Mann wollte Frau mit Giftspritze töten
WDR. 02:34 Min.. Verfügbar bis 03.06.2028.
Es ist ein ungewöhnlicher Fall, den es so am Landgericht Paderborn auch noch nie gegeben habe, sagte der Vorsitzende Richter Eric Schülke. Die Tat könne auch Stoff eines Horrorfilms sein.
Giftspritze als Tatwaffe
Ausgangspunkt ist die gescheiterte Ehe zwischen dem 41-jährigen angeklagten Landwirt und seiner fünf Jahre jüngeren Frau. Das Paar hat zwei gemeinsame Söhne (fünf und sieben Jahre alt).
Am 11. November 2025 sollte es bei einem Termin im Jugendamt um die Unterhaltszahlung gehen. Die Ehefrau war bereits vor Monaten mit den Kindern ausgezogen. Dennoch bot sie ihrem Ehemann an, ihn abzuholen. Bevor er ins Auto stieg, ging er auf seinem Bauernhof in einen Schuppen, griff sich eine sogenannte Revolverspritze, befüllte sie mit einem Pflanzengift und steckte sie in seinen Rucksack. Das gab er vor Gericht zu.
Streit um Unterhalt
Das Paar fuhr zum Paderborner Jugendamt, dort kam es jedoch nicht zu einer Einigung. Auf dem Rückweg griff der Angeklagte seiner Frau ins Lenkrad, zwang sie so zum Anhalten. Es kam zum Streit, er holte die Spritze raus. Sie wehrte sich, doch er stach zu. Sie konnte trotzdem fliehen, schrie laut um Hilfe und brach dann zusammen.
Der Ehemann wollte seine Frau mit einer Revolverspritze wie dieser töten.
Sie konnte nicht mehr sprechen, sie war gelähmt, ihre Atmung setzte aus. Was um sie herum geschah, bekam sie aber trotzdem mit.
Spaziergängerin rettete Leben
Den Hilfeschrei hörte eine Nachbarin, die mit ihrem Hund unterwegs war. Sie erkannte die Notsituation, leistete Erste Hilfe und verständigte den Rettungsdienst. Nur deshalb überlebte die Ehefrau am Ende.
Während der Rettungsmaßnahmen schwieg der Ehemann. Er sagte nicht was geschehen war, auch nicht, dass seine Frau vergiftet war. Die Frau fiel im Krankenhaus ins Koma, die Ärzte standen vor einem Rätsel. Fünf Stunden später erwachte sie aus dem Koma, war wieder in der Lage zu sprechen und erzählte alles. Ihr Mann wurde festgenommen.
Mordversuch für Richter erwiesen
Der Angeklagte bestritt bis zuletzt, dass er seine Frau töten wollte. Auch seine Verteidiger plädierten auf ein mildes Urteil. Schließlich habe ihr Mandant ja bei den Erste-Hilfe-Maßnahmen geholfen, als die Nachbarin eingetroffen war. Die Richter glaubten das jedoch nicht. Einige Indizien würden dagegen sprechen.
So soll er beispielsweise nach dem Hilferuf seiner Frau gesagt haben: "Schrei ruhig, hier hört dich eh keiner". Als das Gift wirkte, habe er ihre blauen Lippen gesehen, auch bemerkt, dass sie nicht mehr atmete und unternahm nichts. Zudem verschwieg er schließlich dem Notarzt das Gift.
Ehefrau leidet bis heute
Gesundheitlich geht es der 36-jährigen Frau wieder recht gut. Doch niemand könne sagen, ob das auch so bleibt, sagte ihre Anwältin Ruth Kanzlsperger dem WDR.
Ruth Kanzlsperger, Nebenklagevertreterin
Ihre Mandantin lebe also in völliger Ungewissheit weiter. Darüber hinaus leide sie psychisch enorm unter den Erlebnissen. Auch den Söhnen ginge es mit der Gesamtsituation natürlich nicht gut. Mit dem Urteil hofften nun Mutter und Kinder, dass ein wenig Ruhe in ihr Leben zurückkehre.
Unsere Quellen:
- Vorsitzender Richter Eric Schülke
- Anwältin Ruth Kanzlsperger
- Beobachtungen des WDR-Reporters im Landgericht Paderborn
Sendung: WDR 2 Ostwestfalen-Lippe, Lokalzeit, 03.06.2026, 13:31 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit OWL, 03.06.2026, 19:30 Uhr
