivraum. Von da aus arbeiteten sie sich mit einem Spezialbohrer in den Tresorraum der Bank vor - dafür rissen sie ein riesiges Loch in die Stahlbetonwand.

Größere Menschenmenge von Sparkassenfiliale

Kunden protestieren vor Gelsenkirchener Sparkassenfiliale

29./30. Dezember 2025: Nach Bekanntwerden des Einbruchs finden sich am Montag einige Dutzend und am Dienstagvormittag schätzungsweise 200 betroffene Kunden vor der Filiale ein. Die Lage droht zu eskalieren, es kommt zu tumultartigen Szenen. Mehrere Menschen stürmen in den Vorraum der Sparkasse. Polizeikräfte rücken an und sichern den Eingang.

30. Dezember 2025: Die Ermittler gehen erstmals einer konkreten Spur nach. Zeugen hatten Hinweise auf mehrere Männer gegeben, die in der Nacht zu Sonntag mit großen Taschen im Treppenhaus eines angrenzenden Parkhauses gesehen worden seien. Zudem zeigten Videobilder aus dem Parkhaus einen hochmotorisierten schwarzen Wagen, der am frühen Montagmorgen das Parkhaus verlassen habe. Im Auto hätten maskierte Täter gesessen, von denen einer die Schranke zur Ausfahrt betätigt habe. Die Kennzeichen waren nach Polizeiangaben gefälscht.

Im Tagesverlauf richtet die Sparkasse für betroffene Kunden eine Hotline ein. Zudem schaltet die Bank einige Informationen im Internet frei. Dort heißt es: "Die Wahrscheinlichkeit, dass auch Ihr Fach betroffen ist, ist sehr hoch." Die Betroffenen würden umgehend schriftlich informiert.

31. Dezember 2025: Es wird ein weiterer Fall von Schließfach-Raub bekannt - diesmal in Bonn. Wie die betroffene Sparkasse Köln/Bonn bestätigt, sei es in der Filialdirektion am Bonner Friedensplatz bereits Mitte Dezember zu einem internen Sicherheitsvorfall im Schließfachbereich gekommen. Betroffen waren zwei Schließfächer, aus denen erhebliche Mengen Gold verschwunden sind. Ein 22 Jahre alter ehemaliger Mitarbeiter steht im Verdacht, sich unberechtigterweise Zugang zu den Schließfächern verschafft und den wertvollen Inhalt gestohlen zu haben. Mit dem Millionendiebstahl aus der Sparkasse in Gelsenkirchen hat der Bonner Fall laut einer Polizeisprecherin nichts zu tun.

In Gelsenkirchen rückt unterdessen ein weiteres Fahrzeug in den Fokus. Überwachungskameras erfassten laut eines Polizeisprechers nicht nur den hochmotorisierten schwarzen Wagen, sondern auch einen weißen Kleintransporter, den die Täter genutzt haben könnten. Auch dieser hat nach Polizeiangaben gefälschte Kennzeichen.

2026

2. Januar 2026: In Halle (Westfalen) wird binnen weniger Tage der dritte Fall von Schließfach-Raub bekannt. Dieser ereignete sich bereits am 30. Dezember 2025 gegen Viertel vor eins - also während der regulären Öffnungszeiten der Sparkassenfiliale. Vier Schließfächer wurden aufgebrochen und vollständig leergeräumt. Nach Angaben der Polizei gelangten der oder die Täter ohne Gewalt in den Schließfachbereich. Ob der Raum offenstand oder wie genau sie hineinkamen, ist noch unklar.

Ein dunkel gekleideter Mann mit Sturmhaube und roten Handschuhen steht in einem Parkhaus.

3. Januar 2026: Nach dem Einbruch in die Sparkasse Gelsenkirchen veröffentlicht die Polizei Fotos der maskierten Tatverdächtigen. Es handelt sich um Aufnahmen aus Überwachungskameras aus dem angrenzenden Parkhaus.

