In Familie Hannans "Kirchererbse" in Bonn ist fast alles selbstgemacht
Schmuddelecke in Bonn: Wie sich ein Imbissbetreiber hier durchgesetzt hat
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Seit sieben Jahren betreiben Paimann und Jasmin Hannan einen Imbiss in einer Unterführung am Bonner Hauptbahnhof. Sie verkaufen nicht nur Falafel, sondern sorgen auch für Ordnung und Sauberkeit. Aber wie lange gibt es die "Kichererbse" noch?
Für Paimann Hannan ist es ein alltägliches Ritual geworden. Wenn er morgens um halb acht mit der Arbeit anfängt, schnappt er sich erst einmal den Besen. "Ich kehre schnell und dann geben wir wieder Gas heute", sagt der 50-Jährige zu seiner Frau Jasmin. Mit ordentlich Schwung schiebt er Müll und Dreck zusammen. Und muss mit einem Eimer Wasser auch Unappetitliches wegspülen: "Da hat uns jemand ein kleines Häufchen dagelassen."
Erst danach können die beiden mit dem Appetitlichen anfangen, ihrer eigentlichen Arbeit. Hannan und seine Frau betreiben seit sieben Jahren am Hauptbahnhof in Bonn den Falafel-Imbiss "Kichererbse". Er liegt in der schmalen, schummrigen Unterführung zwischen Kaiserplatz und Poppelsdorfer Allee. Kein schöner Ort. Trotzdem ist sein Laden mittlerweile "eine Institution in dieser Stadt", sagt Hannan stolz.
Worauf Imbisschef Paimann Hannan besonders stolz ist
00:31 Min.. Verfügbar bis 02.07.2027.
Selber machen. Das gilt nicht nur für das Saubermachen jeden Morgen. Vormittags schneiden die beiden frisches Gemüse: Gurke, Paprika, Zucchini und Aubergine. Das alles brauchen sie für ihr "Magali" - gegrilltes Gemüse. Und sie machen Teig für ihre Falafel. Die nennt Hannan "unser braunes Gold". Kichererbsen und Gewürze kommen rein. Außerdem eine besondere Zutat: "Das Geheimnis ist Liebe", sagt seine Frau und lacht.
Imbiss setzt sich in schwieriger Lage durch
Paimann Hannan hat das Kochen von seinem Vater gelernt. Auch der hatte Imbiss-Läden. "Wenn meine Freunde in die Jugenddisco gegangen sind, musste ich arbeiten gehen", sagt er. Und sein Vater hat ihm auch eine Prophezeiung mit auf den Weg gegeben: "Eines Tages wirst du so deine Familie ernähren", hat er ihm gesagt.
Doch erst einmal sieht es nicht danach aus. Hannan macht eine Lehre im Einzelhandel, geht zur Bundeswehr, macht eine zweite Lehre als Fassadenreiniger. Ein Betriebsunfall bringt Unruhe in seinen Lebensweg. Schließlich öffnet Hannan vor sieben Jahren die "Kichererbse" und macht damit die Prophezeiung seines Vaters wahr.
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Vor allem der Start ist aber sehr schwer. Vor dem Imbiss war in dem kleinen Raum in der Unterführung ein Kiosk. "Der hat echt gut Geld verdient mit Oettinger", sagt Hannan. Ein paar Meter weiter ist eine Suchtberatungsstelle. Die Unterführung mit den vielen Plakaten an den Wänden ist einer ihrer Treffpunkte. Vor allem die ersten beiden Jahre sind hart. Hannan und seine Familie tun alles dafür, dass aus der schmuddeligen Unterführung ein sauberer Ort wird. Dann kommt plötzlich der Erfolg: Ein Influencer isst bei der "Kichererbse" und empfiehlt den Laden. "Von heute auf morgen doppelter Umsatz", sagt Hannan.
Ungewisse Zukunft für den Imbiss
Doch wie lange das noch so geht, ist ungewiss. Am anderen Ende der Unterführung sind zwei kleine Lagerräume. Die mietet Hannan seit sechs Jahren von der Deutschen Bahn. In einem lagert er Getränke, Pommes und vorgeschnittenes Gemüse. Der Imbiss selbst hat kein Lager. Wenn also etwas zur Neige geht, holt Hannan es aus dem Raum ein paar Meter weiter.
Warum das Lager so wichtig für den Imbiss ist
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Den zweiten Lagerraum wollte Hannan eigentlich renovieren und zu einem kleinen Café machen. Doch da ist ihm die Bahn dazwischengefahren. Mehr noch: Sie hat ihm beide Lagerräume gekündigt. "Eine weitere Vermietung ist nicht vorgesehen, da die Fläche unterhalb der Brücke zukünftig frei sein soll von technischen Anlagen Dritter", schreibt die Bahn dazu.
Ende September soll Hannan die Lager räumen. Den Imbiss selbst kann er behalten, denn diesen Raum vermietet die Stadt. Doch ohne Lager wird es eng. "Mein Wachstum basiert auf den beiden Lagern", sagt der Imbissbesitzer. Jahrelang hat er hier für den Imbiss gekämpft und geputzt. "Ich bin stolz, dass ich mich in der No-Go-Area durchgesetzt habe", sagt er. Und die Suche scheint schon Erfolg gehabt zu haben: Ein Anwohner hat vom drohenden Aus der Kichererbse erfahren und Hannan einen Lagerraum zur Miete angeboten.
Über das Thema haben wir am 03.06.2025 auch im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit aus Bonn, 19.30 Uhr.