1995 begann die Geschichte der Deutschen Post AG. Nach der Privatisierung der bis dahin staatlichen Bundespost ging der Brief- und Paketdienstleister an die Börse. Mit der Hauptversammlung 2026 beginnt jetzt offiziell ein neues Kapitel.
Aus Bundespost wurde globaler Konzern
Denn in gut drei Jahrzehnten hat sich der deutsche Brief- und Paketdienstleister vor allem zu einem globalen Logistikkonzern entwickelt: der DHL Group, die gerade umstrukturiert wird. Künftig heißt eben dieser Mutterkonzern mit seinen weltweit mehr als 580.000 Beschäftigten nicht mehr Deutsche Post, sondern DHL AG. Nur noch das Brief- und Paketgeschäft in Deutschland wird unter dem Namen der Deutschen Post laufen.
Für uns ein logischer Schritt. Mehr als 93 Prozent unseres Umsatzes weltweit machen wir bereits unter der Marke DHL. Tobias Meyer, Vorstandsvorsitzender DHL Group
Bisher liefen alle unterschiedlichen Sparten (wie zum Beispiel Express oder Fracht) des Bonner Logistikers unter dem Dach der Deutschen Post AG. Mit der neuen Struktur der Muttergesellschaft DHL AG will man flexibler, agiler und internationaler werden.
Kritik: zeitgleich immer weniger Filialen
Der Schriftzug "Deutsche Post" verschwindet also nicht völlig von den Schildern der Postfilialen. Allerdings gibt es von solchen Filialen inzwischen viel weniger als noch vor 30 Jahren. So kritisiert der Kerpener Aktionär Willy Gellert, dass seine 70.000-Einwohner-Stadt keine eigene Postfiliale mehr habe. Stattdessen gebe es nur zwei kleine Kioske mit Postdiensten. Deshalb sei er als Kunde der Post längst nicht so zufrieden, wie er es als Aktionär des Konzerns ist.
Aktionär Willy Gellert aus Kerpen ärgert sich, dasss es in seinem Heimatort keine klassische Postfiliale mehr gibt.
Auf der Hauptversammlung machte Vorstandschef Meyer noch einmal Werbung für neue Poststationen, von denen es inzwischen bereits mehr als 1.000 in Deutschland gebe. Sie sollen gerade in ländlichen Regionen eine Lösung für das Filialproblem werden. An den Automaten können alle Postdienste rund um die Uhr erledigt werden. Bei Problemen gibt es auch die Möglichkeit über einen Bildschirm Unterstützung von DHL-Mitarbeitenden zu bekommen.
"Anstrengende Zeiten" für DHL
Kriege, Zölle, unsichere Weltwirtschaft - das alles geht auch am Bonner Konzern nicht ganz spurlos vorbei. Trotz eines leicht gestiegenen Gewinns bezeichnet Tobias Meyer das vergangene Jahr als "wirklich anstrengend". Und diesen Herausforderungen sieht sich das Unternehmen auch weiterhin ausgesetzt.
Für den Aktionärsvertreter Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz steht die eigentliche Bewährungsprobe deshalb auch noch aus. Er geht davon aus, dass gestiegene Preise für Benzin oder Kerosin sich auch auf das Transport- und Liefergeschäft und damit auf die Ergebnisse auswirken werden: "Das darf man nicht unterschätzen, das ist noch gar nicht da. Das kommt erst noch in den nächsten Monaten auf DHL und die Post zu und das wird richtig durchschlagen. Und dann werden die Ergebnisse sinken und dann sieht’s nicht mehr so gut aus."
Unsere Quellen:
- WDR-Reporter vor Ort
- Gespräch mit Aktionär Willy Gellert
- Gespräch mit Aktionärsvertreter Marc Tüngler
- Gespräch mit Tobias Meyer, Vorstandsvorsitzender DHL Group
Sendung: WDR5, Wirtschaftsmagazin, 05.05.2026, 13.40 Uhr