Deutschlands erste Megawatt-Ladestation für E-Lkw auf A2 in Herford

02:30 Min. Verfügbar bis 02.10.2027

Deutschlands erste Megawatt-Ladestation für E-Lkw auf A2 in Herford

Stand:

In nur 45 Minuten können E-Lkw an der Raststätte Lipperland-Süd an der A2 vollständig aufgeladen werden. Die erste Megawatt-Ladestation Deutschlands ist Teil eines Forschungsprojekts und soll zeigen, ob Fernverkehr künftig elektrisch funktioniert.

Von Marvin H. Konrad

Deutschlands erste Megawatt-Ladestation für Elektro-Lkw ist seit kurzem an der Raststätte Lipperland-Süd an der Autobahn 2 in Betrieb. Mit Ladeleistungen von bis zu 1.200 Kilowatt können Lastwagen hier in der vorgeschriebenen Fahrerpause von 45 Minuten vollständig aufgeladen werden.

Möglich macht das das neue MCS-System - Megawatt Charging Standard - , das nun erstmals im Alltag getestet wird. Die Anlage ist Teil des Projekts HoLa ("Hochleistungsladen im Lkw-Fernverkehr"), das vom Bundesverkehrsministerium mit rund zehn Millionen Euro gefördert wird.

Forschungslabor an der Autobahn

Ein Close-Up der Ladesäule

Die Ladestation hat eine Ladeleistung von bis zu 1.200 Kilowatt.

An insgesamt fünf Standorten zwischen Berlin und dem Ruhrgebiet werden in den kommenden Monaten Mega-Charger installiert. Die A2 ist dabei ein logischer Startpunkt: Sie zählt zu den wichtigsten Transitachsen für den europäischen Güterverkehr.

Täglich rollen hier zehntausende Lkw - ideale Bedingungen, um die Technik unter realistischen Bedingungen zu erproben. Einer der ersten Praxistests läuft bei der Spedition Westfalen-Lippe in Herford.

Speditionen testen die Technik

Geschäftsführer Felix Nullmeier sieht klare Vorteile: Bisher konnten E-Lkw oft nur mit 300 bis 400 Kilowatt geladen werden. Am Mega-Charger in Bielefeld waren es zum Start über 800 Kilowatt - das verdoppelt die Reichweite in kürzester Zeit.

"Wir werden ihn jetzt erstmal die nächsten 1,5 Wochen bei unseren Kunden testen, um ihnen zu zeigen, dass es mit Elektromobilität funktionieren kann. Und dass es eine Lösung für die Zukunft ist. Wir hoffen dann natürlich darauf, dass unsere Kunden das verstehen und dass sich da auch die Nachfrage auch danach entwickelt." Felix Nullmeier von der Herforder Spedition Westfalen-Lippe
Ein LKW wird an die Ladesäule angeschlossen

In 45 Minten sollen die Lkw vollständig geladen sein.

Zwei neue E-Lkw hat das Unternehmen bereits bestellt, ein Testfahrzeug ist schon im Einsatz. Nullmeier will damit vor allem Kunden überzeugen, dass Elektromobilität auch im schweren Fernverkehr praktikabel sein kann.

Konkurrenz der Antriebe

Ob sich E-Lkw langfristig durchsetzen, ist dennoch offen. Viele Spediteure schauen auch auf Wasserstoff. "Wir bleiben technologieoffen", sagt Nullmeier. Zwar hinkt die Wasserstoff-Infrastruktur noch hinterher, doch auch hier gibt es Pilotprojekte.

Politik und Forschung setzen mit HoLa allerdings zunächst auf Strom. Der Vorteil: E-Lkw sind bereits seriennah verfügbar und stoßen lokal kein CO2 aus. Die Technik ist vielversprechend – doch sie verlangt dem Stromnetz einiges ab.

"Mit HoLa bringen wir eine Schlüsseltechnologie für den klimafreundlichen Güterverkehr auf die Straße. Damit wird der Einsatz von batterieelektrischen Lkw im Fernverkehr flexibler und wirtschaftlicher." Christian Hirte, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr

Ein einziger Ladevorgang zieht mehr Leistung als viele Einfamilienhäuser zusammen. Deshalb wird im Rahmen des Projekts auch untersucht, wie Netzkapazitäten ausgebaut und Lastspitzen abgefangen werden können.

EnBW und andere Energieversorger sind eng eingebunden. Die Ergebnisse sollen später als Blaupause für ein bundesweites Netz dienen. Bis Ende 2026 entstehen entlang der A2 weitere Standorte mit insgesamt acht Megawatt-Ladepunkten.

4.000 Ladestation auf den Autobahnen

Die Ladestation an der A2 bei gutem Wetter

Die erste von über 4.000 Ladestationen steht in Herford.

Langfristig plant die Bundesregierung ein Netz mit 350 Standorten und mehr als 4.000 Ladepunkten, verteilt über die gesamte Autobahn-Infrastruktur. Für NRW hat das besondere Bedeutung:

Als Transitland zwischen den Benelux-Staaten, Polen und Süddeutschland ist es Drehscheibe des europäischen Güterverkehrs. Wenn der Strom statt Diesel zur Antriebsenergie wird, wird sich das zuerst hier zeigen.

Unsere Quellen:

  • WDR-Reporterin vor Ort
  • Pressemitteilung des Bundesverkehrsministeriums
  • Projektinformationen vom Hochleistungsladen LKW-Fernverkehr (HoLa)
  • Felix Nullmeier von der Herforder Spedition Westfalen-Lippe

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