Die Freunde Roman und Kirill stehen gerne hinter der Theke
Stehhocker auf die Terrasse stellen, Stehtische abwischen, Markise ausfahren - bevor Roman Guevs Arbeitseinsatz in der YouBar so richtig beginnt, müssen erst mal solche lapidaren Dinge erledigt werden. "Gehört auch dazu", sagt der 35-Jährige, der eigentlich als Logistiker arbeitet. An diesem Abend aber versucht der Vredener sich mit seinem Freund Kirill Nichajew als Barchef.
Neues Barsharing-Konzept in Vreden
Lokalzeit OWL. 09.04.2026. 03:15 Min.. Verfügbar bis 09.04.2028. WDR. Von Dennis Burk.
Ihren Traum konnten sie sich durch das Softwareunternehmen Tobit erfüllen. Tobit ist Besitzer der YouBar. Nach Schließung der Bar Ende 2025 entschied sich das Ahauser Unternehmen für ein Barsharing-Konzept: Privatleute oder Vereine können sich daran beteiligen und Gäste an den jeweils gebuchten Abenden selbst bedienen. Das Prinzip ist relativ simpel.
Nichajew und Guev haben ihre Termine im Internet gebucht. Am Bartag öffnen sie mit einem QR-Code die Haupttür. Mit dem Handy steuern sie danach Technik, Licht und die großen Fernseher, die an den Wänden hängen. Die Gäste bestellen und bezahlen später über eine App. Das Unternehmen stellt Raum, Ausrüstung und Waren, macht am nächsten Tag sauber - Nichajew und Guev schmeißen am Abend den Laden. Dazu gehören nicht nur das Bierzapfen und Bedienen, sondern auch Gläser spülen, neues Bierfass anschließen und nach dem Rechten schauen.
Barsharing: Lösung gegen das Kneipensterben?
Die beiden Freunde haben bewusst einen Abend gewählt, an dem ein Fußballspiel im Pay-TV übertragen wird. Das wird viele Gäste garantieren, erklärt Guev, während er drei Mineralwasserflaschen aus dem Kühlschrank holt. 15 Prozent der Nettoeinnahmen gehen am Ende in den eigenen Geldbeutel. "Aber deshalb machen wir das hier nicht! Ich habe einfach Spaß an der Sache. Und ich will, dass ich und meine Freunde hier in Vreden eine Möglichkeit haben, auszugehen, uns zu treffen."
In der YouBar bestellen und bezahlen die Gäste ihre Getränke online über eine App
So wie Katja Volks, die an der Theke sitzt und einen Cocktail trinkt. "Man fühlt sich hier wohl, das ist wirklich ein schönes Zusammenkommen, ganz entspannt." Sie findet es toll, dass es diesen Treffpunkt gibt. Hier in dem 25.000-Einwohner-Städtchen gebe es nicht mehr viel zum Ausgehen. Sie habe großen Respekt, dass Menschen wie Guev und Nichajew so etwas auch nicht einfach akzeptieren und sich hinter die Theke stellen.
Das Champions-League-Spiel läuft, die Barchefs haben gut zu tun. "Manchmal wird es auch richtig stressig", gesteht Guev, der gerade Gläser an den Tischen abräumt. Es sei aber ein schöner Stress. Er verdiene mit seinem eigentlichen Job genug Geld und das hier sei neben dem Spaß auch ein guter Ausgleich zum Alltag. Den Job des Barkeepers für immer könne er sich trotzdem vorstellen: "Ja, warum nicht. Mal sehen, was kommt." Dabei lächelt er zufrieden und nimmt zwei frisch gezapfte Bier. Die müssen nämlich jetzt schnell an Tisch 33.
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Münsterland, 09.04.2026, 19.30 Uhr.
