Missbrauchsstudie: Gläubige in Schmallenberg entsetzt
02:55 Min.. Verfügbar bis 18.03.2028.
Es rumort unter den Besuchern in der Schmallenberger Stadthalle. Das Ausmaß des sexuellen Missbrauchs, das die Studie offen gelegt hat, hat ein Beben unter den Gläubigen ausgelöst. Viele haben sich vorab informiert.
489 Missbrauchsfälle im gesamten Bistum
Von 1941-2002 sind 489 Fälle in der Studie dokumentiert, in denen Minderjährige von Kirchenvertretern missbraucht wurden. Ein Großteil davon im Sauerland. Denn es war damals offenbar gelebte Praxis, dass Täter ins Sauerland versetzt wurden.
Betroffenenvertreter Burkhardt Stutenz erzählt von seiner Missbrauchs-Erfahrung in Attendorn.
Priester, die sich in Hildesheim, Essen oder Aachen an Kindern vergangen hatten, haben im Sauerland neue Stellen angetreten und dort ihren Missbrauch fortgesetzt. "Man hat damit die Täter geschützt", erläutert Burkhardt Stutenz von der Betroffenen-Vertretung.
Er selbst ist in Attendorn aufgewachsen. Zum ersten Mal erzählt er vor Publikum, dass er dort von einem Kirchenmann missbraucht wurde. Es ist sehr emotional für ihn. Das spüren die anderen Gläubigen und hängen an seinen Lippen.
"Man hat die Täter geschützt“
Er berichtet, wie sich inzwischen andere Opfer bei der Betroffenen-Vertretung gemeldet haben, ausgelöst durch die Offenlegung der Fälle. Menschen, die sich wie er Jahrzehnte lang nicht getraut haben über ihre Missbrauchserfahrung zu sprechen.
Erzbischof Udo Markus Bentz hört den Gläubigen aus dem Publikum aufmerksam zu.
Genau das ist auch das Ziel des Erzbischofs. "Weil wir wissen, das Dunkelfeld ist noch groß", sagt Udo Markus Bentz. Deshalb fordert er die Gläubigen auf, in den Gemeinden mitzuwirken, das Thema zu enttabuisieren. Damit sich auch die melden, die sich bisher noch nicht getraut haben.
Wut entlädt sich bei den Gläubigen im Publikum
Nach den sehr persönlichen Schilderungen trauen sich auch Gläubige aus dem Publikum über ihre Gefühle und Gedanken zu sprechen. Keine vom Missbrauch direkt Betroffenen. Aber Gläubige für die durch das, was die Studie ans Licht gebracht hat, eine Welt zusammen gebrochen ist.
"Es zieht mir den Boden unter den Füßen weg", sagt eine Frau unter Tränen. Sie hat sich viele Jahre in Arnsberg engagiert. Nachdem sie jetzt schwarz auf weiß lesen konnte, was in ihrer Gemeinde passiert ist, ist sie aus der Kirche ausgetreten.
Gläubige: "Es hat mich innerlich zerstört"
Zwar sind die Täter in der Studie anonymisiert. Aber einige Gläubige erkennen an den Umständen, in welchen Fällen ihre Gemeinde betroffen ist. "Es hat mich innerlich zerstört, zu erfahren, dass die Person, die ich immer verteidigt habe, doch Täter war", erzählt eine andere Frau später im kleinen Kreis.
"Es ist nicht einfach, wenn wir nicht ausweichen", sagt Erzbischof Bentz zum Abschluss, nachdem er aufmerksam zugehört hat. Aber er kündigt an, den Weg der konsequenten Aufarbeitung weiter zu gehen und verspricht weitere Hilfen für die Betroffenen.
Unsere Quellen:
- Reporter vor Ort
- Kultuhistorische Studie zum Missbrauch im Erzbistum Paderborn der Universität Paderborn
- Erzbistum Paderborn
- Unabhängige Betroffenen-Vertretung im Erzbistum Paderborn eV.
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Südwestfalen, 18.03.2026, 19:30 Uhr
