Warum die Bundeswehr Imame sucht

WDR 01:35 Min. Verfügbar bis 05.06.2028

Kölner Soldatin erklärt Warum die Bundeswehr jetzt Imame sucht

Stand:

Die Bundeswehr will künftig eine muslimische Militärseelsorge anbieten. Die Kölner Soldatin K. ist glücklich über den Schritt.

Es ist Vormittag in der Kaserne Köln-Wahn. Soldatinnen und Soldaten laufen über das Gelände, Fahrzeuge fahren ein und aus. Für Stabsunteroffizierin K. ist das Alltag. Seit 2012 dient die Kölnerin bei der Bundeswehr. Wenn sie über ihren Beruf spricht, merkt man schnell, wie gern sie Soldatin ist. Schon als Jugendliche wollte sie einen Beruf in Uniform ausüben.

"Ich habe mir damals nach der Schule die Polizei angeschaut, die Feuerwehr und zuletzt dann die Bundeswehr. Dann bin ich zum Tag der offenen Tür gegangen, saß fünf Minuten da, war überzeugt und habe mich dann direkt gemeldet", erzählt sie. Heute arbeitet sie bei der Luftwaffe. Doch wenn sie von ihrem Alltag spricht, kommt sie schnell auf ein Thema, das ihr wichtig ist: Militärseelsorge.

Kölner Soldatin über: "Belastungen aus Dienst und Einsatz"

"Militärische Seelsorge finde ich generell sehr wichtig. Gerade für uns Soldaten, weil einige von uns sehr viel erleben, auch im Einsatz”, sagt K. Die Soldatin K. ist Muslima. Ihren vollen Namen nennen wir auf Wunsch der Bundeswehr nicht. K. hat selbst bereits mehrmals das Angebot der evangelischen Seelsorge in Anspruch genommen. Gleichzeitig wünscht sie sich ein vergleichbares Angebot für muslimische Soldatinnen und Soldaten.

"Eine muslimische Seelsorge für uns muslimische Soldaten wäre vielleicht so einen kleinen Ticken besser, weil die Person auch unsere Kultur besser versteht." Stabsunteroffizierin K. aus Köln

Für K. könnte eine muslimische Seelsorge manches leichter machen. Vor allem, weil die Seelsorgerinnen oder Seelsorger dann ihre kulturellen und religiösen Erfahrungen besser nachvollziehen könnten.

Bundeswehr: Immer mehr muslimische Soldaten

Laut der Bundeswehr dienen derzeit etwa 3.000 Musliminnen und Muslime bei der Bundeswehr. Militärseelsorge gehört schon seit Jahrzehnten zu den Streitkräften. Für evangelische und katholische Soldatinnen und Soldaten gibt es sie bereits seit den 1950er-Jahren. Für jüdische Soldatinnen und Soldaten wurde 2021 wieder ein eigenes Militärrabbinat aufgebaut.

Für muslimische Angehörige der Bundeswehr fehlt ein solches Angebot bislang. Das soll sich nun ändern. Die Bundeswehr hat erstmals eine Stelle für einen muslimischen Seelsorger ausgeschrieben. Die ersten Imame sollen zunächst an Standorten in Deutschland eingesetzt werden und dort Soldatinnen und Soldaten begleiten.

Ein Zeichen der Anerkennung

Wie wichtig Seelsorge im Alltag vieler Soldatinnen und Soldaten ist, erlebt auch Michael Rohde. Seit 2008 arbeitet er als evangelischer Militärseelsorger bei der Bundeswehr. "Von meiner Seite aus kommt Religion nur dann ins Spiel, wenn ich meine, dass es etwas mit dem Problem zu tun hat", sagt er. Oft gehe es um Schuldgefühle, familiäre Belastungen oder schwierige Erfahrungen im Dienst.

Dr. Thorsten Weber, Referatsleiter für Militärseelsorge, im Gespräch mit Soldatin K.

Dr. Thorsten Weber, Referatsleiter für Militärseelsorge, im Gespräch mit Soldatin K.

Dass die Bundeswehr nun muslimische Seelsorger sucht, hat auch mit der wachsenden Vielfalt innerhalb der Truppe zu tun. "Es ist ein Ausdruck der Vielfalt und auch ein Ausdruck der Wertschätzung für Soldatinnen und Soldaten muslimischen Glaubens", sagt Dr. Thorsten Weber, Referatsleiter für Militärseelsorge.

Öffentliche Ausschreibung statt Staatsvertrag

Lange galt die Einführung einer muslimischen Militärseelsorge als schwierig. Anders als die christlichen Kirchen oder der Zentralrat der Juden gibt es in Deutschland keine zentrale muslimische Organisation, die für alle Gläubigen spricht. Deshalb kann die Bundeswehr keinen Staatsvertrag abschließen, wie er bei der christlichen und jüdischen Militärseelsorge besteht.

Stattdessen setzt sie nun auf ein Pilotprojekt und eine öffentliche Ausschreibung. Gesucht werden Menschen mit islamwissenschaftlicher Ausbildung und Erfahrung in der Seelsorge – beispielsweise aus Krankenhäusern, Gefängnissen oder von der Polizei.

Mehr als nur ein neues Angebot

"Ich glaube, wir würden uns einfach viel besser fühlen, wenn auch für uns etwas da ist, wo wir uns anvertrauen können." Für K. wäre die muslimische Militärseelsorge deshalb mehr als ein neues Angebot. Sie wäre ein Zeichen dafür, dass Menschen wie sie längst selbstverständlich zur Bundeswehr gehören.

Unsere Quellen:

  • Beobachtungen und Gespräche der Reporterin vor Ort
  • Bundeswehr

Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell , 05.06.2026, 18.00 Uhr

Weitere Beiträge aus Köln

1 / 2