Auf dem BIld ist Götz Geiorge in seiner Rolle als Horst Schimanski zu sehen

Mehr als nur Horst Schimanski Wie Götz George den Ruhrpott geprägt hat

Stand:

Vor zehn Jahren starb Götz George. Der Mann in der Feldjacke, der als "Horst Schimanski" den Tatort aufmischte, hat mit körperlicher Wucht, proletarischer Direktheit und kompromisslosem Spiel eine Figur geprägt, die bis heute das Bild des deutschen TV-Ermittlers formt. Doch wer war der Mensch hinter "Schimmi"?

Von Susanne Fritz

Am Eingang der Horst-Schimanski-Gasse in Duisburg-Ruhrort steht Götz George und schaut die Passanten direkt an. Natürlich nicht wirklich, sondern als Bronze-Büste. Hier kommen Touristen auf Schimmi-Touren inklusive Currywurst vorbei. Die Führungen an die Drehorte der Tatort-Krimis aus den 1980er Jahren und zu denen der späteren Schimanski-Serie sind immer noch beliebt. Vor allem bei älteren Duisburgern hat der berüchtigte Tatort-Bulle Kultstatus. Die jüngeren Generationen wissen allerdings kaum noch, wer Horst Schimanski ist.  

Die Büste des Duisburger «Tatort»-Kommissars Schimanski steht am Eingang der Horst-Schimanski-Gasse. Der von Götz George gespielte legendäre Duisburger «Tatort»-Kommissar Horst Schimanski ist in Duisburg-Ruhrort mit einer Bronzebüste geehrt worden.

Schimmi – umstrittene Identifikationsfigur  

Der Filmkommissar hat vielen Duisburgern und dem Ruhrgebiet in den 1980er Jahren Selbstbewusstsein gegeben und war eine Identifikationsfigur. Damals war das Bild vom Ruhrgebiet im Rest der Republik noch eher negativ. Mit dem populären Tatort-Kommissar hat sich das geändert. Doch nicht alle Duisburger konnten mit dem ruppigen Kommissar in Feldjacke was anfangen. Stadt und Polizei fürchteten lange Zeit um ihren Ruf und manchen Duisburgern war Schimmi peinlich. Je länger Götz George jedoch als Tatort-Kommissar Schimanski ermittelte, umso gelassener sind die Duisburger mit ihm umgegangen und umso beliebter wurde er. Auch die Stadt Duisburg hat mittlerweile erkannt, was sie an Schimanski hat, kaufte sogar den alten Citroën von Horst Schimanski auf und restaurierte ihn.  

Götz George: Eine Ausnahmekarriere in Bildern

Die Rolle des schnoddrigen Ruhrpott-Kommissars Horst Schimanski machte Götz George in Deutschland endgültig zum Star. Doch George war weitaus mehr als Schimmi. Er und seine Filmrollen bleiben bis heute unvergessen. Am 19.06.2026 jährt sich sein Todestag zum zehnten Mal.

Die Collage zeigt den Schauspieler Heinrich George (l, undatierte sw-Aufnahme) und seinen Sohn Götz George (Archivfoto vom 26.03.1998

Götz George stammt aus einer Schauspielerfamilie. Der Vater Heinrich ist in der Weimarer Republik ein bekannter Darsteller und spielt auch in Propaganda-Filmen der Nazis mit. Trotzdem würdigt der Sohn das Talent seines Vaters. 1946 stirbt Heinrich George in russischer Haft. Im Film "George" spielt Götz seinen Vater Heinrich.

Götz George neben seiner Mutter Berta Drews

Götz Georges Mutter Berta Drews absolviert eine Schauspielausbildung beim berühmten Regisseur und Schauspiellehrer Max Reinhardt. Sie wird eine bekannte Theater- und Filmschauspielerin, die unter anderem an der Seite von Heinz Rühmann im Film "Es geschah am hellichten Tag" zu sehen ist. 1978 stirbt Georges Mutter mit 85 Jahren nach längerer Krankheit.

Die Preisträger des Deutschen Filmpreises im Juni 1960. Von l. n. r.: Götz George, Hanns Lothar, Cordula Trantow, Bernhard Wicki, Nadja Tiller, Walter Giller und Edith Schultze-Westrum.

Schon mit elf Jahren bekommt Götz seine erste Rolle im Berliner Hebbeltheater. Um die Schauspielkunst zu erlernen, arbeitet George auf den Ratschlag seiner Mutter mehrere Jahre an einem Provinztheater in Göttingen. Georges Karriere gewinnt schnell an Fahrt: Bereits 1960 erhält er als bester Nachwuchsschauspieler den Deutschen Filmpreis.

