Der Tag der Bundeswehr Höxter | Aktuelle Stunde
Aktuelle Stunde . 06.06.2026. 22:45 Min.. UT. Verfügbar bis 06.06.2028. WDR. Von Oliver Köhler.
Es ist zwar erst 9 Uhr, doch schon tummeln sich tausende Menschen am Floßplatz, dem Übungsgelände des ABC-Abwehrregiments 7 an der Weser in Höxter. Begrüßungsworte werden gesprochen und auf der Bühne erfolgreiche Bob-Fahrerinnen interviewt.
Ja, auch das ist die Bundeswehr. Aktuelle Olympiasiegerinnen, die in der Sportfördergruppe der Streitkräfte ihr Geld verdienen. Die Bundeswehr nutzt den Tag, um für sich die Werbetrommel zu rühren.
Blick hinter Kulissen
Auf der Weser wird es wenig später spektakulär. Es wird eine Geiselnahme simuliert. Vermummte und schwer bewaffnete Männer haben das Ausflugsschiff "Höxter" in ihre Gewalt gebracht. Sie zeigen sich an Deck und fuchteln mit ihren Gewehren. Dann ohrenbetäubender Lärm: Ein Hubschrauber nähert sich dem Schiff. Augenscheinlich, um zu erkunden.
Die Männer an Bord fangen an, zu schießen, der Hubschrauber entfernt sich. Im gleichen Moment rasen zwei Motorboote mit Spezialkräften der Bundeswehr heran. Ihnen gelingt es, an Bord des Ausflugsschifffes zu gehen und die Geiselnehmer zu überwältigen.
Es ist zwar alles nur eine Simulation, wirkt aber verdammt echt. Auch, weil viele Platzpatronen knallen. Die Botschaft dieser Übung: Die Bundeswehr ist in der Lage auch solche Situationen "in den Griff" zu bekommen. Im Inland zwar aufgrund der Verfassung nicht denkbar, aber bei Auslandseinsätzen durchaus vorstellbar.
Besucher beeindruckt
Familie Dieckmann aus Detmold findet den Tag der Bundeswehr richtig gut.
Familie Dieckmann aus Detmold steht am Ufer und staunt über die Vorführung. Jessica und Markus sind mit ihren Kindern Marlene und Henrik gekommen. Sie wollen einen spannenden Tag erleben, sich aber auch informieren. Jessica, die Mutter, hatte ein mulmiges Gefühl, als die so realistisch wirkenden Schüsse fielen.
"Am Anfang dachte ich schon, dass mir das Angst macht. Aber, die sollen uns ja beschützen." Jessica Dieckmann, Mutter von zwei Kindern
Ihr 10-jähriger Sohn Henrik hat auch Angst vor Krieg. Der könne ja vielleicht irgendwann mal passieren hier bei uns, sagt er.
"Deshalb finde ich es schon cool, zu sehen, wie gut die Soldaten ausgerüstet sind und sich verteidigen können." Henrik Dieckmann, 10 Jahre alt
Sein Papa Markus war selbst bei der Bundeswehr in Höxter. Das ist 16 Jahre her. Jetzt will er wissen, wie sich die Truppe weiterentwickelt hat. Aus seiner Sicht sollten solche Tage öfter stattfinden. Die Bundeswehr habe sich in den zurückliegenden Jahren zu sehr versteckt vor der Öffentlichkeit.
"Ich finde es wichtig, dass die Soldaten merken, dass ein Großteil der Bevölkerung hinter ihnen steht. Es sollten Berührungsängste abgebaut werden." Markus Diekmann, ehemaliger Zeitsoldat
Die Nachbarschaft entdecken
Ein paar Meter weiter stehen Ralf und Christina Becker. Das Ehepaar kommt aus Höxter und nutzt die Gelegenheit, um sich mal auf dem Militärareal umzuschauen. Sonst ist es ja gesperrt.
Das Ehepaar Becker lebt in Höxter und nutzt die Gelegenheit, um sich mal auf dem Militärgelände umzusehen.
Ralf Becker meint, dass so ein Tag überfällig war. Denn gerade in unruhigen Zeiten wie diesen sollte sich die Truppe der Bevölkerung zeigen und es solle mehr über die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands gesprochen werden. Seine Frau ist vor allem beeindruckt von der perfekten Organisation des Tages.
"Die gezeigten gepanzerten Fahrzeuge bereiten mir Angst. Aber sie beruhigen mich auch gleichzeitig. Da fühle ich mich doch irgendwie beschützt." Christina Becker, Besucherin aus Höxter
Transparenz schaffen und Nachwuchs gewinnen
Genau darum geht es der Truppe beim "Tag der Bundeswehr": Ins Gespräch kommen mit der Bevölkerung. Auch in der Hoffnung, dass sich junge Menschen vielleicht auch für die Bundeswehr als Arbeitgeber entscheiden.
Großer Andrang: 20.000 Menschen werden beim Tag der Bundeswehr in Höxter erwartet.
Das Interesse am heutigen Tag ist jedenfalls riesig: In Höxter wurden 20.000 Menschen erwartet. Zur Mittagszeit werden auf dem weitläufigen Gelände schon 22.000 gezählt. Alle staunen, wenn Kampfflugzeuge über ihre Köpfe hinweg donnern oder Pioniere eine schwimmende Brücke auf der Weser bauen. Und weil der Andrang so groß ist, wird sogar die obligatorische Erbsensuppe schon gegen 14 Uhr knapp. Die Schlange am Küchenpavillion will einfach nicht enden.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen des WDR Reporters vor Ort
- ABC-Abwehrregiment 7 der Bundeswehr in Höxter
- Gespräche mit Besuchern vor Ort
Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 06.06.2026, 16:00 Uhr
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