Die evangelische Kirche in Netphen wird ihren Friedhof auf finanziellen Gründen schließen.

WDR 03:16 Min. Verfügbar bis 03.06.2028

Bis zu 5.000 Euro So teuer können Beerdigungen in NRW sein

Stand:

Eine Bestattung in NRW kann je nach Kommune teuer werden. Gerade dann, wenn es eine Erdbestattung sein soll. Mit wie vielen Gebühren man rechnen muss und an welchen Stellen sich sparen lässt.

Das Wichtigste in Kürze

  • In NRW schwanken die Gebühren für eine Bestattung zwischen 1.900 und 5.000 Euro, Erdbestattungen sind dabei teurer als Feuerbestattungen.
  • Baum- und Seebestattungen werden immer beliebter.
  • Für eine Bestattung sollte man frühzeitig vorsorgen.
  • Auch mit wenig Geld ist eine würdige Bestattung möglich.

Wenn ein geliebter Mensch stirbt, überwiegt die Trauer. 2025 sind in NRW laut Angaben des Landes 220.400 Menschen gestorben. Deren Hinterbliebene und Angehörige hatten mitten im Trauerprozess dennoch auch die Pflicht, eine Beerdigung zu organisieren. Und das kann teuer werden.

Kosten für Bestattungen in NRW sehr unterschiedlich

Die Kosten variieren in Nordrhein-Westfalen stark je nach Stadt oder Kommune. 2025 kostete eine Erdbestattung auf städtischen Friedhöfen in NRW laut Bund der Steuerzahler Deutschland (BdSt) durchschnittlich 3.644 Euro, was einem Plus von vier Prozent zum Vorjahr entspricht. Am teuersten war eine Erdbestattung demnach in Leverkusen mit 5.273 Euro, am günstigsten in Gütersloh mit 1.934 Euro.

Während manche Städte wie Bonn und Hamm ihre Gebühren im vergangenen Jahr gesenkt haben, wurden sie in Bottrop (19 Prozent), Oberhausen (18 Prozent) und Neuss (12 Prozent) deutlich angehoben. Grund für die Erhöhung in Bottrop sind Abfallentsorgungskosten, in Neuss Personalkosten.

Wenngleich auch die Kosten für Urnenbestattungen im Landesdurchschnitt um fünf Prozent gestiegen sind, sind sie dennoch mit durchschnittlich 1.612 Euro deutlich günstiger als Erdbestattungen. Doch auch gibt es mitunter erhebliche Kostenzunahmen, in Bottrop gar um 78 Prozent.

"Die Verantwortung für die Höhe der Friedhofsgebühren liegt bei den Stadträten - sie beschließen die jeweilige Gebührensatzung und sollten prüfen, wie sie die Gebühren mindestens stabil halten können." Bund der Steuerzahler Deutschland

Die Gebühren setzen sich aus den Grabnutzungsgebühren und den Beisetzungsgebühren zusammen. Für die Beisetzung muss ein Grab erworben werden, egal ob es es eine Erd- oder Feuerbestattung ist. Die Grabnutzungsgebühr muss für die Zeit, die das Grab genutzt wird, gezahlt werden. In Deutschland sind das üblicherweise 20 Jahre.

Erfahrungen von Bestattungsunternehmen

"Der größte Kostenfaktor ist meistens die Grabstelle", sagt Bestatterin Stefanie Kamp-Knorren, die in fünfter Generation in Düsseldorf das Bestattungsunternehmen Vogt & Kamp führt. Die Gebühren, die von den Städten festgelegt würden, richteten sich nach dem Haushalt. Manchmal würden diese für fünf Jahre festgelegt, manchmal wechselten sie jährlich.

Stefanie Kamp-Knorren trägt Schwarz und hat die Arme vor der Brust verschränkt, links im Hintergrund stehen Urnen im Regal

Stefanie Kamp-Knorren leitet in fünfter Generation ein Bestattungsunternehmen in Düsseldorf.

Die Kosten für die Nutzung der Trauerhalle fallen je nach Kommune laut BdSt höchst unterschiedlich aus. In Gelsenkirchen kostet ein kleiner Feierraum 83 Euro, in Recklinghausen sind es hingegen 385 Euro für eine Trauerhalle.

Zusätzlich verlangen viele Friedhofsverwaltungen Verwaltungsgebühren, etwa für die Genehmigung von Grabmalen oder das Bearbeiten von Grabnutzungsrechten. Hinzu kommen Gebühren für das Bestattungsunternehmen, den Steinmetz für einen eventuellen Grabstein sowie die Instandhaltung des Grabs durch eine Friedhofgärtnerei.