Götz George und Karin Dor, Filmszene aus "Der Schatz im Silbersee"

Mit Mitte zwanzig steht George für die Karl-May-Verfilmungen "Der Schatz im Silbersee", "Unter Geiern" und "Winnetou und das Halbblut Apanatschi" vor der Kamera. Er selbst hat diese Filmrollen nie als herausragend betrachtet. Für Karl-May-Fans bleibt er trotzdem als Fred Engel, Martin Baumann und Jeff unvergesslich.

Filmszene aus "Aus einem deutschen Leben" von 1977, Götz George als SS-Offizier Franz Lang (rechts) und Elisabeth Schwarz als Else Lang

Mit der Rolle des Auschwitz-Kommandanten Franz Lang in dem Film "Aus einem deutschen Leben" kann sich George (r.) als Charakterdarsteller etablieren.

Götz George als Horst Schimanski (rechts) neben Günther Maria Halmer in einer Szene im Tatort "Grenzgänger" (1981)

Die Rolle des aufmüpfigen und etwas prolligen Tatort-Kommissars Schimanski macht George in Deutschland endgültig zum Star.

Die Schimanski-Jacke im Essener Ruhrmuseum – auf der Vitrine das Zitat "Du Idiot, hör auf mit der Scheiße"

"Du Idiot, hör auf mit der Scheiße" – das sind die ersten Worte von George in seiner Rolle als Tatort-Kommissar Horst Schimanski 1981. Sie sind gemeinsam mit der berühmten Schimanski-Jacke im Essener Ruhrmuseum zu sehen. Die Jacke hat Götz George selbst entworfen.

Dienstausweis des Tatort-Kommissars Horst Schimanski als Objekt in der Ausstellung „Im Fadenkreuz – 40 Jahre Tatort“ im Düsseldorfer Filmmuseum (2010)

Den Dienstausweis gibt Schimmi 1991 ab – allerdings kehrt er schon nach sechs Jahren zurück. Diesmal mischt er als pensionierter Ermittler die Duisburger Polizei auf.

Filmplakat zum Spielfilm "Schtonk" (1991) mit Götz George und Uwe Ochsenknecht

Nicht nur in der kurzen "Schimmi"-Pause wirkt George in vielen erfolgreichen Spielfilmen mit – unter anderem als schmieriger Reporter in der Erfolgskomödie "Schtonk" (1992) über die gefälschten Hitler-Tagebücher, die der "Stern" 1983 veröffentlichte.

Götz George als Massenmörder Fritz Haarmann im Film "Der Totmacher" (1995)

Für seine Darstellung des Serienmörders Fritz Haarmann im Film "Der Totmacher" wurde George als bester Darsteller mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet und auch bei den Filmfestspielen in Venedig nominiert.

Götz George mit seiner Lebensgefährtin Marika Ullrich beim Deutschen Fernsehpreis 2007 in Köln

Bis zu seinem Tod lebt er mit seiner langjährigen Lebenspartnerin Marika Ulrich, die er 2014 heiratet, auf Sardinien. Rückblickend sagt George über seine vielen Rollen: "Es ist eine für deutsche Karrieren sehr ungewöhnliche Laufbahn."

Die Büste des Duisburger Tatort-Kommissars Schimanski steht am Eingang der Horst-Schimanski-Gasse

Und eine, die ungewöhnliche Ehren mit sich bringt: Im Frühjahr 2014 gibt die Stadt Duisburg grünes Licht für eine "Horst-Schimanski-Gasse", an deren Eingang seit 2022 auch eine Bronze-Büste an den Tatort-Kommissar erinnert.

Götz George stammt aus einer Schauspielerfamilie. Der Vater Heinrich ist in der Weimarer Republik ein bekannter Darsteller und spielt auch in Propaganda-Filmen der Nazis mit. Trotzdem würdigt der Sohn das Talent seines Vaters. 1946 stirbt Heinrich George in russischer Haft. Im Film "George" spielt Götz seinen Vater Heinrich.

Götz Georges Mutter Berta Drews absolviert eine Schauspielausbildung beim berühmten Regisseur und Schauspiellehrer Max Reinhardt. Sie wird eine bekannte Theater- und Filmschauspielerin, die unter anderem an der Seite von Heinz Rühmann im Film "Es geschah am hellichten Tag" zu sehen ist. 1978 stirbt Georges Mutter mit 85 Jahren nach längerer Krankheit.

