Auf dem Foto sind große Rollen feuerverzinkten Stahls. Zwischen den Rollen steht ein Arbeiter von Thyssenkrupp mit einem Helm.

Verkauf der Stahlsparte Darum pausiert Thyssenkrupp die Gespräche

Stand:

Der Industriekonzern Thyssenkrupp will seine Stahlsparte vorerst doch nicht an den indischen Konkurrenten Jindal verkaufen. Das wurde am Samstag bekannt.

Der Essener Konzern teilte mit, die Verkaufsgespräche mit dem indischen Unternehmen Jindal seien vorerst "pausiert". Dies habe man im Einvernehmen mit Jindal entschieden. Der Grund für den Sinneswandel sei, dass sich die Marktbedingungen in den vergangenen Monaten deutlich geändert hätten, hieß es in einer Mitteilung vom Samstag.

 Thyssenkrupp-Stahlwerk

Thyssenkrupp-Stahlwerk in Duisburg

Inzwischen sehe Thyssenkrupp große Fortschritte bei der "Neuaufstellung" der Stahlsparte, hieß es in der Mitteilung weiter. Außerdem hätten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Europa verbessert. Die Verkaufsgespräche waren bereits im September vergangenen Jahres gestartet.

Schutz vor Dumping-Stahl versprochen

Die EU habe die große Bedeutung der Stahlproduktion für den europäischen Markt erkannt und habe versprochen, die europäischen Hersteller besser vor globalen Überkapazitäten und Dumping zu schützen sowie die Umstellung auf klimafreundliche Produktion weiter zu stärken. Unter anderem soll dies durch Schutzzölle geschehen.

Miguel López - Thyssenkrupp-Chef

Thyssenkrupp-Chef Miguel López

"Wir haben immer gesagt: Stahl ist Zukunft. Und ein zukunftsfähiges Geschäft ist ein werthaltiges Geschäft", sagte Thyssenkrupp-Chef Miguel López laut Pressemitteilung. "Nachdem wir uns im eigenen Unternehmen, mit den Tarifpartnern und mit der Politik in Deutschland und Europa im Grundsatz geeinigt haben, sind die Voraussetzungen für eine profitable Fortführung von Thyssenkrupp Steel so gut wie lange nicht mehr."

IG Metall fürchtet "Hängepartie"

Ganz ausschließen will Thyssenkrupp nicht, dass die Gespräche mit Jindal zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgenommen werden. Bei der Gewerkschaft IG Metall fürchtet man deshalb eine "Hängepartie". Jürgen Kerner, zweiter Vorsitzender der Gewerkschaft, forderte deshalb in einer ersten Reaktion "einen klaren Schnitt und ein Ende der Gespräche ohne Hintertür".

Kerner forderte Unternehmenschef López außerdem dazu auf, zusammen mit der IG Metall eine Lösung zu finden, wie die Stahlsparte aus eigener Kraft neu aufgestellt werden kann.

Thyssenkrupp-Konzern will Stahl nicht nach Indien verkaufen

WDR 02.05.2026 00:54 Min. Verfügbar bis 01.05.2028 WDR Online

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Deutsche Stahlbranche in der Krise

Ein Stahl-Mitarbeiter ist zu sehen, wie er in Schutzkleidung an einem Hochofen arbeitet.

Das Stahlunternehmen Thyssenkrupp baut seinen Betrieb stark um

Die Stahlsparte von Thyssenkrupp leidet schon seit Jahren unter der globalen Konkurrenz. Speziell seit dem russischen Überfall auf die Ukraine und den damit verbundenen Preissteigerungen bei Energie kann die Branche in Deutschland im Wettbewerb mit Stahlproduzenten aus dem Ausland nicht mehr bestehen. Zölle auf Stahlimporte in die USA und vor allem eine Überproduktion aus China machen Thyssenkrupp zusätzlich zu schaffen. Hinzu kommt: Konventionelle Stahlproduktion verursacht viel CO2. Mit dem Umbau zur Herstellung von grünem, also klimaneutralem Stahl tun sich Unternehmen schwer.

Jindal ist nicht das erste Unternehmen, mit dem der Essener Konzern über einen Verkauf der Stahlsparte verhandelt. Gespräche mit früheren Interessenten hatten ebenfalls nicht zu einem Ergebnis geführt.

Unsere Quellen:

  • Nachrichtenagentur dpa
  • Thyssenkrupp AG
  • IG Metall

Sendung: WDR 2, WDR aktuell, 02.05.2026, 18:00 Uhr

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