Der Bund der Deutschen Steuerzahler rät zu einem Gebührenvergleich zwischen kommunalen und kirchlichen Friedhöfen - letztere sind nämlich im Durchschnitt günstiger. "Das liegt vor allem daran, dass kirchliche Friedhöfe häufig ländlicher liegen und das günstiger ist als in der Stadt", sagt Kamp-Knorren.

Kirchliche Friedhöfe in NRW mit Finanzierungsproblemen

Kirchliche Friedhöfe haben jedoch mitunter Probleme, sich zu halten: So muss unter anderem der evangelische Friedhof in Netphen (Kreis Siegen-Wittgenstein) Ende 2026 aus wirtschaftlichen Gründen schließen. Auch auf dem evangelischen Friedhof "Am Bache" in Dülmen (Kreis Coesfeld) werden ab 2030 keine neuen Bestattungen mehr stattfinden, da die Einnahmen durch die Grabgebühren die Kosten nicht mehr decken. Er bleibt jedoch noch erst einmal öffentlich zugänglich.

Sorge wegen Friedhofsschließung in Dülmen

WDR 01.06.2026 00:13 Min. Verfügbar bis 31.05.2028 WDR Online

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Einen weiteren Fall gibt es in Uedem (Kreis Kleve), wo die evangelische Kirchengemeinde den Friedhofsbetrieb zum 1. April 2041 einstellt. Ähnliche Entwicklungen gibt es in Dortmund, Bestwig und Langenfeld.

Pfarrer Gerd Oevermann zur Friedhofsschließung Dülmen

WDR 01.06.2026 00:32 Min. Verfügbar bis 31.05.2028

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So lässt sich bei einer Bestattung Geld sparen

Ob eine Bestattung nun aber städtisch oder kirchlich stattfindet - sie ist in jedem Fall ein größerer Kostenfaktor. Stefanie Kamp-Knorren bestätigt: "Es gibt viele Menschen, die Geldsorgen haben und sagen: Ich wünsche mir eine würdevolle Bestattung, aber ich kann nicht 5.000 Euro ausgeben."

Sie habe es aber auch schon erlebt, dass Menschen sich nicht trauen würden, über ihre Geldprobleme zu sprechen. "Dabei ist das keine Sache, wofür man sich schämen muss." Als Bestatterin sei es ihr und ihren Kollegen gelegen, für alle Menschen, die durch ihre Tür kommen, je nach finanziellem Rahmen, den richtigen Ort und die richtige Bestattungsform zu finden.

"Wenn jemand zu mir kommt und sagt, ich habe maximal 5.000 Euro, mehr habe ich nicht. Ja, dann finden wir eine Lösung, den würdevoll zu bestatten." Bestatterin Stefanie Kamp-Knorren

Auch mit einem geringen finanziellen Budget sei es möglich, eine Beerdigung zu stemmen. Sparen könnte man zum Beispiel bei der Trauerfeier. "Will man eine klassische Trauerfeier, muss man dafür einen Ort mieten. Kommt dann noch Musik dazu, bewegt man sich schnell in einem relativ hohen Rahmen", sagt Kamp-Knorren.

Zusätzliche Kostenfaktoren könnten ein extravaganter Sarg oder eine besondere Urne sein, ebenso wie Trauerkarten. "Heutzutage kann man diese auch selbst als PDFs ausdrucken oder gar als WhatsApp verschicken."

Auch an der Grabart kann man sparen: Besonders günstig sind zum Beispiel Reihengräber, bei dem man nicht selbst den Standort bestimmen kann oder ein Rasengrab, bei der die Grabstätte in eine durchgehende Rasenfläche eingebettet ist. Man zahlt dann lediglich anteilig für die Pflege, die von der Friedhofsgärtnerei übernommen wird.

Eine weitere Möglichkeit, um Geld bei einer Bestattung zu sparen, ist den Sarg oder die Urne einfach selbst zu bauen. So bietet der evangelische Kirchenkreis Hamm gemeinsam mit einem Tischler entsprechende Workshops an. Ähnliche Angebote machen der Hospizverein Hürth und die Landvolkshochschule in Warendorf.

Bestattungsvorsorge treffen

Auch wenn die eigene Bestattung noch weit weg erscheinen mag, rät Stefanie Kamp-Knorren, sich rechtzeitig Gedanken darüber zu machen und mit Angehörigen zu sprechen. Bestattungsunternehmen bieten in der Regel unverbindliche Beratungstermine zur Bestattungsvorsorge an, bei denen man sich zusätzlich informieren kann. Bei Kamp-Knorren sind es inzwischen um die fünf Beratungen pro Woche und sie nimmt zunehmendes Interesse wahr.

