Cafer Toksöz und Serkan Ates beladen einen Bestattungswagen
Muslimische Bestattungen: "Jeder Fünfte will hier bestattet werden“
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Noch werden die meisten Muslime nach dem Tod in ihre alte Heimat überführt. Bestattungen in NRW nehmen aber zu. Das "Zentrum für soziale Unterstützung“ in Köln regelt für über eine Million Menschen mit überwiegend türkischen Wurzeln in Deutschland.
Sobald das Telefon klingelt, wird es für Serkan Ates und sein Team beim "Zentrum für soziale Unterstützung“ (ZSU) ernst. Denn jetzt geht es um die letzte Ruhe der Angehörigen. Häufig sind es emotionale Gespräche, bei denen sein Team den Überblick behalten muss. Schließlich sind sie dafür verantwortlich, dass bei der letzten Reise alles genau so abläuft, wie von den Verstorbenen und ihren Angehörigen gewünscht.
Serkan Ates möche alle Wünsche der Angehörigen erfüllen
Der Raum der Sterbefall-Hotline in Köln-Ehrenfeld ist die Koordinationszentrale für muslimische Bestattungen in ganz Deutschland. Rund um die Uhr sind sie hier erreichbar. An den Wänden des Büros hängen nach Städten sortiert offene Aufträge. Früher hieß das fast immer eine Überführung in die alte Heimat, mittlerweile findet etwa jede fünfte Bestattung in Deutschland statt.
"Wenn sie hier anrufen, wissen die meisten Familien schon Bescheid, wo sie ihre Angehörigen bestatten lassen wollen", weiß Serkan Ates. Deshalb gehe es vor allem darum, die Wünsche der Familie zu erfüllen. Und zwar so schnell wie möglich, denn der muslimische Glauben sieht idealerweise eine Bestattung innerhalb von 24 Stunden nach dem Tod vor.
Herausforderung mit deutscher Bürokratie
Die behördlichen Voraussetzungen für eine Beerdigung in Deutschland seien deshalb nicht immer einfach. "In vielen Gemeinden geht es trotzdem schnell, wir sind da sehr dankbar für das Entgegenkommen", so Serkan Ates. Gerade in Köln sei die Terminvergabe teilweise eine Herausforderung, einfach weil die Stadt viele Sterbefälle koordinieren müsse.
Besonders viel Geduld sei bei Sterbefällen an Feier- und Brückentagen gefragt, gerade während der Weihnachtszeit sei das für viele Angehörigen schwierig.
Dass die muslimischen Bestattungen in Köln und ganz NRW zunehmen, hänge auch damit zusammen, dass die wichtigsten Riten des muslimischen Glaubens eingehalten werden können. So gibt es in Köln zwei Friedhöfe, bei denen die Gräber nach Mekka ausgerichtet sind und ein Begräbnis ohne Sarg im traditionellen Leintuch möglich ist.
Ewigkeitsrecht als große Herausforderung
Salim Dikici kümmert sich beim ZSU um Verwaltungsfragen rund um Bestattungen. Für viele Angehörigen ist er nach dem ersten Kontrakt ein Ansprechpartner für offene Fragen. Dass es in Deutschland kein Ewigkeitsrecht gibt und Grabstellen nach 20 bis 30 Jahren neu vergeben werden, sei für viele Angehörigen eine große Herausforderung.
Salim Dikici kümmert sich um die Anliegen von Angehörigen
"Wir haben auch Fälle, Menschen rufen nach Jahrzehnten in Trauer an, weil ihr Großvater ausgebettet werden soll, und fragen, was sie jetzt machen sollen." Das Ewigkeitsrecht sei für viele einfach wichtig, schaffe eine besondere Verbindung zu den Vorfahren. "Wenn ich in der Türkei bin, verbringe ich ein bis zwei Tage in der Grabstelle, um alle zu besuchen", sagt er.
Heimatgefühl geht in Richtung Deutschland
War die Überführung in die alte Heimat für die Vorfahren noch eine Pflicht, drehe sich das Verhältnis dennoch langsam. Aus Gesprächen mit vielen Familien gehe hervor, dass das Heimatgefühl immer mehr zu Deutschland gehöre. "Bei Muslimen der dritten und vierten Generation findet ein Wandel statt, sie fühlen sich hier verbunden", so Serkan Ates.
Die Frage nach dem letzten Ruheort sei für viele ein wichtiges Thema. Immer bedeutender werde es, dass die Angehörigen hier leben und so die Grabstätte regelmäßig besuchen können.
Unsere Quellen:
- Zentrum für soziale Unterstützung e.V.
- WDR-Reporter vor Ort