Fast 500 Kinder und Jugendliche im Erzbistum Paderborn missbraucht
03:16 Min.. Verfügbar bis 12.03.2028.
Fast 500 Kinder und Jugendliche im Erzbistum Paderborn missbraucht
Stand:
Eine Studie deckt Missbrauchsfälle aus den Jahren 1941 bis 2002 auf. Mehr als 200 Geistliche haben sich an 489 Opfern vergangen. Der Sprecher einer Betroffenenvertretung äußerte den Vorwurf, dass ein ehemaliger Erzbischof mutmaßlich sexualisierte Gewalt einem minderjährigen Jungen angetan habe. Das erfuhr der WDR exklusiv.
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Jetzt mitdiskutierenAls Prof. Dr. Nicole Priesching bei der Pressekonferenz ein Interview mit einem Betroffenen schildert, wird es still. Sie erzählt, dass ein Betroffener ihr in einem Interview sagte, dass er anfing zu weinen und zu schreien, als ein Geistlicher vor ihm mastubierte.
Deutlich mehr Täter und Opfer als bisher bekannt
Die Zahlen der Betroffenen und Täter sind deutlich höher als bisher angenommen. In der Zeit von 1941 bis 2002 gibt es Hinweise auf 210 Geistliche, die sich an Kindern vergangen haben. 489 Missbrauchsopfer konnte die Studie ausmachen. "Das Dunkelfeld dürfte aber nochmal größer sein", sagt Priesching, weil sich wahrscheinlich nicht alle bei ihnen gemeldet haben.
Für die Studie hatten die Forschenden uneingeschränkten Zugang zu Kirchenakten und haben zahlreiche Interviews mit Betroffenen, Angehörigen und kirchlichen Mitarbeitern geführt. In der Studie wurden die Namen der Täter anonymisiert.
Kindern wurde nicht geglaubt und der Ruf der Priester geschützt
Dass es in den Amtszeiten von Jaeger und Degenhardt oft gar nicht erst zur Strafverfolgung gekommen ist, liege laut den Wissenschaftlerinnen nicht nur an untätigen Erzbischöfen. Die Kinder hätten oft gar nicht begriffen, was mit ihnen passiert sei und ihnen wurde wohl auch oft nicht geglaubt.
Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz neben der Studienleiterin Prof. Dr. Nicole Priesching.
Es habe zwar zahlreiche Meldungen an die Erzbischöfe Jaeger und Degenhardt gegeben. Die Geistlichen seien allerdings nur innerkirchlich bestraft worden, zum Beispiel durch Versetzungen. Degenhardt hätte außerdem oft Druck auf Betroffene und Familien ausgeübt, um Anzeigen zu verhindern. "Diese Vertuschungsspirale sorgte dafür, dass Täter ungestraft weitermachen konnten", sagt Priesching weiter.
Betroffenenvertretung: Schwere Vorwürfe gegen ehemaligen Paderborner Erzbischof
Kardinal Johannes Joachim Degenhardt ist bereits 2002 gestorben.
Der Sprecher der Betroffenenvertretung, Reinhold Harnisch, hatte vor Veröffentlichung der Studie gegenüber dem WDR mitgeteilt, dass es laut ihm weitere Vorwürfe gegen den verstorbenen Kardinal Degenhardt gäbe. Schon mehrmals wurden Vorwürfe gegen Degenhardt erhoben. Diese wurden im Oktober 2025 von externen Sachverständigen als nicht plausibel eingeordnet.
In die nun veröffentlichte Studie sind diese Vorwürfe nicht eingeflossen. Das Erzbistum Paderborn erklärte in einer Stellungnahme, dass sie die durch den Sprecher der Betroffenenvertretung neu erhobenen Vorwürfe nun prüfen wollen.
Johannes Joachim Degenhardt leitete das Erzbistum Paderborn von 1974 bis zu seinem Tod 2002. Ein Jahr zuvor wurde er von Papst Johannes Paul II. zum Kardinal erhoben.
Zweiter Teil der Missbrauchsstudie im nächsten Jahr
Die heute veröffentlichte Studie deckt nur den Zeitraum zwischen 1941 bis 2002 ab. Ein zweiter Teil der Studie, der die Amtszeit von Erzbischof Hans-Josef Becker von 2003 bis 2023 abbildet, soll im nächsten Jahr veröffentlicht werden. Mögliche Taten aus der Zeit wären dann noch nicht verjährt.
Fast 500 Kinder und Jugendliche im Erzbistum Paderborn missbraucht
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Redaktioneller Hinweis: In einer zwischenzeitlich online gestellten Version dieses Textes fehlte die Passage, dass es vom Sprecher der Betroffenenvertretung, Reinhold Harnisch, Vorwürfe gegen den verstorbenen Kardinal Degenhardt gegeben hat. Diese haben wir nun wieder ergänzt.