Schon mit elf Jahren bekommt Götz seine erste Rolle im Berliner Hebbeltheater. Um die Schauspielkunst zu erlernen, arbeitet George auf den Ratschlag seiner Mutter mehrere Jahre an einem Provinztheater in Göttingen. Georges Karriere gewinnt schnell an Fahrt: Bereits 1960 erhält er als bester Nachwuchsschauspieler den Deutschen Filmpreis.

Mit Mitte zwanzig steht George für die Karl-May-Verfilmungen "Der Schatz im Silbersee", "Unter Geiern" und "Winnetou und das Halbblut Apanatschi" vor der Kamera. Er selbst hat diese Filmrollen nie als herausragend betrachtet. Für Karl-May-Fans bleibt er trotzdem als Fred Engel, Martin Baumann und Jeff unvergesslich.

Mit der Rolle des Auschwitz-Kommandanten Franz Lang in dem Film "Aus einem deutschen Leben" kann sich George (r.) als Charakterdarsteller etablieren.

Die Rolle des aufmüpfigen und etwas prolligen Tatort-Kommissars Schimanski macht George in Deutschland endgültig zum Star.

"Du Idiot, hör auf mit der Scheiße" – das sind die ersten Worte von George in seiner Rolle als Tatort-Kommissar Horst Schimanski 1981. Sie sind gemeinsam mit der berühmten Schimanski-Jacke im Essener Ruhrmuseum zu sehen. Die Jacke hat Götz George selbst entworfen.

Den Dienstausweis gibt Schimmi 1991 ab – allerdings kehrt er schon nach sechs Jahren zurück. Diesmal mischt er als pensionierter Ermittler die Duisburger Polizei auf.

Nicht nur in der kurzen "Schimmi"-Pause wirkt George in vielen erfolgreichen Spielfilmen mit – unter anderem als schmieriger Reporter in der Erfolgskomödie "Schtonk" (1992) über die gefälschten Hitler-Tagebücher, die der "Stern" 1983 veröffentlichte.

Für seine Darstellung des Serienmörders Fritz Haarmann im Film "Der Totmacher" wurde George als bester Darsteller mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet und auch bei den Filmfestspielen in Venedig nominiert.

Bis zu seinem Tod lebt er mit seiner langjährigen Lebenspartnerin Marika Ulrich, die er 2014 heiratet, auf Sardinien. Rückblickend sagt George über seine vielen Rollen: "Es ist eine für deutsche Karrieren sehr ungewöhnliche Laufbahn."

Und eine, die ungewöhnliche Ehren mit sich bringt: Im Frühjahr 2014 gibt die Stadt Duisburg grünes Licht für eine "Horst-Schimanski-Gasse", an deren Eingang seit 2022 auch eine Bronze-Büste an den Tatort-Kommissar erinnert.

Neuer Kommissar-Typus im deutschen Fernsehen  

Als Götz George erstmals im Tatort spielt, verkörpert er mit Horst Schimanski einen komplett neuen Kommissar-Typus im deutschen Fernsehen: trinkend, prügelnd und fluchend ermittelt er sich durch die Duisburger Mordfälle. Nie zuvor hatte ein Kommissar in einem ARD-Krimi "Scheiße" gesagt. Götz George alias Schimanski schimpft in einer Folge 18-mal auf diese Weise, zählt sein Filmkollege Christian Thanner mit. Überhaupt hat Horst Schimanski nichts mit den biederen Ermittlern in Krimiserien vor seiner Zeit zu tun. Heute haben viele Kommissare und Kommissarinnen im deutschen Fernsehen zumindest eine gewisse Ähnlichkeit mit Horst Schimanski. 

"Sie kennen nur den Schimanski und lieben ihn auch. Aber sie wissen wirklich nicht, dass ich Götz George heiße, das ist das Irrsinnige." Schauspieler Götz George

Im Laufe der Jahre verschwindet Schauspieler Götz George immer mehr hinter seiner Kultfigur Schimanski. Irgendwann kennt nahezu jeder Ruhrpottler den Tatort-Kommissar, aber nur wenige wissen, wer Götz George ist. "Sie kennen nur den Schimanski und lieben ihn auch. Aber sie wissen wirklich nicht, dass ich Götz George heiße, das ist das Irrsinnige", bedauert George einmal in einem Interview.