"Mein Appell an die Menschen ist, für eine Bestattung vorzusorgen, egal in welchem Alter. Man sollte sich darüber Gedanken machen, was man sich wünscht, um so in der Zukunft eine Finanzierung der Bestattung gewährleisten zu können." Bestatterin Stefanie Kamp-Knorren

Idealerweise legt man Geld für die Bestattung an, zum Beispiel indem man monatlich einen Betrag zurücklegt. Alternativ kann man eine Sterbegeldversicherung abschließen, eine spezielle Art der Lebensversicherung, die die Kosten für die Bestattung abdecken soll. Der Bundesverband Deutscher Bestatter bietet zudem an, Geld in die Deutsche Bestattungsvorsorge Treuhand AG anzulegen, das dann zweckgebunden, nur für die Bestattung zur Verfügung steht.

In Deutschland gilt Bestattungspflicht

Wenn das Geld für eine Beerdigung komplett fehlt, weil beispielsweise der Nachlass des Verstorbenen nicht ausreichend ist oder man als bestattungspflichtige Person die finanziellen Mittel nicht hat, springt das Sozialamt mit einer Bestattungskostenhilfe ein. Denn laut Paragraph 74 Sozialgesetzbuch XII hat jeder in Deutschland ein Recht auf eine würdige Bestattung. Außerdem gilt in Deutschland eine Bestattungspflicht. Kommt niemand der Pflicht nach, kümmert sich die örtliche Ordnungsbehörde der Gemeinde, auf deren Gebiet der Tod eingetreten ist.

In NRW gilt zudem der sogenannte Friedhofszwang. Demnach ist es nicht erlaubt, die Urne mit der Asche des Verstorbenen zuhause aufzubewahren.

Bestattungsformen: Erd- oder Feuerbestattung

Im deutschen Recht wird grundsätzlich zwischen Erdbestattung und Feuerbestattung unterschieden. Bei einer Erdbestattung wird der Verstorbene in einem Sarg beigesetzt, bei einer Feuerbestattung üblicherweise in einer Urne.

  1. Seebestattung
  2. Baumbestattung
  3. Urnenbeisetzung

Laut Angaben des Bundesverbandes Deutscher Bestatter gibt es in Deutschland aktuell 20 Prozent Erdbestattungen und 80 Prozent Feuerbestattungen.

See- und Baumbestattung gewinnen an Beliebtheit

Seebestattungen sind in NRW nicht möglich, da sie grundsätzlich in Binnengewässern oder Flüssen verboten sind. Sie dürfen in Deutschland ausschließlich in speziell ausgewiesenen Seegebieten der Nord- und Ostsee durchgeführt werden, sofern sie einen Mindestabstand von drei Seemeilen zur Küste einhalten.

Bei der Baumbestattung wird die Asche von Verstorbenen in einer biologisch abbaubaren Urne an den Wurzeln eines Baumes beigesetzt. In Deutschland erfolgt dies hauptsächlich in Bestattungswäldern. In NRW gibt es beispielsweise 14 sogenannte "FriedWälder", unter anderem in Bad Münstereifel, Düren, Siegburg, Möhnesee, Goch, Borchen oder in Bad Laasphe.

Am Fuße eines Baumstammes liegen Tannenzweige und orangene Trockenblumen, um den Baum heraum liegt braunes Herbstlaub

Baumbestattungen werden in Deutschland immer beliebter

Eine Auswertung des bundesweit tätigen Bestattungsunternehmens Mymoria ergab 2025, dass sowohl See- als auch Baumbestattungen immer beliebter werden - gerade bei älteren Menschen. Diese Entwicklung bestätigt auch Stefanie Kamp-Knorren: "Menschen denken mehr darüber nach, naturnah beigesetzt zu werden."

Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Bestatter aus dem Jahr 2024 wünschen sich 67 Prozent der ab 18-jährigen Deutschen eine Feuerbestattung. Der Hauptgrund für Feuerbestattungen ist demnach die Vielfalt der Beisetzungsmöglichkeiten.

Doch immerhin auch 29 Prozent der Befragten gaben als Grund an, dass eine Feuerbestattung günstiger als eine Erdbestattung sein könne. Mehr als die Hälfte der Befragten hat sich der Umfrage zufolge also bereits mit den Kosten einer Bestattung beschäftigt.

Bis zu 5.000 Euro - So teuer können Beerdigungen in NRW sein

WDR 02.06.2026 01:18 Min. Verfügbar bis 01.06.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • Interview mit Bestatterin Stefanie Kamp-Knorren
  • Bundesverband Deutscher Bestatter e.V.
  • Bund der Steuerzahler Deutschland e.V.
  • Deutsche Friedhofsgesellschaft
  • Pressemitteilung von mymoria
  • Landesdatenbank NRW

Sendung: WDR.de, Bis zu 5.000 Euro: So teuer kann eine Beerdigung in NRW sein, 04.06.2026, 5:02 Uhr

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