Unsere Quellen:
- Pressekonferenz der Universität Paderborn
- Unabhängige Betroffenenvertretung Paderborn
- Gespräche des WDR-Reporters vor Ort
- Erzbistum Paderborn
Sendung: WDR 2 Ostwestfalen-Lippe, Lokalzeit, 12.03.2026, 10:31 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, WDR Aktuell, 12.03.2026, 16:00 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit OWL, 12.03.2026,19:30 Uhr
52 Kommentare
Kommentar 52: LUERCHI schreibt am 14.03.2026, 18:24 Uhr :
ENDLICH WIRD DAS THEMA,AN DIE ÖFFENTLICH DURCH DIE STUDIE,SCHONUNGSLOS GEBRACHT. TATER WAREN NICHT NUR PRIESTER UND DIE HOHEN HERREN DER KATHOLISCHEN KIRCHEN. IN EINIGEN FALLE AUCH RELIGIONSLEHRER,AN DEN SCHULEN UND BEDIENSTETEN DER KATHOLISCHE KIRCHE. LEIDER KONNEN DIE MEISTEN TATER FUR IHRE MISSBRAUCH NICHT MEHR BELANGT WERDEN......
Kommentar 51: Freigeist schreibt am 14.03.2026, 17:57 Uhr :
Wie kann sexuelle Gewalt jemals verjähren? Die Traumata der Opfer verjähren doch auch nicht. Es ist eine Schande, dass dieses Thema, obwohl schon so lange bekannt nicht wirklich verfolgt und die pädophilen Täter schwer dafür bestraft werden. Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Wie tief der Sumpf wirklich ist, übersteigt unsere Fantasie, nur die Spitze des Eisberges kommt ans Licht, jetzt, da die Epstein Akten öffentlich gemacht worden sind.
Kommentar 50: Pax & Poritz schreibt am 13.03.2026, 23:53 Uhr :
Um Mitternacht kommt auf WDR wieder die blasphemische Shesus Kebekus. Shesus ist eine Kreuzung aus Bankkaufmann und Sozialpädagogin. Für heute ist unser Dienst im Seniorenheim beendet, die Sleeptimer sind richtig eingestellt und niemand muss unfreiwillig dieses Format schauen. Kebekus, dein feiger Gratismut kotzt uns an !!! Ein Hoch auf alle, die im christlichen Glauben noch Hoffnung schöpfen können.
Kommentar 49: Janz-Anonym schreibt am 13.03.2026, 21:52 Uhr :
Es ist unerträglich, dass von diesen Verbrechern niemand vor einem weltlichen Gericht belangt wird! Das muss geändert werden! Ansonsten ist irgendwann der ganze katholische Verein nicht mehr zumutbar für unser Stadtbild - nicht wahr, Herr Merz?...
Antwort von Krishan , geschrieben am 13.03.2026, 23:38 Uhr :
Weltliche Gerichte? Könnten Sie nur meine gesperrten Antworten im Kommentar 45 lesen, dann wüssten Sie, dass sexueller Missbrauch auch fast folgenlos bleiben kann.
Kommentar 48: Franziska 1 schreibt am 13.03.2026, 20:39 Uhr :
Mir ist bekannt bei einer kleinen Gemeinde in Deutschland, eine plötzliche Versetzung von einen Gemeindepfarrer. Erst viel später hatten die Bewohner erfahren, er wurde versetzt zur Bundeswehr als Militärseelensorger. Eltern hatten sich beschwert, der Pfarrer gehe auffällig lieb mit den Mädchen um, Alter 8/10 Jahren. Sie hatten es gemeldet, weil sie sehr irritiert waren nach einer Beobachtungszeit. Dieser Fall wurde nicht allgemein Presse-Öffentlich gemacht. Da wurde anscheinend auch einiges von der Kirche unter den Tisch so geregelt. War sehr gut von den Eltern beobachtet, bei Pfarramt -Feste und Veranstaltungen. Jeder der Kinder hat, kann sein Kind besser schützen durch mehr Aufmerksamkeit. Ich bitte um Verständnis, dass ich die Gemeinde hier nicht offen lege. Der Hinweis soll gut gemeint für alle Eltern gelten.
Kommentar 47: Walkenhorst schreibt am 13.03.2026, 18:03 Uhr :
Jetzt hat die Stadt Paderborn ganz schön was zu tun Straßen und Plätze umbenennen ehrenbürgerschaften wegnehmen
Antwort von Doro , geschrieben am 13.03.2026, 18:36 Uhr :
Der Platz vor der Bibliothek sollte in Zukunft Eugen Drewermann Platz heißen
Kommentar 46: M.F schreibt am 13.03.2026, 17:59 Uhr :
„200 Geistliche? Hahaha, dass ich nicht lache! 200 Perverse, dreckige Schweine! Die Kirche ist doch nicht von Gott gewollt. Klingelbeutel, Kirchensteuer, Götzenbilder wie der Papst – das hat nichts mit Gott zu tun.“ekelhaften
Antwort von Wüstenfähe , geschrieben am 14.03.2026, 00:49 Uhr :
Ein Schwein ist nicht dreckig, sodern reinlich. Schweine sind hochintelligent und werden millionenfach vergast. Wenn die Sprache der Schweine nur für uns verständlich wäre.
