Trotz Kneipensterben: Remscheider Kultwirt hält mit 86 seine Kneipe am Laufen
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Mit 86 Jahren steht Toni Pinna immer noch hinter dem Tresen seiner Remscheider Kneipe. Warum er noch lange nicht schließen will und dem Kneipensterben trotzt.
Von Josefine Upel, (Text) und Julian Piepkorn (Multimedia)
Dunkelbraunes Holz prägt das Erscheinungsbild der Kneipe "Bei Toni" in Remscheid. An den Wänden hängen alte, teils vergilbte Bilder. So traditionsreich wie die urige Gaststätte ist auch ihr Wirt Antonio "Toni" Pinna, der durch die Tür hereinkommt. Der 86-Jährige trägt eine Getränkekiste durch den Raum, ohne dabei Anzeichen von Anstrengung zu zeigen. Pinna ist wohl der älteste Gastwirt der Stadt. Und eines der wenigen verbliebenen Urgesteine der Remscheider Kneipenkultur.
Seit mehr als drei Jahrzehnten hält sich die Kneipe in der Burger Straße in Remscheid. Doch viele von Pinnas Kollegen mussten aufgeben. Laut Statistischem Bundesamt ist die Zahl der Kneipen in NRW zwischen 2006 und 2023 um fast 42 Prozent gesunken. Statt rund 14.000 gab es 2023 nur noch gut 8000 Kneipen. Die Gründe sind vielfältig und reichen von der angespannten wirtschaftlichen Lage und einem veränderten Freizeitverhalten bis hin zur Corona-Pandemie und dem Fachkräftemangel.
Stammgäste unterstützen Gastwirt aus Remscheid
Vor 65 Jahren kam Pinna als Gastarbeiter aus Italien nach Remscheid. Tagsüber arbeitete er in einer Fabrik, abends hinter dem Tresen. Mittlerweile macht er das nur noch als Hobby, sagt er. "Meine paar Stammgäste halten mich über Wasser."
- Auch diese Wirtin ist bei ihren Stammgästen beliebt: "Ein Abend mit der legendären "Puppa Schmitz" aus Kleve"
Heute ist jeder Hocker in der Kneipe besetzt. Einmal in der Woche probt ein Männergesangsverein aus Ehringhausen bei Pinna. Mit frisch gezapftem Bier in der Hand und weißen Haaren auf dem Kopf singen sie sich durch die Lieder. Nicht perfekt, aber mit Leidenschaft. Und Pinna mittendrin.
In der Kneipe wird natürlich auch um die nächste Runde gespielt
Das Kneipensterben merken auch Pinnas Stammgäste. "Ich habe früher nebenbei Taxi gefahren, ich kenne jede Remscheider Kneipe", sagt Friedrich Moritz und blickt dann sichtlich betroffen. "Mittlerweile sind mindestens die Hälfte davon zu."
Die Männer hoffen, dass Pinna noch viele Jahre hinter dem Tresen steht. "Solange es mir Spaß macht und meine Gesundheit es erlaubt, mache ich weiter. Ich muss ja für diese Leute da sein", sagt dieser und lacht.
Über dieses Thema haben wir auch am 06.10.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit Bergisches Land, 19.30 Uhr.