E-Ladestation fuer LKW in Recklinghausen

Kürzere Ladezeiten machen E-LKW beliebter bei Speditionen in NRW

Hohe Spritpreise Elektrische Lastwagen auf der Überholspur?

Stand:

Auf den Straßen in NRW sind immer mehr E-Lkw unterwegs. Damit Speditionen ihre Flotten aber flächendeckende umrüsten, braucht es vor allem mehr Ladesäulen.

Von Sebastian Moritz

Tobias Freihube gleitet mit seinem Lastwagen fast lautlos über die Autobahn. "Die Beschleunigung ist sehr sanft, man hat keine Schaltvorgänge und ist sehr leise unterwegs", schwärmt der Dortmunder hinter dem Steuer seines gelb-blauen Lastwagens. Es ist einer von rund 60.000 E-Lkw, die in Nordrhein-Westfalen zugelassen sind. Und es werden immer mehr.

Die Zahl der rein elektrisch betriebenen Lastwagen und Zugmaschinen hat sich in NRW in den vergangenen fünf Jahren etwa verdreifacht. Rund fünf Prozent der hier zugelassenen Lkw und Zugmaschinen haben ausschließlich einen Elektromotor, wie Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes zeigen.

Laut einer Prognose der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC könnte schon 2030 mehr als jeder fünfte Lkw und Bus elektrisch fahren, bis 2040 könnten die E-Lkw die Diesellaster auf den Straßen schon fast verdrängt haben, so die Vorhersage. Längst sind die großen Hersteller wie Mercedes, Volvo und MAN in die Serienproduktion der E-Lkw eingestiegen.

"Die Einsatzgebiete der batterieelektrischen Lastwagen sind kaum begrenzt, wir sind inzwischen schon so weit, dass selbst in der Chemieindustrie Unternehmen brennbare Flüssigkeiten mit den E-Lkw transportieren", sagt Marcus Hover, stellvertretender Hauptgeschäftsführer beim Verband Verkehrswirtschaft und Logistik Nordrhein-Westfalen.

Landesregierung unterstützt Speditionen beim Umstieg

Ein flächendeckender Umstieg auf Elektro-Lkw würde die Branche nicht nur unabhängiger machen, er würde auch die Umweltbilanz verbessern. Nur gut ein Prozent der Fahrzeuge in NRW sind dem schweren Straßengüterverkehr zuzuordnen. Sie machen jedoch mehr als 20 Prozent der Emissionen im Verkehrssektor aus. Mit der Informationskampagne „E-Trucks.NRW“ unterstützt die Landesregierung Speditionen beim Umstieg auf die E-Mobilität.

Grüner Transport: E-Lkw sind im Kommen bei Speditionen in NRW

WDR 23.04.2026 05:05 Min. Verfügbar bis 22.04.2028 WDR Online

Download

"Die Nutzfahrzeuge sind eine wichtige Stellschraube, um die Emissionen im Verkehrssektor zu reduzieren, deshalb unterstützt die Landesregierung den Umstieg auf E-Mobilität in der Transportbranche", sagt Manuel Schaloske von der Landesgesellschaft für Energie und Klimaschutz „NRW.Energy4Climate“. Mehrere hundert kleine und mittelständische Unternehmen haben er und sein Team seit dem vergangenen Jahr bereits beraten.

E-LKW ein Zuschussgeschäft?

Ein Argument für den Umstieg auf E-Lkw: Spediteure, die mit elektrischen Lastwagen unterwegs sind, müssen keine Maut zahlen - eine entsprechende Regelung wurde erst kürzlich bis zum Jahr 2031 verlängert. Je nach Fahrleistung kann das Einsparungen von jährlich zehntausenden Euro bedeuten. Und doch seien die elektrischen Lastwagen für die Speditionen noch ein Zuschussgeschäft, sagt Marcus Hover, vom Verband Verkehrswirtschaft und Logistik NRW.

"Der E-Lkw kostet rund doppelt so viel wie ein dieselbetriebener Lkw, das rechnet sich für die Spedition nur, wenn der Kunde wirklich e-mobil seine Güter transportieren will und auch bereits ist, dafür etwas mehr zu zahlen", so Hovekamp.

"Flickenteppich" beim Ladenetz

Gebremst wird der Ausbau der E-Mobilität noch vom dünnen Ladenetz. Bei den neuen Fahrzeugen sind Reichweiten von 500 Kilometer zwar Standard, für Touren quer durch Europa reicht das jedoch nicht. Viele machen es so wie der Dortmunder Lkw-Fahrer Tobias Freihube und laden auf dem Gelände des eigenen Betriebs. "Die vorhandenen Ladeparks reichen bei Weitem noch nicht aus, das ist heute noch ein Flickenteppich und noch lange keine flächendeckene Lösung", so Freihube.

Ein LKW lädt an einer elektrischen Ladesäule

Ladepark in Recklinghausen: Schnellladesäulen laden E-Lkw in unter einer Stunde voll auf.

Doch bei der Ladeinfrastruktur tut sich etwas. An der Raststätte Lipperland-Süd an der Autobahn 2 ist im vergangenen Jahr die erste Megawatt-Ladestation für Elektro-Lkw in Betrieb gegangen. Mit einer Ladeleistung von bis zu 1.200 Kilowatt können Lastwagen in 45 Minuten komplett aufgeladen werden. 45 Minuten - exakt so lange dauert die vorgeschriebene Pause, die ein Lkw-Fahrer nach viereinhalb Stunden hinterm Steuer ohnehin einlegen muss.

Langfristig plant die Bundesregierung ein Netz mit 350 Standorten und mehr als 4.000 Ladepunkten, verteilt über die gesamte Autobahn-Infrastruktur.

Unsere Quellen:

  • Statistiken des Kraftfahrtbundesamtes
  • WDR-Interview Tobias Freihube, Lkw-Fahrer
  • WDR-Interview Marcus Hover, Verband Verkehrswirtschaft und Logistik Nordrhein-Westfalen e.V.
  • WDR-Interview Manuel Schaloske, NRW.Energy4Climate, Landesgesellschaft für Energie und Klimaschutz
  • Studie Strategieberatung PwC
  • Pressemitteilung Landesregierung NRW: Nordrhein-Westfalen startet neue Kampagne "E-Trucks.NRW"

Sendung: WDR 5, Wirtschaftsmagazin, 23.04.2026, 13:35 Uhr

Weitere Beiträge über Unternehmen aus NRW

1 / 2