Auf dem Bild ist Götz George in seiner Rolle als Horst Schimanski zu sehen

Vom Teenie-Schwarm zum Charakterdarsteller  

Dabei ist Götz George schon als junger Mann berühmt. Bereits als 15-Jähriger bekommt er neben Romy Schneider seine erste Filmrolle in "Wenn der weiße Flieder wieder blüht". In den 1960er Jahren spielt er als junger Mann in drei Karl-May-Verfilmungen mit und wird nach "Der Schatz im Silbersee", "Unter Geiern" und "Winnetou und das Halbblut Apanatschi" zum Publikumsliebling. Die Erfahrung wolle er nicht missen, sagte er. Es habe ihm großen Spaß gemacht und vor allem auch große Hilfestellungen gegeben für die späteren Actionszenen in anderen Filmen.

Wie Götz George den Ruhrpott nachhaltig prägte

Westart | WDR 19.06.2026 04:16 Min. Verfügbar bis 19.06.2027 WDR Online

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Theaterjahre in den 1970er Jahren  

Mit dem Neuen Deutschen Film und seinen Regisseuren hadert Götz George und spielt deshalb in den 1970er Jahren vor allem Theater. Doch dann kehrt er zurück zum Film, spielt nicht nur Schimanski, sondern auch in Helmut Dietls Komödien "Schtonk" und "Rossini" mit. Seine Arbeit wird immer vielfältiger. Er entdeckt anspruchsvolle und schwierige Film-Figuren für sich, wie zum Beispiel den Serienmörder Fritz Haarmann in "Der Totmacher"

Im Schatten des Übervaters  

Götz George hat einen hohen Anspruch an seine schauspielerische Arbeit. Dabei sieht er sich zeitlebens im Schatten seines Vaters Heinrich George, der in der Weimarer Republik ebenfalls ein berühmter Schauspieler war. Götz blickt bis ans Ende seines Lebens zu dem früh verstorbenen Vater auf. Heinrich George kam 1946 in dem sowjetischen "Speziallager Nr. 7 Sachsenhausen" ums Leben. Wegen seiner Vielseitigkeit bezeichnet ihn auch sein Sohn immer wieder als Jahrhundert-Schauspieler. Doch Heinrich George ist umstritten. Denn im sogenannten "Dritten Reich" kollaborierte er mit den Nazis und spielte in Propagandafilmen mit.  

Die deutschen Schauspieler Heinrich George (v.l.) als Stadtmusikant Miller, Gisela Uhlen als seine Tochter Luise und Raimund Schelcher als Ferdinand in Schillers "Kabale und Liebe"

Heinrich George (l.) in "Kabale und Liebe"

In dem Doku-Drama "George" setzt sich Götz George drei Jahre vor seinem Tod mit seinem Vater auseinander und spielt ihn sogar selbst. Für den Regisseur Joachim Lang steht Götz George seinem Vater Heinrich als Schauspieler in nichts nach. Götz George habe den Film von der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart geprägt, er habe ein Lebenswerk hingelegt, das ganz außerordentlich sei – und er sei ein Vorbild für andere Schauspieler. 

Privates bleibt bis zum Schluss privat  

Vor zehn Jahren, am 19. Juni 2016, ist Götz George in Hamburg gestorben. Seine Krebserkrankung hält er bis zu seinem Tod vor der Öffentlichkeit geheim. Privates will er von sich ohnehin nicht in den Medien veröffentlicht sehen. Zeitlebens ist es ihm wichtig, ausschließlich über seine schauspielerische Arbeit bewertet zu werden und nicht über sein Privatleben. Der empfindsame, bisweilen empfindliche Künstler hadert deshalb immer wieder mit Journalisten. 

Auf dem Bild ist Götz George in seiner Rolle als Horst Schimanski zu sehen - gemeinsam mit Eberhard Feik als Christian Thanner

Götz George und Eberhard Feik im "Tatort" als Horst Schimanski und Christian Thanner

In Duisburg bleibt er den meisten älteren Menschen vor allem in seiner Rolle als Horst Schimanski in Erinnerung. Für sie ist Götz George als Tatort-Kommissar ein Klassiker. "Wer heute noch die Filme sieht, der erkennt schon, dass das ein großer Schauspieler gewesen ist. Der wird nie Schnee von gestern sein", sagt ein Duisburger auf seinem Weg durch die Horst-Schimanski-Gasse im Stadtteil Ruhrort.  

Unsere Quellen:

  • Eindrücke des WDR-Reporters vor Ort
  • "Götz George wird 70", MDR 2008
  • Nachruf auf Götz George, RBB 2016
  • Porträt: Götz George als Schauspieler, NDR 2008   
  • Interview: "Der Schauspieler Götz George", WDR 1997 
  • Porträt: "Götz George wird 75 Jahre alt", SWR 2013 

Sendung: WDR 5, Morgenecho19.06.2026, 06:05 Uhr 

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