Schräg und schrill: 50 Jahre Theater-Kneipe "Filmdose" in Köln
Heimat & Familie | Heimatliebe
Stand:
Seit Jahrzehnten sorgt eine kleine Bühne im Kölner Kwartier Latäng für das etwas andere Theaterprogramm. Die Stücke: immer skurril und auch mal unter der Gürtellinie. Der Theaterchef liebt diesen Ort - hinter dem Tresen und auf der Bühne.
Von Stefan Weisemann (Text) und Renate Streit (Multimedia)
Alexander Moll hat sich ordentlich in Schale geschmissen. Sein pinkes Kleid, eher ein pinker Überwurf, glitzert im Licht der Scheinwerfer, seine knallig lilafarbenen Stiefel auch. Auf dem Kopf wippen die wallenden Locken einer Perücke, den Mund ziert weinroter Lippenstift.
Auf einer kleinen Bühne lässt der 69-Jährige etwas steif die Hüften kreisen und singt aus vollem Hals "Ich hab nen Eisprung". Zur Melodie von "I'm so excited" von den Pointer Sisters. Klingt schräg? Stimmt. Ist aber völlig normal im "Theater in der Filmdose". Wo schräges Theater in Köln ein Zuhause hat. Oder wie Moll es sagt: "Kindertheater für Erwachsene."
50 Jahre Theater-Kneipe "Filmdose" Köln
Lokalzeit aus Köln. 14.01.2026. 03:58 Min.. Verfügbar bis 14.01.2028. WDR. Von Renate Streit.
Moll hat in der "Filmdose" nicht nur Kleider an, sondern auch die Hosen. Er ist seit drei Jahrzehnten der Chef dieser besonderen Kombination aus Kneipe und Theater. Und darauf mächtig stolz: "Wir sind hier im Viertel theatertechnisch eine Bastion."
Theaterbühne als Startrampe für Promis
Die "Filmdose" wurde 1975 eröffnet. Vom Regisseur und Filmemacher Walter "Wally" Bockmayer, bekannt für seine schrillen Inszenierungen. Ursprünglich wurden in der "Filmdose" schräge Streifen gezeigt, noch auf Super 8. Ab Mitte der 80er Jahre dann Theaterstücke auf einer kleinen Bühne.
Und das mit einem klaren Anspruch: "Beim Theater bin ich sehr wählerisch, da muss das Stück eher spektakulär sein", hat der mittlerweile verstorbene Bockmayer damals in einem Interview gesagt, "dieses Theater war noch nie für Spießer da". Davon künden schon die Titel der damaligen Stücke, wie "Elvira - die Samenbankmörderin von Burg Gerolstein".
Die "Filmdose" wird auch zum Sprungbrett: Hella von Sinnen, Dirk Bach und Ralph Morgenstern feiern hier ihre ersten Erfolge auf der Bühne. Noch heute thront die Theaterkneipe auf der Ecke zwischen Zülpicher und Kyffhäuserstraße. Über dem Eingang kündigt ein großes Transparent das aktuelle Stück "Völlig losgelöst - Das Klimakterium schlägt zurück" an. Der Titel zeigt: Das Theater ist sich in all den Jahrzehnten treu geblieben.
Die Liebe zum Theater
Theaterchef Moll ist hier per Zufall reingekommen. Anfangs als Kellner, dann hat er auch bei den Stücken mitgespielt. Und schließlich hat er vor 30 Jahren die "Filmdose" selbst übernommen. "Ich bin ganz stolz, dieses Eiland hier immer noch zu betreiben", sagt er.
Eingespieltes Theater-Team: Alexander und seine Frau Heike Moll
Das danken ihm auch seine Gäste. "Es ist schön, dass es das noch gibt, dass man einen Zufluchtsort hat, wo man sich wohlfühlt", sagt eine Stammkundin an der Theke. Unter der Woche ist die "Filmdose" eine reine Kneipe. Freitags und samstags wird auch die kleine Bühne bespielt. Die wenigen, dicht gedrängten Plätze sind oft ausverkauft. Das Lachen und Gejohle im Publikum groß.
Im Laufe der Jahre hat sich dieses Publikum verändert. "Es ist insgesamt älter geworden", sagt Moll. Auch wenn immer noch viele junge Menschen kommen. Doch egal, ob alt oder jung, für den Theaterchef ist eines wichtig: "Wenn die Leute glücklich rausgehen, das ist unser größter Lohn."
Und wann belohnt sich der 69-Jährige mit etwas mehr Ruhe? Daran will er gar nicht denken, sondern weitermachen, solange es noch geht. "Ich liebe das Ding, ich weiß gar nicht, wie ich davon wegkommen soll. Aber irgendwann ist ja auch mal Ende und das Schöne trägt man im Herzen." Erstmal trägt Moll aber noch pinke Kleider auf der Bühne und die Verantwortung für ein ganz besonderes Stück kölschen Theaterkults.
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Köln, 14.01.2026, 19.30 Uhr.