Angeklagter gesteht Messerattacke in Lemgoer Supermarkt
WDR. 01:37 Min.. Verfügbar bis 11.03.2027.
Vor dem Landgericht Detmold sagte der Mann, er wolle die volle Verantwortung für die Tat übernehmen. Er habe sich durch das Opfer und seine Freunde beleidigt gefühlt, habe das Gefühl gehabt, dass die sich über ihn lustig gemacht hätten. Daraufhin sei er in seine nur wenige Minuten entfernte Wohnung gegangen, habe ein Küchenmesser geholt und sei zurück zum Supermarkt gegangen.
Mit dem Messer in der Hand traf er auf die Jugendlichen. Das spätere Opfer schubste den Angeklagten von sich und seinen Freunden weg und flüchtete in den Supermarkt. Im Kassenbereich rutschte der 16-Jährige aus, das nutzte der 33 Jahre alte Angeklagte aus und stach ihm mit dem Messer erst in die Brust und dann in den Kopf.
Großes Interesse an dem Prozess
Überwachungsvideos von dem Supermarkt belegen die Geschehnisse vom 20. Oktober 2025. Und auch einige Zeugen, die heute ausgesagt haben, bestätigen den Tatverlauf. Vor allem bei den Mitarbeitenden des Supermarktes merkt man, wie psychisch belastend die Tat für sie gewesen sein muss.
Die Eltern des 16-Jährigen beim Prozessauftakt.
Der Gerichtssaal war voll am heutigen Donnerstag. Neben Angehörigen des Opfers waren auch viele Pressevertreter vor Ort.
Angeklagter soll psychisch krank und drogenabhängig sein
Eine wichtige Frage, die das Gericht noch klären muss, ist, ob der Angeklagte zum Tatzeitpunkt schuldfähig war. Er selbst sagte aus, dass er seit seinem 14. Lebensjahr an Schizophrenie leide. Dazu komme eine Drogenabhängigkeit.
Der Tatort: Ein Supermarkt in Lemgo.
Sein Verteidiger sagte im Gespräch, dass der Angeklagte am Tattag Amphetamine genommen habe, aber kein Cannabis konsumiert habe, wie er es sonst gemacht habe. Dieser fehlende Cannabiskonsum habe Wutgefühle bei dem 33 Jahre alten Mann ausgelöst, die in der Messerattacke gipfelten.
"Im Hinblick auf das Opfer muss man einfach sagen: Zur falschen Zeit, am falschen Ort gewesen. Es bestanden keine persönlichen Aversionen oder sonstigen Motive, die Tat kann man sich nur schwer erklären." Strafverteidiger Helmut Wöhler
Er sagt aber auch, dass solch ein Fall kein Einzelfall ist und schon mehrfach in Deutschland vorgekommen sei. Die Kombination einer psychischen Erkrankung und Drogenkonsum sei ein "tödlicher Cocktail".
Prozess wird nächste Woche fortgesetzt
Eine Blutprobe des Angeklagten, die ihm kurz nach der Tat entnommen wurde, belegt, dass der Angeklagte unter massivem Drogeneinfluss stand.
Nächste Woche soll der psychologische Gutachter Auskunft darüber geben, ob der Angeklagte schuldfähig ist. Es wird auch noch darum gehen, ob das Gericht die Mordmerkmale erfüllt sieht oder ob die Anklage auf Totschlag reduziert wird.
Und auch die beiden Jugendlichen, die mit dem Opfer an dem Tag unterwegs waren, sollen noch aussagen. Eventuell kann das Gericht dann auch schon ein Urteil sprechen.
Große Anteilnahme nach der Tat
Vor dem Supermarkt zeigten viele Lemgoer ihre Anteilnahme.
Die Tat erschütterte viele Lemgoerinnen und Lemgoer. Noch viele Tage nach der Tat erinnerten Blumen, Kerzen und Fotos vor dem Supermarkt an den 16 Jahre alten Jugendlichen. Die Anteilnahme war groß. Ein Spendenaufruf für die Familie des Getöteten erreichte innerhalb weniger Tage über 130.000 Euro.
Unsere Quellen:
- Landgericht Detmold
- Anwalt des Angeklagten Helmut Wöhler
- Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit OWL, 19.03.2026, 19;30 Uhr
Sendung: WDR 2 Ostwestfalen-Lippe, Lokalzeit, 19.03.2026, 13:31 Uhr