Ein Mann in einem grauen Shirt mit Sturmhaube und grünen Handschuhen steht neben der Schranke eines Parkhauses

Auf den Fotos sind mehrere Personen mit schwarzen Sturmhauben zu sehen. Eine trägt rote Handschuhe, eine andere Person grüne Handschuhe. Weitere Bilder zeigen das schwarze Auto sowie den weißen Kleintransporter. Nach Einschätzung der Polizei könnten sie von den Tätern als Fluchtautos genutzt worden sein.

4. Januar 2026: Ein ehemaliger Mitarbeiter der Sparkasse Gelsenkirchen spricht in der "Bild" am Sonntag von Sicherheitsmängeln in der Filiale, die seit langem bekannt seien. Demnach gebe es im Untergeschoss keine Videoüberwachung und im Tresorraum keine Bewegungsmelder.

Die Bank selber gibt bekannt, dass die betroffene Sparkassenfiliale in Gelsenkirchen noch einige Tage geschlossen bleibt. Man arbeite noch an der Beseitigung der Einbruchschäden. Zumindest das Loch im Tresorraum wurde laut der Bank aber inzwischen von Spezialisten geschlossen.

5. Januar 2026: Es gibt offenbar eine erste heiße Spur: Die Ermittler haben Autokennzeichen sichergestellt, die zu einem der beiden Fluchtfahrzeuge der Einbrecher gehört. Wie die Polizei Gelsenkirchen bekannt gab, hatte ein aufmerksamer Zeuge die beiden Hannoveraner Kennzeichen nahe des Dortmunder Hauptbahnhofes auf dem Boden entdeckt und sofort in eine naheliegende Bundespolizeiwache gebracht.

Es handelt sich um die Kennzeichen des gesuchten schwarzen Audi RS 6. Die Polizei bittet Zeugen darum, sich zu melden, sollten sie etwas Nahe des Fundortes beobachtet haben. Die Kennzeichen des zweiten mutmaßlich beteiligten Fahrzeugs, eines weißen Mercedes Kastenwagens, wurden bislang noch nicht gefunden.

Erste heiße Spur nach Sparkassen-Einbruch in Gelsenkirchen?

WDR Studios NRW 05.01.2026 00:47 Min. Verfügbar bis 05.01.2028 WDR Online

Auch gut eine Woche nach dem Coup ist weiterhin unklar, wie viel Beute die Täter erbeutet haben. Nach dpa-Informationen aus Sicherheitskreisen halten die Ermittler inzwischen eine Beute von mehr als 100 Millionen Euro für möglich. Demnach hätten einzelne Kunden angezeigt, dass sie jeweils mehr als 500.000 Euro in ihren Schließfächern gehabt hätten.

Eine Anwaltskanzlei aus Datteln gab am 5. Januar bekannt, dass zahlreiche Sparkassen-Kunden sie beauftragt hätten, rechtliche Schritte gegen die Sparkasse einzuleiten.

6. Januar 2026: Der Einbruch soll in einer Sondersitzung des Innenausschusses im Landtag aufgearbeitet werden. Laut der Deutschen Presse-Agentur habe die SPD einen entsprechenden Antrag eingereicht. Dieser liegt der dpa vor. Mittelpunkt der Sondersitzung sollen Fragen zu den Ermittlungen sein, heißt es in dem Antrag.

Also unter anderem "zur Identität der Täter, den Umständen ihrer Flucht und möglichen Verbindungen zur organisierten Kriminalität". Die nächste Sitzung des Innenausschusses wäre am 22. Januar 2026. Laut dpa wolle die SPD aber wegen des "großen öffentlichen Interesses" so lange nicht warten.

Am frühen Abend wird bekannt, dass die Polizei die betroffene Sparkassen-Filiale durchsucht hat. Es sollen mögliche Beweise gesichert werden und die Polizei möchte sich nicht nur auf Material verlassen, dass die Sparkasse vorlegt. Es gehe darum, einen objektiven Überblick zu bekommen - und nicht um einen Verdacht gegen die Sparkasse oder einzelne Mitarbeiter, stellte ein Polizeisprecher gegenüber der Nachrichtenagentur dpa klar.