Kommentar 45: I. Andreae schreibt am 13.03.2026, 17:41 Uhr :
da gibt es nur eine Konsequenz : Kirchenaustritt. Die Haltung so vieler katholischer Kirchenvertreter ist mehr als beunruhigend und beängstigend auch im Blick auf die Zukunft der Kirche. Angemessene Strafen, die dringend notwendige Hilfe für die Opfer, das wirkliche Anerkennen der Schuld und die weitere Aufarbeitung incl. dem ohnehin nur spärlichen Versuch einer Wiedergutmachung, - all das wird scheitern. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, aber bestätigen die nicht eher die Regel?
Antwort von Krishan , geschrieben am 13.03.2026, 20:05 Uhr :
Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)
Antwort von Krishan , geschrieben am 13.03.2026, 23:34 Uhr :
Ein 24-jähriger Afghane hat für den sexuellen Missbrauch einer 13-jährigen vom Landgericht Braunschweig nur eine Bewährungsstrafe bekommen. So melden es Medien, die noch an Wahrheitsfindung interessiert sind. Also fragen wir uns doch: Ist sexueller Missbrauch justitiabel? Welche Konsequenzen werden die Ereignisse im Bistum nach sich ziehen?
Kommentar 44: Paul S. schreibt am 13.03.2026, 17:34 Uhr :
Jetzt wird der Kirche ganz schön um die Ohren gehauen, vergesst jedoch nicht wie beim Rest der weltlichen Gesellschaft sexuelle Übergriffe behandelt werden. Da passiert es täglich, was der Kirche vorgeworfen wird. Außerhalb der Kirche haben Deutsche eine saubere Weste? Dieses Thema lebt unter uns, wie oft wird drüber weggesehen? Manche Sündenböcke sind bestimmt im eigenen Umfeld zu finden, es muss besser hingeschaut werden.
Antwort von Dietmar , geschrieben am 14.03.2026, 14:43 Uhr :
Der Missbrauch selber ist die Tat von einzelnen Priestern, aber die systematische Vertuschung und der Schutz der Täter ist in der Verantwortung der Kirche. Taten die bekannt werden müssen der Polizei gemeldet werden, sonst verliert die Kirche jede Glaubwürdigkeit und Legitimation. Dann kann sie auch weg.
Kommentar 43: Maximilian schreibt am 13.03.2026, 17:18 Uhr :
Was bedeutet Zölibat: Zölibat bedeutet, dass man sexuell enthaltsam lebt. Und wenn man dann doch dem Sexualtrieb unterliegt, sollte man die Sexualität für sich leben und nicht darüber sprechen. So die Interpretation der Kirche. Warum ist das so? Die Gesellschaft kann oder will sich keinen Priester vorstellen, der sexuelle Handlungen an sich vornimmt. Auch bei den Damen von Maria 2.0 übersteigt das deren moralische Vorstellungskraft. Die Gesellschaft will sich auch keine evang. Pfarrerin vorstellen, die ihre sexuelle Lust herausschreit. Licht aus und Schmusesex steht man ihr vielleicht noch zu. Mein Fazit: Die Gesellschaft, also wir, verursachen mit unserer Vorstellung darüber, wie in Amtskirchen die Sexualität gelebt werden darf, die zwanghafte Unterdrückung eines natürlichen Umgangs und befördern indirekt die kriminellen Handlungen.
Antwort von Freigeist , geschrieben am 14.03.2026, 18:08 Uhr :
Die katholische Kirche hat sich doch selbst das Zölibat auferlegt und hält daran fest. Der Kirche ist doch die zwanghafte Unterdrückung des natürlichen Umgangs mit Sexualität zu verdanken. Dann muss sie gefälligst auch die Verantwortung dafür übernehmen! Der "Gesellschaft" dafür die Verantwortung zu geben, ist total daneben. Als ob den Kirchenfritzen jemals was an der Meinung der "Gesellschaft" gelegen hätte... Ich denke eher, dass die meisten Mitglieder der "Gesellschaft" Pädophilie verabscheuen. Interessiert das etwa die Kirche?
Kommentar 42: Thomas Dietzel Ixh schreibt am 13.03.2026, 16:48 Uhr :
Ich bin sprachlos! All diese Menschen sind noch im Amt! Vergewaltigte Menschen werden diskrediert! Ich dachte, die Kirche ist etwas gutes!?