Es wird still im kleinen Saal des A2-Forums in Rheda-Wiedenbrück als Generalvikar Michael Bredeck das Wort ergreift. Noch ein Mal fasst er die Ergebnisse der unabhängigen Studie der Universität Paderborn zusammen.
Die hatte ergeben, dass weit mehr Kindern im Erzbistum sexualisierte Gewalt von Geistlichen angetan wurde, als bisher bekannt. Erneut spricht der Generalvikar von „strukturellem Versagen“ in der katholischen Kirche.
Erst lange Statements, dann Fragen
Reinhold Harnisch ist als Kind missbraucht worden
Es folgen längere Statement von Erzbischof Udo Markus Bentz und Reinhold Harnisch, dem Sprecher der Betroffenenvertretung im Erzbistum Paderborn. Eindrucksvoll und sehr persönlich schildert er, wie sehr nicht nur der Missbrauch selbst, sondern auch der Umgang der katholischen Kirche damit ihn belastet hat. Immer wieder gibt es spontanen Applaus für seine Worte.
„Die Traumata bei vielen halten bis heute an.“ Reinhold Harnisch, Sprecher der Paderborner Betroffenenvertretung
Fragen zu Prävention und Anonymisierung
Als der Moderator des Abends die Fragerunde schließlich eröffnet, sind schon 90 Minuten vergangen, es ist bereits halb zehn.
Was die katholische Kirche mittlerweile für Prävention und Kinderschutz tut, wollen einige wissen. Was heute mit den Kirchenmitarbeitern ist, die in der Vergangenheit mutmaßlich vertuscht haben, fragt ein anderer. Warum Beschuldigte nicht beim Namen genannt, sondern in der Studie meist anonymisiert werden, will jemand wissen.
Gast findet Antworten zu lang
Rund 150 Menschen sind gekommen
Ausführlich antworten Erzbischof, Generalvikar und Interventionsbeauftragter des Bistums und der Sprecher der Betroffenenvertretung auf die verschiedenen Fragen. So ausführlich, dass einem Mann in der letzten Reihe schließlich der Kragen platzt. Eine Hinhaltetaktik und weitere Vertuschung durch zu lange Antworten, wirft er den Herren auf dem Podium vor.
Ansonsten ist die Stimmung in Rheda-Wiedenbrück überwiegend wohlwollend. Dass die Kirche endlich in den Dialog geht, schätzen viele im Publikum, auch wenn nach einer Stunde Fragerunde längst nicht alle Fragen beantwortet sind.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporter vor Ort
Sendung: WDR 2 Ostwestfalen-Lippe, Lokalzeit, 18.03.2026, 06:31 Uhr