7 Wochen alten Säugling zu Tode geschüttelt: Eltern in Bonn vor Gericht
Lokalzeit aus Bonn. 16.07.2025. 02:36 Min.. Verfügbar bis 16.07.2027. WDR. Von Tobias al Shomer.
Der Mann soll sein noch nicht mal zwei Monate altes Baby so heftig geschüttelt haben, dass es einen Monat später an den Folgen starb. Mitangeklagt ist auch die 22 Jahre alte Mutter wegen Beihilfe.
Zum Prozessauftakt am Mittwoch bestritt der Angeklagte die Vorwürfe. Sein Kind habe Blähungen gehabt und er habe es massiert, als es plötzlich zu krampfen angefangen habe. Seit Dezember sitzt der 28-Jährige in Untersuchungshaft.
Mutter des Kindes: Vater sei "regelmäßig aggressiv geworden"
Als seine ehemalige Lebensgefährtin und Mitangeklagte aussagte, klang das ganz anders. Ihr Ex-Lebensgefährte habe immer häufiger viel Bier getrunken und sei dann regelmäßig aggressiv geworden. So auch am Tattag Ende Oktober 2024. Sie habe gerade Milch für die Tochter gemacht und erst spät gesehen, wie der Angeklagte das Kind geschüttelt habe, bis es nicht mehr atmete.
Eltern lebten in Unterkunft für Geflüchtete
Die angeklagten Eltern waren aus der Ukraine geflohen und leben seit 2022 in einer Unterkunft für Geflüchtete in Bonn-Beuel. Es ist gut möglich, dass die mutmaßlichen Misshandlungen durch den Vater in der Unterkunft nicht bekannt waren. Im Prozess erklärte die 22-Jährige, dass sie kein Deutsch spreche. Kommuniziert habe immer ihr ehemaliger Lebensgefährte. Bei kritischen Situationen habe er sie zudem öfter im Zimmer eingesperrt.
Insgesamt hat das Paar zwei Kinder. Das andere Kind, ein Junge, kam im Frühjahr 2023 zur Welt. Ende August vergangenen Jahres kam die Tochter zur Welt. Laut Anklage soll sich der Vater durch das weinende Mädchen immer wieder gestört gefühlt haben und es physisch attackiert haben, um es ruhigzustellen.
Schwer misshandelter Säugling
Unter anderem soll der 28-Jährige, der die marokkanische Staatsbürgerschaft hat, seine kleine Tochter an einem Bein festgehalten haben, so dass ihr Kopf nach unten hing und sie dabei so schwer geschüttelt haben, dass Blut aus ihrer Nase tropfte.
Ende Oktober soll der Angeklagte dann noch gröber gewesen sein. Diesmal trug das Mädchen lebensbedrohliche Blutungen im Schädel und ein Hirnödem davon. Ende November starb es an den Folgen im Krankenhaus.
Auch die Mutter des Mädchens ist wegen Beihilfe mitangeklagt.
Die Stadt Bonn erklärt auf WDR-Anfrage, dass junge Eltern in Unterkünften für Geflüchtete Unterstützung erhalten und bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung das Jugendamt einschreitet.
Mutter soll bei Misshandlungen zugesehen haben
Sicher ist aufgrund des Verletzungsbildes, dass das kleine Mädchen einen qualvollen Tod hatte. Die Mutter soll laut Anklage die Attacken des Vaters beobachtet haben, aber nicht eingeschritten sein. Sie ist deshalb wegen Beihilfe zur Körperverletzung mit Todesfolge und schwerer Misshandlung Schutzbefohlener durch Unterlassen angeklagt.
Mitte August soll das Urteil gegen die beiden Angeklagten gesprochen werden.
Unsere Quellen:
- Landgericht Bonn
- Stadt Bonn