07. Januar 2026: Bei den Durchsuchungen gestern Abend hat die Polizei Datenträger und Kundendaten sichergestellt. Heute sollen die Server in der Hauptgeschäftsstelle durchsucht werden. Es geht unter anderem darum, herauszufinden, welchem Kunden welches Schließfach gehört und welche Mitarbeitenden Zugang zum Tresorraumm hatten.

Die Sparkasse selbst hat das Material von sich aus noch nicht an die Polizei gegeben. Laut eigener Angaben, weil sie mehr Zeit brauchte, um alle von der Staatsanwaltschaft geforderten Daten zusammenzustellen.

15. Januar 2026: Die Sparkasse in Gelsenkirchen öffnet zum Teil wieder. Konkret betrifft dies das Foyer der Filiale. Kundinnen und Kunden können so die SB-Terminals wieder nutzen und Geld abheben. Die Filiale selbst bleibt jedoch weiterhin für die Schadensregulierung geschlossen.

Bank-Einbruch in Gelsenkirchen - eine Chronologie

WDR Studios NRW 07.01.2026 00:40 Min. Verfügbar bis 07.01.2028 WDR Online

16. Januar 2026: Die Polizei sucht mit Bildern aus Überwachungskameras nach zwei Verdächtigen. Auf den Fotos ist zu sehen, dass sie bei der Tat Einwegmasken trugen und Rollkoffer bei sich hatten. Zeugen werden gebeten, sich bei der Polizei zu melden.

19. Januar 2026: Die Polizei in Gelsenkirchen startet mit der Befragung der Opfer des Sparkassen-Coups. Mehr als 200 Polizisten sind bei der besonderen Aufbauorganisation "Bohrer" damit beschäftigt, die Täter zu ermitteln.

20. Januar 2026: Die Ermittlungen laufen weiter auf Hochtouren. Im Zentrum steht unter anderem die Frage, woher die Täter detaillierte Kenntnisse über die Begebenheiten in und um die Sparkasse hatten. Von einem Archivraum aus hatten sie ein großes Loch in den Tresorraum gebohrt. Auf einem Foto ist zu sehen, dass die Täter für die Kühlung des Bohrers einen Schlauch vom Wasserhahn der benachbarten Damentoilette in den Archivraum verlegten.

21. Januar 2026: Der Raub in der Gelsenkirchener Sparkasse ist Thema der Fahndungssendung "Aktenzeichen XY...ungelöst" des ZDF. "Es gab während und nach der Sendung Hinweise in einem bisher mittleren zweistelligen Bereich", sagte eine Polizeisprecherin einen Tag nach der Sendung auf dpa-Anfrage. Inwieweit diese Angaben die Ermittlungen voranbringen, könne bisher nicht gesagt werden. 

28. Januar 2026: Der Geschädigten-Anwalt Daniel Kuhlmann erhebt scharfe Kritik an den Sicherheitsvorkehrungen in der Gelsenkirchener Sparkasse. Ein renommierter Sachverständiger für Sicherungssysteme in Banken komme zu dem Schluss, dass der Einbruch mit "an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" hätte verhindert werden können, wenn die Bank Schutzvorkehrungen auf dem Stand der Technik gehabt hätte, sagte Kuhlmann. Laut Sparkasse war der Schließfachraum "nach dem anerkannten Stand der Technik gesichert". Drei Opfer haben inzwischen Klage gegen die Sparkasse eingereicht.

Unsere Quellen:

  • Nachrichtenagentur dpa
  • Polizei Gelsenkirchen
  • WDR-Reporterin vor Ort
  • Sparkasse Gelsenkirchen
  • "Bild"-Zeitung

Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 07.01.2026, 18.45 Uhr

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