Einige Menschen stehen auf einem Friedhof um eine Urne und gedenken eines Toten

Gedenkfeier für Norbert: Viele Mitarbeiter aus dem Team des Hospiz in Recklinghausen sind gekommen

In Würde gehen: Wie ein Hospiz anonyme Bestattungen verhindert

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Was passiert mit Verstorbenen ohne Familie oder Geld? Sie werden normalerweise vom Ordnungsamt bestattet, anonym und unpersönlich. Wie ein Hospiz in Recklinghausen auch diesen Menschen einen würdevollen Abschied ermöglichen will.

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Porträtbild von Yunus Gündüz
Yunus Gündüz
und (Text), Anastasia Mehrens (Multimedia)

"Nun stehen wir hier und blicken zurück. Dass du uns dein Zuhause nennst, ist etwas ganz Besonderes. Ein Stück vom Glück." Dieses Gedicht ist das letzte Grußwort von Katja Niens. Sie steht mit mehreren anderen Trauernden um ein Grab herum, vor ihnen steht eine Urne. Einige sind sichtlich angefasst, es fließen ein paar Tränen.

Tränen für einen Menschen, den die meisten, die sich auf dem Südfriedhof in Recklinghausen versammelt haben, erst seit etwa einem halben Jahr kennen. Katja Niens trägt ihr Gedicht nicht für einen Verwandten oder Freund vor, sondern für Norbert. Ihren Patienten aus dem Hospiz. Die meisten anderen Trauergäste sind ebenfalls Mitarbeiter. Auch ihr Chef Michael Kornau ist gekommen. Er weiß, dass Norbert eigentlich anonym bestattet worden wäre. Keine schöne Vorstellung für ihn.

Warum ein würdevoller Abschied wichtig ist

00:21 Min. Verfügbar bis 09.07.2027

Damit es nicht noch weiter "aus dem Ruder läuft" hat das Team vom Hospiz zum heiligen Franziskus in Recklinghausen eine Initiative ins Leben gerufen. Zusammen mit ehrenamtlichen Unterstützern. Das Ziel: Menschen aus dem Hospiz sollen nicht mehr anonym bestattet werden. So wie Norbert.

Viele Menschen werden anonym bestattet

Normalerweise kümmern sich die hinterbliebenen Verwandten um die Beerdigung eines Verstorbenen. Wenn jemand im Altenheim oder Hospiz stirbt oder tot aufgefunden wird, versuchen die Behörden, die Hinterbliebenen zu ermitteln.

Wenn es niemanden mehr gibt oder sie sich die Bestattung nicht leisten können, tritt in NRW die sogenannte ordnungsbehördliche Bestattung in Kraft. Das heißt: Der Tote wird anonym und ohne Trauerfeier bestattet. Möglichst kostengünstig.

  • Auch in Lemgo setzen sich Ehrenamtliche dafür ein, dass mehr Menschen ein würdiges Begräbnis bekommen. Mehr dazu liest du hier.

Wie viele Menschen in NRW anonym beerdigt werden, ist nicht bekannt, denn konkrete Zahlen werden nicht erhoben. Einige Städte und Gemeinden veröffentlichen selbst ihre Zahlen. Nach einer WDR-Recherche gab es zum Beispiel 2022 in Dortmund knapp 1600 anonyme Bestattungen. Rund 400 davon wurden durch das Ordnungsamt beauftragt, Tendenz steigend.

Hospiz in Recklinghausen kümmert sich um würdevollen Abschied

Gegen diese Tendenz stellt sich das Team vom Hospiz in Recklinghausen. Es sorgt jetzt selbst für einen würdevollen Abschied. Für die, die sonst keinen bekommen hätten. Weil sie niemanden haben oder sich die Angehörigen eine richtige Beerdigung nicht leisten können. Bisher hat das Hospiz-Team bei vielen Verstorbenen gar nicht mitbekommen, wie es mit ihnen weitergegangen ist.

Was passiert mit den Toten aus dem Hospiz?

00:20 Min. Verfügbar bis 09.07.2027

Seit 2024 kümmert sich das Hospiz um Beerdigungen. Vier Menschen wurden seitdem dort auf dem Gräberfeld bestattet. Der Wohnungslose Werner etwa oder ein Flüchtling aus der Ukraine. An sie erinnern Findlingsgrabsteine. Jetzt folgt Norbert. Er war ein halbes Jahr im Hospiz, hatte kaum Kontakt zur Familie.

"Wir fragen die Leute ja alle, die zu uns kommen: Wie soll es weitergehen?", sagt Hospiz-Chef Kornau. Norberts ausdrücklicher Wunsch war es, auf dem Gräberfeld des Hospizes begraben zu werden. "Danke, dass es dich gab und in unseren Gedanken immer noch gibt", schließt ein Trauergast und legt einen Kranz nieder. Nicht für einen Unbekannten, sondern für Norbert.

Über dieses Thema haben wir am 06.05.2025 auch im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit aus Dortmund, 19.30 Uhr.

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