Mordanschlag mit Giftspritze
WDR. 02:38 Min.. Verfügbar bis 21.04.2028.
Am Landgericht Paderborn beginnt am Vormittag ein außergewöhnlicher Mordprozess. Angeklagt ist ein 41-jähriger Mann, der laut Anklage seine Ehefrau töten wollte: Mit einem Pflanzenschutzmittel in einer Spritze. Die habe er auf der Rückfahrt eines gemeinsamen Termins aus seinem Rucksack gezogen und ihr injiziert. Obwohl sich seine 36-jährige Frau heftig gewehrt habe, sei es ihm gelungen, die Spritze in ihren Oberschenkel zu rammen.
Zeugin rettet Leben
Eine Passantin war am 11.11.2025 gegen 10:30 Uhr durch einen Schrei auf die Situation aufmerksam geworden. Sie beobachtete, wie ein Mann versuchte eine leblose Frau auf den Beifahrersitz eines Autos zu wuchten. Die Zeugin ahnte nichts von dem Verbrechen und ging von einer Notlage aus. Sie leistete sofort Erste Hilfe, rief den Notruf, begann mit einer Herz-Druck-Massage und beatmete die leblose Frau bis zum Eintreffen der Rettungskräfte.
Später erhielt sie für ihr couragiertes Handeln vom Landrat des Kreises Paderborn und der Polizei eine Auszeichnung. Die Lebensretterin wird am zweiten Verhandlungstag vor Gericht als Zeugin aussagen. Ansonsten meidet sie die Öffentlichkeit.
Zustand im Krankenhaus stabilisiert
Mit so einer Spritze habe der Mann seine Frau vergiften wollen.
Nach der notfallmedizinischen Versorgung in einem Paderborner Krankenhaus stabilisierte sich der Gesundheitszustand der 36-Jährigen. Schon am Nachmittag war sie wieder ansprechbar. Sie erzählte, dass ihr Mann ihr mit einer Spritze eine unbekannte Substanz verabreicht habe. Ein toxikologisches Gutachten identifizierte diese Substanz später als das Pflanzenschutzmittel "Stabilan CCC 720".
Ehemann in U-Haft
Der Ehemann wurde noch am 11.11.2025 festgenommen und am Tag drauf einem Haftrichter vorgeführt. Der erließ einen Untersuchungshaftbefehl wegen versuchten Mordes. Als Mordmerkmale werden Heimtücke und Habgier angenommen. Nun äußerte sich vor dem Landgericht erst der Angeklagte und anschließend die Ehefrau als Nebenklägerin. Das Landgericht Paderborn hat zunächst sieben Verhandlungstermine bis zum 03.06.2026 angesetzt.
Streit ums Sorgerecht
Am ersten Verhandlungstag bestätigt der Angeklagte, seiner Frau das Gift gespritzt zu haben, töten habe er sie nicht gewollt. Das Paar lebte getrennt. Auf einer Rückfahrt vom Jugendamt sei es zu einem heftigen Streit zwischen ihm und seiner Frau gekommen, bei dem es um Unterhaltszahlungen und Besuchsregeln ging. Nachdem es zu keiner Einigung kam, habe der Mann ins Lenkrad gegriffen, sodass die Frau anhalten musste.
Angeklagter ist Landwirt
Es kam zu einem Gerangel und bevor die Frau aus dem Auto flüchten konnte, rammte er ihr die Giftspritze in den rechten Oberschenkel. Ihre Atmung setzte aus, sie war gelähmt und wurde bewusstlos. Der Angeklagte ist Landwirt und ist damit im Besitz des Pflanzenschutzmittels auf seinem Hof gewesen. Vor Gericht bestätigt er, dass er die Spritze damit befüllt habe. Eine Tötungsabsicht bestreitet er jedoch.
Unsere Quellen:
- Pressemitteilung Staatsanwaltschaft Paderborn
- Pressemitteilung Polizeipräsidium Bielefeld
- Pressemitteilung Kreispolizei Paderborn
- Pressemitteilung Landgericht Paderborn
- Gespräch mit Strafverteidigerin Lena Holtkötter
Sendung: WDR 2 Ostwestfalen-Lippe, Lokalzeit, 21.04.2026, 15.31 Uhr
Sendung: WDR.de, Mordanschlag mit Giftspritze: Prozessstart in Paderborn, 21.04.2026, 05:58 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit OWL, 21.04.2026, 19:30 Uhr
