Arbeitsministerin in der Kritik : Wie die Duisburger SPD zu Bärbel Bas hält
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Arbeitsministerin Bärbel Bas steht in der Kritik, nachdem sie im Bundestag gesagt hatte, es gebe keine Einwanderung in die Sozialsysteme. In ihrer politischen Heimat Duisburg stärkt man ihr jedoch den Rücken. Ein Besuch bei der SPD im Brauhaus Mattlerhof.
Am Vatertag in Duisburg steht Arbeitsministerin Bärbel Bas besonders im Fokus. Dabei ist sie selbst gar nicht da. Trotz des verregneten Feiertags wirkt die Stimmung bei den Duisburger Sozialdemokraten gelassen. Im Brauhaus Mattlerhof im Norden der Stadt feiern sie jedes Jahr Vatertag. Jeder kann kommen – unabhängig davon, ob er Mitglied der SPD ist oder nicht.
Das Treffen am Brauhaus Mattlerhof
Am Mittag sind es etwa 50 Menschen, die Musik vom DJ hören, Bier trinken und Bratwürste essen – trotz Regen und Hagel. Nicht alle von ihnen sind wegen der SPD da. Für die Partei ist das Fest jedoch eine feste Institution – auch in regnerischen Zeiten.
Sind die Werte der SPD nicht mehr „en vogue“?
Die SPD hat es im Moment schwer. In NRW-Umfragen liegt die Partei selten über 20 Prozent. Auf Bundesebene erreichen die Umfragewerte meist nur 13 oder 14 Prozent. In Sachsen-Anhalt, wo im September ein neuer Landtag gewählt wird, schafft es die SPD gerade so über die Fünf-Prozent-Hürde. "Unsere Werte wie Solidarität und Gemeinschaft sind derzeit nicht besonders en vogue", sagt Frank Börner, NRW-Landtagsabgeordneter für Duisburg. Die Menschen seien zunehmend auf sich selbst fokussiert; in Gewerkschaften oder Vereinen engagiere sich kaum noch jemand.
Frank Börner, Landtagsabgeordneter für Duisburg (SPD)
Nun kommt eine neue Debatte rund um die SPD-Chefin und Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas aus Duisburg hinzu. Bas wurde in Duisburg geboren, absolvierte ihre Ausbildung bei der Duisburger Verkehrsgesellschaft, ist Fan des MSV Duisburg und trat auch in ihrer Heimatstadt der SPD bei. Seit 2009 vertritt sie ihren Wahlkreis im Bundestag – und ist dennoch immer wieder in Duisburg anzutreffen.
Der Satz im Bundestag
Im Bundestag sagte Bärbel Bas auf eine Frage der AfD, es gebe "keine Einwanderung in die deutschen Sozialsysteme". Es herrsche Fachkräftemangel im Land, und ihr Ziel sei es, dass "die Menschen, die im Land sind, schnell in Arbeit kommen". Vonseiten der CDU hagelte es daraufhin Kritik – etwa von Günter Krings, der auch Vorsitzender der CDU-Landesgruppe NRW ist.
Auch kommunale Politiker der SPD äußerten Kritik. Matthias Jendricke, Landrat des Kreises Nordhausen in Thüringen, sagte der Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Aussage sei gemessen an der Realität "Unsinn". Zwar hätten Migranten nicht immer die Absicht, ausschließlich von Sozialleistungen zu leben, allerdings mache man es ihnen auch zu leicht, sich in den Sozialleistungen einzurichten.
Vor dem Bundeskongress des Deutscher Gewerkschaftsbund versuchte Bärbel Bas später klarzustellen, "dass wir natürlich Sozialleistungsmissbrauch in diesem Land scharf ablehnen und auch bekämpfen". Das habe sie seit Beginn ihrer Amtszeit als Arbeitsministerin immer betont.
Sören Link würdigt den Einsatz von Bärbel Bas
Sören Link sagte beim Treffen am Donnerstag im Brauhaus Mattlerhof, dieser eine Satz im Bundestag verzerre die Wahrnehmung und den Einsatz von Bärbel Bas. Seit Bas Teil der Bundesregierung sei, sei viel Bewegung in das Thema Sozialleistungsmissbrauch und Einwanderung in die Sozialsysteme gekommen.
Sören Link, Oberbürgermeister Duisburg (SPD)
Sören Link ist in und außerhalb von Duisburg dafür bekannt, gegen das Ausnutzen der EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit in seiner Stadt vorzugehen. In vielen sogenannten "Schrottimmobilien" werden häufig bulgarische oder rumänische Zuwanderer von kriminellen Organisationen untergebracht, um Sozialleistungen zu beziehen. Die Probleme sehe auch Bärbel Bas, sagt Link.
"Diesen einen Satz, bezogen auf eine Teilmenge in einer Regierungserklärung, sollte man nicht überbewerten. Der politische Einsatz der Duisburger SPD-Politikerin Bärbel Bas spricht für sich." Sören Link, Oberbürgermeister Duisburg
Schmierereien am Duisburger Büro der SPD
Schmierereien am SPD-Büro in Duisburg
Bärbel Bas ist in ihrem Heimatwahlkreis gern gesehen. Der Zuspruch für die Duisburgerin ist grundsätzlich groß. Ihre Nähe zu den Bürgerinnen und Bürgern zeichnet sie aus. Bei der vergangenen Bundestagswahl konnte sie mit 39 Prozent ihren Sitz im Bundestag klar verteidigen. "Sie ist ein Störfaktor in Berlin, sie macht Politik für den kleinen Mann", sagt Ulf Winkler von der SPD in Duisburg.
Doch nun gibt es auch hier Gegenwind. Kürzlich hatten Unbekannte das Duisburger Büro der SPD beschmiert. "8-Stunden-Killerin, wer hat uns verraten?" steht in roten Lettern an der Außenwand.
Der Staatsschutz ermittelt. Den Weggang vom Acht-Stunden-Tag hin zu einer wöchentlichen Arbeitszeit würden Bärbel Bas und die SPD am liebsten "gar nicht anfassen", sagte sie beim Bundeskongress des Deutscher Gewerkschaftsbund in Berlin. Aber er stehe im Koalitionsvertrag.
Der Koalitionsvertrag sei "Richtschnur für das Handeln der Bundesregierung", sagt Sören Link. Probleme gebe es genug: "Ich erwarte, dass die Bundesregierung jetzt in Gänze ihren Job macht."
Unsere Quellen:
- WDR-Reporterin vor Ort
- Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link
- Duisburgs Landtagsabgeordneter Frank Börner
- Ulf Winkler, SPD Duisburg
Sendung: WDR.de, "Bärbel Bas am Vatertag in Duisburg: SPD hält zu ihr", 14.05.2026, 17:50 Uhr