Wunsch nach kreativen Bestattungen steigt

Aktuelle Stunde 09.07.2025 12:27 Min. UT Verfügbar bis 09.07.2027 WDR Von Jan Hofer

Bestattung auf Privatgrundstück? Gemeinde Laer muss entscheiden

Stand:

In Deutschland sind Bestattungen nur auf Friedhöfen erlaubt. Eigentlich. Ein Ehepaar in Laer will auf seinem Hof beerdigt werden.

Von Detlef Proges

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Der alte Hof in Laer im Kreis Steinfurt gehört seit Generationen der Familie. Ihren Namen möchte sie nicht öffentlich lesen, das Thema sei zu persönlich, erzählt der Sohn, der den Hof übernommen hat und dort mit seiner Familie und seinen Eltern wohnt.

An der Hofeinfahrt steht ein eingezäunter Bildstock aus Sandstein mit Jesus- und Marienfigur. Typisch für viele ländliche Anwesen im Münsterland. Nach ihrem Tod wollen die über 80-jährigen Eltern, dass hier ihre Asche vergraben wird. So haben sie es bereits schriftlich bestimmt.

"Eltern als Schutzengel"

Der Gedanke an den Tod seiner Eltern wäre unfassbar traurig für ihn, erzählt der Sohn. Aber: "Es wäre ein Trost für mich, wenn meine Eltern hier auf dem Grundstück blieben, quasi als Schutzengel."

Die Gemeinde Laer erlaubt aber noch keine Bestattungen auf Privatgrundstücken. Doch der Sohn des Ehepaares hat die Bestattung seiner Eltern am Bildstock auf dem Hof beantragt. Die Gemeinde Laer darf eine solche Ausnahme grundsätzlich zulassen. Am Mittwochabend hat der Gemeinderat über das Thema diskutiert, ist aber noch zu keinem Entschluss gekommen.

Ein Bildstock mit grünen Pflanzen, roten Rosen und zwei Steinskulpturen am Rande eines Weges

An diesem Bildstock auf ihrem Hof in Laer will das Ehepaar bestattet werden

Viele Ratsmitglieder in Laer können sich Asche-Bestattungen auf Privatgrundstücken durchaus vorstellen, aber es seien eben noch viele Fragen zu klären. Was zum Beispiel passiert, wenn das Grundstück mit der Begräbnisstätte verkauft wird? Oder: Wie lange muss die Grabstelle erhalten bleiben? Die Gemeindeverwaltung muss nun Regelungen dafür erarbeiten. Und der Rat in Laer muss denen - nach der Sommerpause - dann noch zustimmen. In anderen Kommunen, auch im Münsterland, wurden Asche-Bestattungen auf Privatgrundstücken schon erlaubt.

Parteien haben Diskussionsbedarf

Die CDU hat die Mehrheit im Gemeinderat Laer. Der Fraktionsvorsitzende, Matthias Heuermann, berichtete dem WDR im Vorfeld der Sitzung, dass seine Partei den Ratsmitgliedern zu dem Thema keine einheitliche Beschlussfassung empfehlen werde. Das sei eine sehr persönliche Entscheidung. Er selbst stehe Aschebestattungen auf bäuerlichem Privatgrund grundsätzlich positiv gegenüber.

Das Rathaus in Laer an einem bewölkten Tag

Die Gemeindeverwaltung in Laer befürwortet grundsätzlich die Aschebestattung auf Privatgrundstücken

Auch die Sprecherin der Grünen, der zweitgrößten Fraktion im Laerer Gemeinderat, Elke Schuchtmann-Fehmer sagt, ihre Partei würde noch kontrovers über das Thema diskutieren. Es gebe noch offene Fragen. Grundsätzlich stünden die Grünen aber für freiheitliche Lösungen.

Die Verwaltung der Gemeinde Laer befürwortet prinzipiell den Antrag zur Bestattung auf Privatgrund. Das sei nach der aktuellen Friedhofssatzung in Laer zwar nicht erlaubt. Das NRW-Bestattungsgesetz sehe aber die Möglichkeit vor, dass Totenasche auf Grundstücken außerhalb von Friedhöfen verstreut oder vergraben werden dürfe. Ein Grundsatzbeschluss des Rates soll jetzt Klarheit schaffen.

Ein Knackpunkt dabei: Sollten mehr Menschen auf Privatgrundstücken beigesetzt werden, gebe es auch weniger Gebühreneinnahmen für den Gemeindefriedhof.

Aschebestattung auf Privatgrund unter Auflagen

In anderen Kommunen in NRW hat es Aschebestattungen auf Privatgrundstücken bereits gegeben. Allein in Lüdinghausen im Kreis Coesfeld wurden seit 2023 elf solcher Anträge genehmigt. Diese Art der Beerdigung bleibt aber bislang die große Ausnahme hierzulande.

Und sie ist an Auflagen geknüpft. So müssen die Verstorbenen schon zu Lebzeiten schriftlich festgehalten haben, dass sie so bestattet werden wollen. Der private Bestattungsort muss einen Friedhofscharakter haben und jederzeit öffentlich zugänglich sein.

Es ist auch nur eine Aschebestattung ohne Urne möglich. Ebenso muss die Achtung der Totenwürde gewahrt werden. So muss garantiert werden, dass der Bestattungsort für eine bestimmte Anzahl von Jahren nicht zerstört wird und er ein würdevolles Umfeld hat.

Bestattung auf Privatgrundstück? Gemeinde Laer muss entscheiden

WDR Studios NRW 09.07.2025 00:40 Min. Verfügbar bis 09.07.2027 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Reportergespräch mit der Familie
  • CDU und Grüne im Gemeinderat Laer
  • Gemeindeverwaltung Laer
  • NRW-Bestattungsgesetz

Kommentare zum Thema

2 Kommentare

  • 2 Horst Irmer 09.07.2025, 19:23 Uhr

    Ich habe verfügt, wie meine bereits verstorbene Frau, dass auch meine Asche auf dem Grundstück unter dem Kastanienbaum, welchen sie im ersten Schuljahr gezogen hatte, verstreut wird.

  • 1 kaha 09.07.2025, 18:33 Uhr

    Das Liebe Geld wird der Gemeinde fehlen!--- Ich Werde mich in Holland verbrennen lassen und die Urne garnicht abholen lassen. Die Asche wird dann dort verstreut!

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