Abhilfe in der Erntezeit: viele Jungtiere könnten bald durch die Technik verschont bleiben

WDR 02:20 Min. Verfügbar bis 27.05.2028

Innovation für den Tierschutz Lebensechte Reh-Puppe soll vor Mäh-Tod schützen

Stand:

Bei der Grasernte sterben in Deutschland jährlich bis zu 100.000 Rehkitze. Ein Reh-Dummy aus Münster soll helfen, sie zu schützen.

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Marco Poltronieri

Versteckt im hohen Gras fallen jedes Jahr zigtausend Tiere den Erntemaschinen und Mähwerken zum Opfer, die sie nicht rechtzeitig erkennen. Schätzungsweise allein 50.000 bis 100.000 Rehkitze sind es laut Deutscher Wildtier Stiftung. "Die hohe Zahl hat mich geschockt", sagt Peter Schimmelpfennig. Also musste er was tun.

Igel-Dummy als Vorlage für Reh-Dummy

Ein Reh-Dummy zwischen Getreide in einem Feld.

Zwischen hoher Vegetation sind Rehe schlecht zu sehen, besonders vom Fahrersitz einer Landmaschine aus.

Schimmelpfennig ist Geschäftsführer von Crashtest-Service Münster. Dummys und Unfälle sind also sein Geschäft. Auch Erfahrungen mit Tier-Dummys haben die Münsteraner schon. Vögel-Dummys und Dummys von Igeln etwa.

Die Igel-Dummys nutzen Hersteller selbstfahrender Rasenmäher, damit die Mäh-Roboter lernen, echte Igel zu erkennen. Jetzt hat er mit seinem Team einen sogenannten "Bio-Fidel-Reh-Dummy" entworfen. Soll heißen: sein Prototyp ist lebensecht, mit Weichteilgewebe und Knochen, ähnlich einem echten Reh.

Tiere durch Wärme und Radar rechtzeitig erkennen

Und so funktioniert es: der Reh-Dummy hat eine integrierte Wärmequelle. "Eine reine Wärmebild-Erkennung schützt aber nur bedingt. Hitzepunkte auf einem Feld gibt es viele. Deshalb kommt zusätzlich auch noch Radar-Technik ins Spiel", sagt Schimmelpfennig.

Eine Wärmebildkamera filmt einen Reh-Dummy.

Wie echte Rehe geben die Dummys Wärme ab und sind so auch für Wärmebildkameras zu sehen.

Die Sensorik muss auf der schweren Landmaschine allerdings integriert sein. Dann erkennt der Landwirt dank Wärme-Bild und Radar rechtzeitig die Gefahr.

Zusätzliche Maßnahme zu Drohnen

Seit ein paar Jahren schon helfen Drohnen, Rehkitze im Gras zu erkennen und rechtzeitig vor dem Einsatz von Mähmaschinen zu retten. Bauern arbeiten dabei oft mit Jägerinnen und Jägern zusammen. Sie stülpen dann über die Jungtiere Körbe, solange das Gras gemäht wird.

Bildaufnahme von Landwirt und Jäger Hugo Hölken. Er ist begeistert von dem Reh-Dummy.

Landwirt Hugo Hölken (CDU) ist begeistert vom Reh-Dummy

Landwirt und Jäger Hugo Hölken aus Münster hat vor einigen Jahren über sein kommunalpolitisches Engagement für die CDU angeregt, dass Drohnen vom Land gefördert werden. Inwischen wird die Technik vom Bund subventioniert.

Rehdummys hält Hölken als sinnvolle Weiterentwicklung: "Es gibt immer wieder Kitze, die wir durch Drohnen und Hunde nicht finden. Vielleicht rettet diese Technik noch zusätzlich Leben."

Dummys für Landmaschinen-Hersteller

Unternehmer Schimmelpfennig liefert "nur" den Reh-Dummy. Kostenpunkt: etwa 10.000 Euro. In den nächsten Wochen fährt er damit zu Landmaschinen-Herstellern und stellt sein neues Projekt vor. Dann können diese die Dummys nutzen, um ihre Maschinen fit zu machen. "Bei uns in der Firma arbeiten Landwirte, die freuen sich schon drauf. Die sind total begeistert."

Allerdings wird es noch ein bisschen dauern, bis durch Dummys Rehkitze vor dem Mäh-Tod bewahrt werden können. Schimmelpfennig schätzt, dass es in ein bis drei Jahren so weit sein wird.

Münsteraner Firma entwickelt speziellen Reh-Dummy

WDR 27.05.2026 00:36 Min. Verfügbar bis 26.05.2028

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Unsere Quellen:

  • Gespräch mit Peter Schimmelpfennig, Crashtest-Service Münster
  • Deutsche Wildtier Stiftung
  • Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung
  • Beobachtungen des Reporters und der Reporterin vor Ort

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Münsterland, 27.05.2026, 19:30 Uhr

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