Euskirchener Serviettenfirma droht nach Cyberattacke Insolvenz
Lokalzeit aus Bonn. 12.06.2025. 03:12 Min.. Verfügbar bis 12.06.2027. WDR. Von Anette Flentge.
Ein Cyberangriff hat für die rund 240 Mitarbeiter der Euskirchener Firma Fasana womöglich schwere Folgen: Bei dem Papierservietten-Hersteller hat die Attacke so viel Schaden angerichtet, dass er nun einen Insolvenzantrag gestellt hat. Am 21. Mai waren Angreifer in die Systeme der Firma eingedrungen. Eine Mitarbeiterin, die morgens in die Firma kam, fand in den Druckern sogar Erpresserbriefe.
Alle Laptops und Computer waren nach dem Angriff unbenutzbar, die Mitarbeiter konnten weder Rechnungen schreiben, noch neue Aufträge bearbeiten. Die Firma reagierte schnell und konnte einige Computer nach ein paar Tagen wieder zum Laufen bringen. Dennoch: Die Produktion und Auslieferung war stark eingeschränkt, manche Arbeiten standen komplett still.
Käufer für Firma gesucht
Serviettenproduktion bei Fasana
Das hat nun schwerwiegende Konsequenzen für das Unternehmen: Fasana rechnet mit einem Schaden in Millionenhöhe. Insolvenzverwalter Dr. Dirk Wegener hofft, die Firma noch irgendwie retten zu können und erklärt dem WDR, sie suchen nun nach jemanden, der den Betrieb übernimmt.
Immerhin: Inzwischen konnte die Firma den Betrieb wieder aufnehmen. Vergangene Woche gab es erste Auslieferungen. Seit Mittwoch können die Mitarbeitenden außerdem wieder Rechnungen schreiben.
Unterstützung aus der Politik
Sie geben die Hoffnung darum noch nicht auf: Trotz gedrückter Stimmung ist die Belegschaft motiviert, viele Mitarbeitende machen freiwillig Überstunden. Anfang der Woche hat außerdem Euskirchens Bürgermeister Sacha Reichelt das Unternehmen besucht und seine Hilfe angeboten.
Im Gespräch mit dem WDR erklärte er, wie wichtig der Stadt das Unternehmen ist, das es schon seit über 100 Jahren gibt. Auch wenn die Stadt nicht mit Geld helfen kann, würde sie versuchen, das Unternehmen so gut es geht zu unterstützen.
Täter sind polizeibekannt
Wie der WDR aus gut informierten Kreisen erfuhr, handelt es sich bei den Tätern um eine polizeibekannte Gruppe. Sie sollen bei der Attacke eine sogenannte Ransomware an die Systemen der Firma verschickt haben. Das ist eine Schadsoftware, die Computer blockieren und Dateien verschlüsseln kann.
Die Software kann sich rasend schnell verbreiten und so Daten blockieren, bis ein Lösegeld zum Entsperren gezahlt wird. Laut Angaben des Kölner Stadt-Anzeigers sollen beim Angriff alle Drucker der Fabrik Erpresserschreiben ausgespuckt haben.
Unsere Quellen:
- Bürgermeister Sacha Reichelt
- Insolvenzverwalter Dr. Dirk Wegener
- WDR-Reporterin vor Ort