Indischer Konzern will Stahlsparte von Thyssenkrupp kaufen
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Der indische Stahlhersteller Jindal Steel International will die Stahlsparte von Thyssenkrupp kaufen. Das Angebot wird nun geprüft. Erste Reaktionen kommen aus Kreuztal, wo die Beschäftigten zuletzt um den Weiterbetrieb des Thyssenkrupp-Standorts gekämpft haben.
"Die Thyssenkrupp AG hat ein unverbindliches, indikatives Angebot von Jindal Steel International für den Kauf von Thyssenkrupp Steel Europe erhalten", teilte der Industriekonzern am Dienstag in Essen mit. Der Vorstand der AG werde dieses Angebot intensiv prüfen - mit Blick auf die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit, die Fortführung der grünen Transformation sowie die Beschäftigung an den Stahl-Standorten. Weitere Informationen zum Angebot machte Thyssenkrupp zunächst nicht.
Die IG Metall teilte mit, dass die Arbeitnehmerseite den Prozess konstruktiv begleiten wolle. "Dass ein wachstumsorientierter Stahlkonzern wie Jindal Steel International als strategischer Investor bei Thyssenkrupp Steel einsteigen will, ist grundsätzlich eine gute Nachricht für unsere Beschäftigten", sagte der stellvertretende Aufsichtsratschef der Thyssenkrupp AG, Jürgen Kerner, laut einer Mitteilung der Gewerkschaft.
Reaktionen zur möglichen Übernahme aus Kreuztal
Die Nachricht vom Übernahmeangebot hat bei Beschäftigten von Thyssenkrupp Steel im Siegerland ganz unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. "Schon wieder neue Pläne, man weiß mittlerweile überhaupt nicht mehr, wie es weitergeht", stöhnen die einen. In Kreuztal hatte man erst gerade den Kampf um die weitere Existenz des Werkes gewonnen geglaubt: Jetzt weiß man nicht, was dieser Erfolg wert ist, wenn Thyssenkrupp einen neuen Eigentümer bekommt.
Andere sehen das Angebot positiver - verknüpfen die Hoffnung damit, dass jemand gewillt ist, in den Stahlstandort Deutschland und auch ihre Werke zu investieren. Helmut Renk, Betriebsratsvorsitzender von Thyssenkrupp Steel im Siegerland, sagt, dass er den Gesprächen mit dem indischen Interessenten grundsätzlich offen gegenüberstehe - und es durchaus positiv sei, wenn solch ein großer Konzern Interesse daran habe, den Stahlstandort Deutschland auszubauen.
Aber: Was das Angebot im Detail, auch für die Werke im Siegerland bedeute, das könne man im Moment überhaupt noch nicht sagen.
IG Metall: Zügig in Gespräche einsteigen
Laut der IG Metall verfüge Jindal Steel über einen eigenen Zugang zu Rohstoffen und Know-how in der grünen Transformation: "Jetzt kommt es darauf an, zügig in substanzielle Gespräche einzusteigen, um möglichst schnell Klarheit über die wichtigsten offenen Fragen zu erlangen."
Die Stahlsparte Thyssenkrupp Steel ist Deutschlands größter Stahlhersteller. Das Unternehmen ist wegen der Konjunkturschwäche, hoher Energiepreise und Billigimporten aus Asien in eine Krise geraten. Als Gegenmaßnahme sollen die Kapazitäten verringert werden - von 11,5 Millionen Tonnen pro Jahr auf 8,7 bis 9 Millionen Tonnen. Rund 11.000 Stellen sollen abgebaut oder ausgegliedert werden. Betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben.
Unsere Quelle:
- Nachrichtenagentur dpa
- WDR-Reporter im Gespräch mit Mitarbeitern und dem Betriebsratsvorsitzenden